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Hirsch, Rosa und Friedrich Nathan

Friedrich Nathan und Rosa Hirsch wurden in Bergen-Enkheim geboren und heirateten 1919. Rosa Hirsch war die Tochter von Adolf Gruenebaum und Henriette Gruenebaum, geb. Kahn. Sie besuchte die Volksschule in Bergen, anschließend das Philanthropin in Frankfurt und absolvierte bis etwa 1918 eine Ausbildung als Krankenschwester. Sie hatten eine Tochter und einen Sohn, denen die Flucht in das US-amerikanische Exil gelang.

Friedrich Nathan Hirsch war seit 1919 Inhaber des Großhandelsgeschäfts für medizinische Bedarfs- und Laborartikel "Fritz Hirsch" in Bergen-Enkheim im eigenen Haus Markstraße 102, in dem die Ehefrau mitarbeitete. Die Firma exportierte ausschließlich nach Italien, in die Schweiz und die Niederlande.

Laut Devisenprüfbericht vom 9.12.1938 betrug der Auslandsumsatz 41.265 Reichsmark (1935), 54.745 Reichsmark (1936), 56.140 Reichsmark (1937) und 46.464 Reichsmark (1938). Der Prüfer vermerkte: "Ein Käufer für die Berichtsfirma hat sich bisher nicht gefunden. Ggfs. kommt nur die Übergabe der Aufträge und Überleitung an die seitherigen Lieferanten in Frage. Dadurch dürfte der von der Berichtsfirma getätigte Auslandsumsatz im wesentlichen der deutschen Volkswirtschaft erhalten bleiben". Das Unternehmen durfte als reines Exportgeschäft mit behördlicher Genehmigung zunächst auch über den 31.12.1938 weiter betrieben werden, bestand noch bis 11.12.1940 und wurde anschließend liquidiert.

Die Liegenschaft Marktstraße 102 musste am 18.11.1938 für 11.000 Reichsmark an den Nachbarn Fritz Klein veräußert werden. Rosa Hirsch war Miteigentümerin der Liegenschaft Waldstraße 6 in Kelsterbach sowie in Erbengemeinschaft mehrerer Grundstücke um Frankfurt und Königstein.

Die Eheleute beabsichtigten, Anfang 1939 in das niederländische Exil zu flüchten. Die Emigration scheiterte, weil das Paar keine Einreiseerlaubnis erhielt. Zuletzt spätestens September 1940 wohnten sie in der Weberstraße 7.

Das Vermögen von Friedrich Nathan und Rosa Hirsch unterlag einer "Sicherungsanordnung2 der Devisenstelle, die den monatlichen "Freibetrag" auf 700 Reichsmark festsetzte. Zwischenzeitlich vereinbarte Friedrich Nathan Hirsch mit der Devisenstelle wegen der Fortführung seines Unternehmens individuelle Regelungen. 1940 wurde der "Freibetrag" wurde auf 450 Reichsmark festgesetzt. Sein Vermögen belief sich im November 1940 laut Devisenakten noch auf 4.586 Reichsmark.

In der Devisenakte befindet sich ein "Evakuierungsvermerk" für beide Eheleute vom 16.6.1942 mit dem Hinweis auf "L[iste] 9". Laut Verfügung vom 14.6.1942 wurde das Vermögen von Friedrich Nathan und Rosa Hirsch zu Gunsten des Reiches eingezogen und verwertet.

Alfred Vaupel-Rathke: Gebet bei der Verlegung
Gepriesen sei ER, der allmächtige und barmherzige, der Schöpfer, Tröster und Erlöser seines Volkes. Amen. Das Gedenken darf nicht enden. Unser Gedenken darf nicht enden, damit auch künftige Generationen wachsam sind.

Psalm 126 (nach Martin Luther)
Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird,
so werden wir sein wie die Träumenden.
Dann wird unser Mund voll Lachens
und unsre Zunge voll Rühmens sein.
Dann wird man sagen unter den Heiden:
Der HERR hat Großes an ihnen getan!
Der HERR hat Großes an uns getan;
des sind wir fröhlich.
HERR, bringe zurück unsre Gefangenen,
wie du die Bäche wiederbringst
im Südland.
Die mit Tränen säen,
werden mit Freuden ernten.
Sie gehen hin und weinen
und streuen ihren Samen
und kommen mit Freuden
und bringen ihre Garben.

Gebet
Allmächtiger, ewiger Gott, um uns ist viel Lärm.
Wir hören nichts.
Offizielle Gedenkveranstaltungen, Jahrestage im Zusammenhang mit den Greueltaten des Nationalsozialismus, -
so vielen kommt es zu den Ohren heraus,
ohne ihr Herz zu erreichen.
Wir sind hier, vor dir, Gott,
weil wir in unserem Gedenken Halt suchen,
Stille – Zeit zum Hören, in uns, auf dich,
in Gemeinschaft mit anderen.
Wir beten für uns,
für die vielen, die dem Gedenken ausweichen,
die nichts mehr hören wollen,
für die, die sich nicht selbst zu Gehör bringen können,
heute besonders für die, für die wir einen Stolperstein verlegen.

Wir beten für die Millionen Jüdinnen und Juden,
die ermordet wurden während der Schreckensherrschaft des Nationalsozialismus,
für die Jüdinnen und Juden,
die heute noch in Deutschland bei uns Angst haben.
Höre, Gott, auch den lautlosen Schrei.
Höre Gott, dass es nie wieder sei wie damals.
Gott, führe uns zu einem besseren Leben,
heute und hier,
nicht erst eines fernen Tages bei dir.
Amen.

Alfred Vaupel-Rathke ist Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Bergen-Enkheim

Personen
Rosa Hirsch, geb. Gruenebaum
Geburtsdatum:10.12.1892
Deportation:Juni 1942 Region Lublin
Todesdatum:unbekannt
Stolperstein Marktstraße 102 Nathan Friedrich Hirsch © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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Stolperstein Marktstraße 102 Rosa Hirsch © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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