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Schwarz-Neumaier, Leonore

Leonore Schwarz wurde in Wien geboren. Dort erhielt sie ihre Gesangsausbildung. Nach Engagements in Graz, Nürnberg und Magdeburg wurde sie 1917 Erste Altistin an der Frankfurter Oper, wo sie in zahlreichen Wagneropern sowie unter anderem als Carmen („Carmen“ von Georges Bizet), als Prinz von Orlowsky („Die Fledermaus“ von Johann Strauss) und als Suzuki („Madame Butterfly“ von Giacomo Puccini) große Erfolge feierte.

Nach ihrer Eheschließung mit dem Kaufmann Otto Neumaier 1921 – sie trug nun einen Doppelnamen - und der Geburt des Sohnes Hans beendete sie ihre Karriere an der Oper, blieb aber als Konzertsängerin der Frankfurter Musikwelt erhalten. So trat sie beispielsweise mit Umberto Urbano und Giovanni Manuritta, beide Sänger der Mailänder Scala, im Radio und in Konzerten auf.

Familie Schwarz-Neumaier um 1930
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Die Familie bestimmte aber zunehmend ihren Alltag. Sie war nach einem Bericht ihres Sohnes der Mittelpunkt einer gutbürgerlichen Frankfurter Familie, für die ihr Judentum keine zentrale Bedeutung mehr spielte. Der Sohn besuchte bis zum Herbst 1933 die Wöhlerschule im Frankfurter Westend, wo auch die Familie in unmittelbarer Nähe der Westend-Synagoge in der Freiherr-vom-Stein-Straße 15 lebte. Zwei Häuser weiter in Nr. 11 wohnte der Frankfurter NS-Oberbürgermeister Friedrich Krebs.

Mit dem Beginn der NS-Zeit trat Leonore Schwarz-Neumaier gezwungenermaßen nur noch beim „Jüdischen Kulturbund" und der Vereinigung der „Jüdischen Tonkünstler Frankfurts“ auf.

Während des Novemberpogroms 1938 wurde Otto Neumaier in der Festhalle inhaftiert. Die Familie Neumaier plante die Emigration. Ein bereits in den USA lebender Sohn Otto Neumaiers aus erster Ehe, Dr. Arthur Neumaier, ermöglichte durch ein „Affidavit“ seinem Vater und seinem Halbbruder Hans 1940 bzw. 1939 die Ausreise in die USA. Leonore Schwarz-Neumaier wurde vom amerikanischen Konsul die Ausreise verweigert, weil sie keine direkte Verwandte des in den USA lebenden Stiefsohnes war. Stattdessen erhielt sie Ende 1938 vom amerikanischen Konsulat eine Nummer innerhalb der festgesetzten Einwanderungsquote, die mit über 23.000 sehr hoch lag.

Leonore Schwarz-Neumaier musste die Wohnung in der Freiherr vom Stein-Straße 15 verlassen und in ein kleines Zimmer einer Wohnung in der Liebigstraße 27 b ziehen. Bei einem Gespräch mit einem katholischen Bankier, mit dem sie zu Hause ihre Vermögensangelegenheiten besprach, wurde sie denunziert. Der Bekannte wurde in ihrer Wohnung von der Geheimen Staatspolizei verhaftet. Als Leonore Schwarz-Neumaier ihm helfen wollte und selbst zur Gestapo ging, wurde sie ebenfalls verhaftet. Eine Freundin konnte ihr nur noch einen Koffer mit den notwendigsten Utensilien bringen.

Leonore Schwarz-Neumaier
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Kurz vor der Deportation und in der Hoffnung, die Emigration könne gelingen, gelang es Leonore Schwarz-Neumaier, einige Schrankkoffer mit Dingen, die ihr am Herzen lagen, unter anderem Fotos, Konzertplakate, Opernprogramme und Aufführungskritiken, in die USA zu senden. Die Inhalte der Koffer bilden die Grundlage für eine Ausstellung über ihr Leben, die 2003 erstmals im Museum Judengasse Frankfurt gezeigt wurde.

Diane Leonore Neumaier, Enkelin von Leonore Schwarz-Neumaier, renommierte Künstlerin und Professorin für Fotografie an der Mason Gross School of the Arts der Rutgers University, hat unter dem Titel „A Voice Silenced“ http://art.rutgers.edu/~neumaier/ die Ausstellung entwickelt und in den USA präsentiert.

Literatur: „Zum Verstummen gebracht…“. Die Frankfurter Opernsängerin Leonore Schwarz-Neumaier (1889-1942). Eine Ausstellung von Diane Neumaier. Börnegalerie im Museum Judengasse. Frankfurt 2003).

Personen
Leonore Schwarz-Neumaier
Geburtsdatum:3.6.1889
Deportation:Juni 1942 Majdanek
Todesdatum:unbekannt
Stolperstein Freiherr-vom-Straße 15 Leonore Schwarz-Neumaier © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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