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Sonntag, Paul

Paul Sonntag wurde in Leipzig geboren. Im ersten Weltkrieg diente er an der Westfront und wurde mit dem EK II ausgezeichnet. Von Beruf war er Buchdrucker, Mitglied im Verband der Deutschen Buchdrucker bis 1931. Anfang der 1930er Jahre kam er nach Frankfurt und war zuletzt verheiratet mit Gertrud, geb. Köhler. Das Ehepaar bekam 1939 einen Sohn namens Anton.

Aus der SPD trat Paul Sonntag 1923 aus und wurde wohl KPD Mitglied, ab 1931 war er Vertreter der Arbeiter-Zeitung in Leipzig. Er kam schnell in Konflikt mit der Obrigkeit, 1933 saß er wegen kommunistischer Betätigung mehrere Wochen in Schutzhaft. Das Oberlandesgericht Hamburg verurteilte ihn wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu zwei Jahren Gefängnis. Nach Verbüßung der Strafe war er Vertreter für Staubsauger. 1937 wurde erneut gegen ihn ermittelt und er kam in das Frankfurter Polizeigefängnis. Das Verfahren wurde eingestellt. Ab 1937 arbeitete Paul Sonntag bei der Bauerschen Gießerei in Bockenheim.

Im Juli 1942 nahm man ihn wieder in „Schutzhaft“. Der Vorwurf lautete, er habe seit 1940 ausländische Nachrichtensendungen abgehört, seit 1942 habe er mit eigenem Radiogerät selbst die Sender eingestellt. Diese Nachrichten habe er an seiner Arbeitsstelle mit Paul Janke und Josef Funk erörtert, er habe politische Gespräche mit dem jüdischen Ehepaar Kahn geführt, die Gruppe habe zwei Soldaten in Uniform kennengelernt und mit diesen derartige Gespräche begonnen. Dabei sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass Deutschland den Krieg verlieren würde, es würde ein Umschwung kommen und die Demokratie wieder herrschen.

Die beiden Uniformträger waren wohl Spitzel der Gestapo. 1944 verlegte man Paul Sonntag in das Gefängnis Potsdam und erhob Anklage wegen Vorbereitung zum Hochverrat, Zersetzung der Wehrkraft und Abhörens und Verbreitens gefährdender Nachrichtensender. Zu der Zeit war ein Verteidiger noch nicht bestellt. Der Volksgerichthof – Vorsitzender des 2.Senats war Dr. Koehler – verurteilte Paul Janke, Josef Funk und Paul Sonntag mit Urteil vom 21. Februar 1945 zum Tode. Für Paul Sonntag wurde noch ein Gnadengesuch gestellt, er wurde jedoch am 20. April 1945 im Gefängnis Brandenburg-Goerden hingerichtet.

Anwesend bei der Verlegung des Stolpersteins waren Anton H. Sonntag, Steinebach a.d.Wied, und Matthias Sonntag, Düsseldorf, Sohn und Enkel von Paul Sonntag

Personen
Paul Sonntag
Geburtsdatum:10.2.1890
Deportation:1943 Brandenburg-Goerden
Todesdatum:20.4.1945 (Hinrichtung)
Stolperstein Robert-Mayer-Straße 48 © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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