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Bienes, Arthur, Hermine, Marion und René

Arthur Bienes
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Arthur Lorenz Bienes wurde in Frankfurt am Main als Sohn von Johanna und Simon Bienes geboren. Nach der Schule trat er in die Lederwarenfabrik des Vaters ein. Im Ersten Weltkrieg war er von 1914 bis 1918 beim Militär. Nach dem Tode des Firmengründers im Jahre 1921 führte er zusammen mit seinem Bruder Hermann die Lederfabrik S. Bienes oHG. Im Jahre 1923 heiratete er Hermine Cohen, das Paar bekam zwei Kinder, Marion und René. Die Familie lebte bis etwa 1931 im Hause seiner Mutter, Johanna Bienes, in der Mainzer Landstraße 36, ehe sie in die Sophienstraße 12 umzog. Marion besuchte die Varrentrappschule, René das Philanthropin.

Im Jahre 1934 wurde die Firma in eine GmbH umgewandelt und ein Jahr später abgemeldet. Am 9. Mai 1935 emigrierte Arthur Bienes mit Frau und Kindern nach Amsterdam. Er verlegte die Geschäftstätigkeiten nach Holland, zweimal jährlich entwarf er eine neue Kollektion, mit der er dann auf Reisen ging. Die Kinder lernten holländisch und besuchten dort bald die Schule. In Marions Klasse war Margot Frank, die ältere Schwester von Anne Frank. Marion erinnert sich an Margot Frank, die sie als nettes, ruhiges und sehr intelligentes Mädchen beschreibt. Im Februar 1941 war Renés Bar Mitzwa. Im Winter 1941/1942 fiel im Gesangsunterricht Marions schöne Stimme auf, sie bekam von da an Gesangsstunden.

Marion Bienes
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1942 bekam Marion Bienes die Order, sich für einen Transport nach Auschwitz am Bahnhof einzufinden, doch der Vater konnte ihre Deportation mit Zahlungen an die Organisation „The right People“ (de Joodsche Rat) verhindern. Da Hermine Bienes im Alter von 14 Jahren getauft worden war, wurden sie und ihre Familie von den ständig stattfindenden Transporten „zurückgestellt“. Im Winter 1942/1943 kamen die Deutschen neun Mal in das Haus der Familie, meist nach Mitternacht. Beim neunten Mal, im März 1943, wurde die Familie zur „Hollandsche Schouwenburg“ gebracht, René und die Eltern von dort im Mai nach Westerbork verschickt, Marion von der Familie getrennt und im Oktober 1943 nach Westerbork deportiert.

Das Grausamste an Westerbork waren, schreibt Marion Bienes, die jeden Dienstag abgehenden Transporte in die Vernichtungslager. René arbeitete in Westerbork für die Deutschen als Bursche. Er kochte Kaffe, machte Besorgungen und kochte sogar für sie. Im Februar 1944 wurden Arthur Bienes, Marion und René nach Bergen Belsen deportiert. Hermine Bienes blieb in Westerbork zurück und wurde im September 1943 nach Theresienstadt deportiert. In Bergen Belsen erduldeten Arthur Bienes und seine Kinder viele Grausamkeiten und litten großen Hunger. Der Gesundheitszustand aller Insassen war sehr schlecht.

René und Marion Bienes als Kinder
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Im Januar 1945 erkrankte Arthur Bienes an einem Hungerödem, Bauchtyphus oder Ruhr, schrieb Marion Bienes. Sie blieb drei Tage beim Vater. Es gab keinen Arzt und keine Medikamente. René war zu dieser Zeit gleichfalls in einem sehr schlechten Zustand. Auch sie selbst war krank und geschwächt. Im überbelegten Lager kam es im März 1945 zu einer Ruhr- und Paratyphus-Epidemie mit vielen Toten. Marion wurde krank, bekam durch Kratzen eine Blutvergiftung. Man brachte sie ins Hospital, ihr Bruder René besuchte sie, langsam erholte sie sich wieder. Pakete vom schwedischen Roten Kreuz mit Zucker und Knäckebrot trafen ein.

Der 23. April 1945 war der Tag der Befreiung durch die Russische Armee. Marion kam nach Eindhoven ins Krankenhaus. Sie sorgte sich um René, denn sein Name war nicht auf der Liste der Überlebenden von Bergen Belsen. Ihre schlimmsten Befürchtungen bewahrheiteten sich. René war dort umgekommen. Sein Leichnam wurde nie identifiziert. Später traf sie einen jungen Mann, der ihr erzählte, er habe René am 12. April 1945 gefunden. Da sei er vermutlich schon mehrere Tage tot gewesen, schreibt Marion Bienes.

René Bienes in der Daltonschool in Amsterdam 1939, in Sitzreihe 2. von links
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Im Juli 1945 traf Marion Bienes in Amsterdam mit der Mutter zusammen, die aus dem Lager Theresienstadt 1945 von der Russischen Armee befreit worden war. 1946 heiratete Marion einen ehemaligen Klassenkameraden und lebte mit ihm in den USA. Sie war dreimal verheiratet und bekam 1951 ihr einziges Kind Michael, der heute in Israel lebt. 1953 ging sie mit ihm nach Holland und nahm dort Gesangsstunden. Im November 1956 erhielt sie ein Engagement an der Hoofdstad Operette und begann eine künstlerische Karriere. Marion Bienes engagierte sich für den Tierschutz und besonders gegen die Laborversuche mit Tieren. Sie besuchte Demonstrationen und verbrachte mehrere Tage in Amsterdam sowie in London, New York und Washington in einem für sie gebauten Käfig, um auf die Situation der Labortiere aufmerksam zu machen.

Hermine Bienes starb am 5. November 1987 in Amsterdam. Marion Bienes hatte sich in den letzten Jahren um ihre Mutter gekümmert. Marion Bienes lebt heute in Amsterdam.

Internet: http://www.marionbienes.com

Initiiert wurden die Stolpersteine von Renate Ullrich

Personen
Marion Bienes
Geburtsdatum:28.8.1925
Deportation:Interniert: Oktober 1943 Westerbork; Deportation: Von Westerbork Februar 1944 nach Bergen-Belsen
Todesdatum:Befreit/überlebt
Hermine Bienes, geb. Cohen
Geburtsdatum:14.1.1893
Deportation:Von Westerbork September 1944 nach Theresienstadt
Todesdatum:Befreit/überlebt (5.11.1987)
Arthur Lorenz Bienes
Geburtsdatum:26.7.1889
Deportation:Von Westerbork 15.2.1944 nach Bergen-Belsen
Todesdatum:9.1.1945
René Siegbert Bienes
Geburtsdatum:1.2.1928
Deportation:Von Westerbork 15.2.1944 Bergen-Belsen
Todesdatum:April 1945
Stolperstein Sophienstraße 12 Arthur Bienes © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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Stolperstein Sophienstraße 12 Hermine Bienes © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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Stolperstein Sophienstraße 12 Marion Bienes © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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Stolperstein Sophienstraße 12 René Bienes © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main<br />
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