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Hepner, Walther, Käthe und Emil

Käthe Hepner wurde in Berlin geboren. Um 1910 heiratete sie Friedrich Hepner, dessen Großvater eine Schnapsfabrik in Schrimm (Posen) besaß und dessen Vater, Max Hepner, als Bankdirektor in Beuthen tätig war. Das Ehepaar lebte vermutlich bis Ende des Ersten Weltkriegs in Gleiwitz. Dort wurden vier ihrer Kinder geboren: Eva 1911, Emil 1913, Ruth 1915 und vermutlich auch Ernst. Der Ehemann, Friedrich Hepner, hatte als Soldat im Ersten Weltkrieg den linken Arm verloren.

Walter Hepner
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Walther Hepner wurde in Mannheim geboren. Die Familie zog Angaben der Schwester Eva zufolge 1928 nach Frankfurt in die Eppsteiner Str. 43, wo die Eltern drei Hausangestellte beschäftigten. Friedrich Hepner starb am 19.4.1930. 1931 zog die Familie in die Feldbergstraße 15 um. Walther Hepner besuchte die Wöhlerschule. Im November 1934 feierte er in der Westendsynagoge seine Bar-Mizwa. Als mit einem Erlass vom 10.9.1935 die Nationalsozialisten die „Rassentrennung“ auch für die Schulen verbindlich machten, verließ er die Schule.

1936 oder 1937 begann Walther Hepner in München eine Ausbildung zum Koch an einer jüdischen Kochschule, die er aber wegen der Schließung der Anstalt abbrechen musste. Etwa zu diesem Zeitpunkt emigrierte der Bruder Ernst nach Südafrika, und die Familie zog vermutlich in eine kleinere Wohnung in die Bockenheimer Landstraße 118. Von seiner Freundin Lilli Wolfgang, mit der er quasi verlobt war, musste er sich 1938 trennen, als sie mit ihren Eltern in die USA emigrierte. Sie erinnerte sich, dass er sich sehr für Sport interessierte.

Emil Hepner
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Laut Daten der Volkszählung von 1939 lebte die verwitwete Mutter, Käthe Hepner, mit den beiden Söhnen Emil und Walther zu diesem Zeitpunkt bereits in der Feldbergstraße 42 im 3. Stock. Die älteste Tochter Eva war gerade auf dem Passagierdampfer SS Columbus auf dem Weg in die USA und ging zwei Tage später, am 19.5.1939, in New York an Land. Die Tochter Ruth arbeitete als Krankenschwester beim Frankfurter Verein für jüdische Krankenpflegerinnen und wohnte in dem Schwesternhaus an der Bornheimer Landwehr 85. Ihr gelang 1939 die Flucht nach Großbritannien. Käthe, Emil und Walther Hepner hofften vergeblich auf eine Möglichkeit zur Emigration.

Walther Hepner wurde laut Zeugenaussage später in das Vernichtungs- und Konzentrationslager Auschwitz deportiert und von dort in einem Nebenlager in einer Kohlengrube als Küchenhilfe eingesetzt. Rund 2.500 Häftlinge aus Auschwitz, darunter auch Walther Hepner, sollten am 18.1.1945 wegen des Vordringens der Roten Armee in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt werden. Der Nachtmarsch bei eisiger Kälte über 40 Kilometer zur Eisenbahn nach Gleiwitz kostete bereits 400 Menschen das Leben. In Gleiwitz wurden die Überlebenden in Waggons verladen, wo jeweils 100 Personen pro Wagen 22 Stunden ungeschützt bei 15 Grad unter Null ausharren mussten. Da die Bahnstrecke gesperrt war, mussten alle aussteigen und zu Fuß weitergehen; allein während des Aussteigens wurden erneut rund 400 Menschen erschossen. Nun begann der „Todesmarsch“ in Holzschuhen und ungenügender Kleidung.

Walter Hepner
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Walther Hepner litt bereits zu diesem Zeitpunkt an starkem Durchfall, Fieber und erheblicher Entkräftung. Trotzdem schaffte er es, mit Hilfe von anderen Häftlingen bis Landeshut (Schlesien) weiter zu marschieren. Dort mussten die Häftlinge, die um 15 Uhr angekommen waren, die Zeit bis 21 Uhr im Freien verbringen, da keine Unterkunft für sie vorhanden war. Anschließend wurden die Menschen unter Schlägen von Knüppeln und Gewehrkolben in den Stollen eines Bergwerkes getrieben, der 20 Zentimeter unter Wasser stand, mit Gas gefüllt war und von SS-Leuten abgeriegelt wurde.

Nach vier Stunden häuften sich Erstickungsanfälle der zusammengepferchten Menschen, die ins Freie drängten. Bei Öffnung des Stollens entstand eine Panik, bei der rund 300 Personen zu Boden fielen und dann ertranken, erstickten oder zertrampelt wurden. Walther Hepner lag zwar auf dem Boden, lebte jedoch noch, als nach einigen Stunden die Toten von Mithäftlingen aus dem Stollen geborgen werden mussten. Durch das Liegen im Wasser hatte er sich jedoch eine Hirnhautentzündung zugezogen. Walther Hepner starb daran zwei Tage später und wurde laut einem Mithäftling in Landeshut begraben.

Die Schwester Eva Hepner heiratete in den USA den aus Kirchhain stammenden Emigranten Otto Bachenheimer (Jahrgang 1898). Sie starb 2010 in Los Angeles. Auch Ruth Hepner wanderte aus dem Exil in London später in die USA aus, wo sie als verheiratete Hughes lebte.

Die Stolpersteine wurden initiiert von Nadia Bailón Humpert (15), Schülerin an der Wöhler-Schule

Personen
Walther Hepner
Geburtsdatum:31.10.1921
Deportation:19.10.1941 Lodz, 1944 Auschwitz
Todesdatum:1945
Emil Hepner
Geburtsdatum:28.07.1913
Deportation:19.10.1941 Lodz, 1942 Chelmno
Todesdatum:unbekannt
Käthe Heppner, geb. Unger
Geburtsdatum:22.2.1887
Deportation:19.10.1941 Lodz, 1942 Chelmno
Todesdatum:unbekannt
Stolperstein Feldbergstraße 15 Walther Hepner © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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Stolperstein Feldbergstraße 15 Emil Hepner © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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Stolperstein Feldbergstraße 15 Käthe Hepner © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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