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von Weinberg, Arthur

Arthur von Weinberg
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Arthur von Weinberg war Leiter der Cassella-Werke, Mitbegründer der IG Farben, großer Mäzen und Gründungsstifter der Frankfurter Universität sowie ein Ehrenbürger der Stadt Frankfurt. Der Chemiker Arthur und sein Bruder, der Kaufmann Carl von Weinberg (geb. 18.9.1861) führten das Chemieunternehmen Cassella zu Weltruhm. 1908 wurden die beiden Brüder von Kaiser Wilhelm II. in den erblichen preußischen Adelsstand erhoben.

1909 heiratete der evangelisch getaufte Arthur von Weinberg die Witwe Willemine Peschel und adoptierte ihre beiden Töchter Marie und Charlotte. Im selben Jahr bezog die Familie das gerade fertiggestellte „Haus Buchenrode“ in Niederrad, in der Nähe der Rennbahn und des Gestüts Waldfried, das den Gebrüdern von Weinberg gehörte. Nicht weit davon entfernt wohnte seit 1898 Carl von Weinberg, zusammen mit seiner Ehefrau May und der gemeinsamen Tochter Wera in der Villa Waldfried.

Am 1. Weltkrieg nahm Arthur von Weinberg als Major der Kavallerie an der Westfront teil und wurde 1916 in das Referat „Chemie im Kriegseinsatz und Arbeitsdepartement“ im Preußischen Kriegsministerium berufen. In den zwanziger Jahren waren die Brüder von Weinberg maßgeblich am Zusammenschluss der führenden deutschen Chemieunternehmen zur IG Farbenindustrie AG beteiligt. Arthur von Weinberg wurde Mitglied des Aufsichts- und Verwaltungsrates der IG Farben In den folgenden Jahren erhielt er zahlreiche Auszeichnun-gen und Ehrungen für seine Verdienste um die Stadt Frankfurt und die deutsche Wirtschaft.

Arthur und Willemine von Weinberg waren Mitglieder der evangelischen Paul-Gerhardt-Gemeinde. Sie stifteten jährlich eine ansehnliche Summe Geld an Pfarrer Enders und bis Anfang der 30er Jahre an Pfarrer Walther zur Verteilung an bedürftige Familien in Niederrad.

Arthur von Weinberg fühlte sich von den politischen Umwälzungen der Zeit nicht betroffen. Er konnte sich nicht vorstellen, dass die Nationalsozialisten ihm, dem preußisch-protestantischen Patrioten, gefährlich werden könnten. Aber die Nürnberger Rassegesetze von 1935 wirkten sich auch auf die Gebrüder von Weinberg aus. Nach und nach wurden sie aus ihren Ämter gedrängt und ihr Name aus den Stiftungen getilgt. Nachdem Mitte der 30er Jahre beider Ehefrauen gestorben waren, wurde es immer einsamer um sie.

Zum Jahreswechsel 1938/1939 musste Arthur von Weinberg unter Zwang sein „Haus Buchenrode“ (damals Forsthausstraße 148) verkaufen, das schon für das neu gegründete „Musische Gymnasium“ vorgesehen war. Er zog zu seiner Adoptivtochter Mary auf Schloß Pähl am Ammersee. Dort wurde er verhaftet und deportiert. Er starb an den Folgen einer Gallenblasenoperation. Sein Bruder Carl starb sechs Tage vor ihm in der römischen Emigration.

Der Stolperstein wurde initiiert von der evangelischen Paul-Gerhardt-Gemeinde.

Personen
Arthur von Weinberg
Geburtsdatum:11.8.1860
Deportation:2.6.1942 nach Theresienstadt
Todesdatum:20.3.1943
Stolperstein Buchenrodestraße 26 Arthur von Weinberg © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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