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von Halle, Isidor

Isidor von Halle wurde in Frankfurt am Main geboren und stammte aus einer jüdischen Familie. Er war Sohn des Glasers Siegfried von Halle, geb. am 18.12.1879, und hatte zwei Schwestern Friedel (geb. 19.4.1917 ) und Rosa (geb. 28.4.1905). Er war seit 6.7.1925, nach NS-Definition in "Mischehe", mit der evangelischen Maria, geb. Grede, verheiratet. Die beiden hatten zwei 1926 und 1927 geborenen Söhne und zwei 1933 und 1935 geborene Töchter.

1935 wohnte die Familie im Mainkai 1/II, am 1. Mai 1938 zogen sie in die Dreikönigstraße 33. Der Sohn Robert weigerte sich 1941 die Uhlandschule weiter zu besuchen, weil er dort von seinen Klassenkameraden geschlagen und beschimpft wurde, ohne dass der damalige Rektor der Schule dagegen einschritt. Isidor von Halle war laut Entschädigungsakte von 28.10.1942 bis 15.4.1943 als Hilfsarbeiter bei der Firma "Röver" beschäftigt, vermutlich als Zwangsarbeiter. Von Mai bis Juli 1943 saß er zum ersten Mal in Haft, bis zu seiner zweiten Verhaftung arbeitete er auf dem Südfriedhof. Bei der Verhaftung wurde der gesamte Haushalt durch die Gestapo eingezogen, die Ehefrau und die Kinder in Heime eingewiesen. 1945 wurde Robert zur Arbeit in das Arbeitslager Derenburg einberufen.

Isidor von Halle wurde am 6.12.1943 verhaftet und ins Gerichtsgefängnis gebracht, von wo aus er deportiert wurde. Sein Vater und seine Schwestern wurden am 24.9.1942 nach Estland deportiert und in den Dünen bei Raasiku erschossen.

Pfarrer Jürgen Seidl: Rede bei der Verlegung
Wir sind hier zusammengekommen an einem Stolperstein, der vor einigen Tagen für Isidor von Halle verlegt wurde und wollen heute seiner gedenken.

Isidor von Halle stammte aus einer jüdischen Familie und wurde evangelisch getauft. Die gesamte Familie erlitt Verfolgung und Entrechtung. Die Witwe, Elisabeth von Halle, schrieb nach dem Krieg: "Ende 1939 – Anfang 1940 mussten ich und die Kinder Beschimpfungen und auch tätliche Angriffe über uns ergehen lassen. Mein Sohn Robert weigerte sich im Jahre 1941 die Schule zu besuchen, weil er dort täglich und stündlich von seinen Klassenkameraden geschlagen und beschimpft wurde, ohne dass der damalige Rektor der Schule (Uhlandschule) dagegen einschritt. Im September / Oktober 1942 wurde ich von Frau Kühnreich, Herrn Finkbeiner und Frau Klein, sämtliche in der Dreikönigstraße wohnhaft, tätlich angegriffen. Mai – Juli 1943 war mein verstorbener Mann in Haft und ich, als geborene Christin, bekam in dieser, wie auch in der folgenden Zeit keinerlei Unterstützung."

Der Künstler Gunter Demnig, der die Stolpersteine verlegt, schreibt zum Sinn des Gedenkens: "Auf dem Stolperstein bekommt das Opfer seinen Namen wieder, jedes Opfer erhält einen eigenen Stein - seine Identität und sein Schicksal sind, soweit bekannt, ablesbar. Durch den Gedenkstein vor seinem Haus wird die Erinnerung an diesen Menschen in unseren Alltag geholt. Jeder persönliche Stein symbolisiert auch die Gesamtheit der Opfer, denn alle eigentlich nötigen Steine kann man nicht verlegen."

Am 30. Januar 2011 haben wir in einem Gedenkgottesdienst in der Dreikönigskirche derer namentlich gedacht, die in Verbindung zu unserer Gemeinde standen und von den Nazis entrechtet und verfolgt, ermordet oder in den Tod getrieben wurden. Auch Isidor von Halle war dabei. Indem wir seinen Namen - wie auch die Namen der anderen - auf unsere Gemeindeseite im Internet nennen, wollen wir zeigen, dass sie dauerhaft zu unserer Gemeinde gehören und nie vergessen werden dürfen.

Das Gedenken und die Erinnerung verpflichten uns wach zu sein, uns für eine Gesellschaft einzusetzen, in der jeder Mensch egal welcher Herkunft, welchen Glaubens, jeder Mensch egal mit welchen Stärken und mit welchen Schwächen das Recht hat, ohne Angst frei zu leben.

Personen
Isidor von Halle
Geburtsdatum:1.9.1903
Deportation:1943 Auschwitz
Todesdatum:2.1.1944
Stolperstein Mainkai 2 Isidor von Halle © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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