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Waßmann, Karl

Karl Waßmann stammte aus Berlin und wurde in Frankfurt zum stadtbekannten Original. Etwa im Sommer 1909 kam nach Frankfurt und bot hier wie schon zuvor in Karlsruhe seine Druckschriften und Gedichte in Gaststätten feil. „Aber niemand oder nur wenige kauften“, schrieb Waßmann in seinem autobiographischen Roman „Die Abenteuer des Karlchen Ungeraten“. Seit 1911 gab er zweimal monatlich sein Blatt „Deutscher Freigeist“ heraus, eine „Frankfurter Zeitschrift für alle kulturellen Interessen“. Darin attackierte er echte und vermeintliche Missstände, etwa die Einführung des von Paul Ehrlich erfundenen Medikaments „Salvarsan“, des ersten Heilmittels gegen die Syphilis. Er erhob Einspruch gegen die zwangsweise Verabreichung an Prostituierte. Im „Frankfurter Salvarsanprozesses“ wurde er 1914 zu einer einjährigen Gefängnisstrafe wegen schwerer Beleidigung verurteilt.

Die Abenteuer des Karlchen Ungeraten
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1918 erschien sein Roman „Die Abenteuer des Karlchen Ungeraten : Humorist. Roman nach durchaus wahren Begebenheiten“. Nach dem 1. Weltkrieg propagierte propagierte er die „innere Demokratisierung Preußen-Deutschlands“ und forderte das Frauenstimmrecht (1917). Anfang 1919 kandidierte er erfolglos für die verfassunggebende Weimarer Nationalversammlung. Aus seinem Blatt „Freigeist“ wurde „Die Liebe“, sein neues „Organ im Dienste Aller“, das er bei seinen Altstadtrundgängen vertrieb. 1930 veröffentlichte er einen Band „Eigene Gedichte“.

Auch in den Dreißigerjahren noch konnte sich Waßmann als „der Mann, von dem man spricht“, inszenieren. So gab er 1934 ein Gastspiel im Schumanntheater, bei dem er in den Löwenkäfig stieg, und im folgenden Jahr fuhr er „vielumjubelt“ im Mainzer Rosenmontagszug mit.

Die Nazis zogen den „Philosophen der Liebe“ und „Edelvagabunden vom Riederwald“, wie er sich selbst gern nannte, letztlich aus dem Verkehr - wie und warum ist allerdings unbekannt. Zeitzeugen berichten, Waßmann habe vor seiner Haustür randaliert und auf den Staat geschimpft, woraufhin er vom Fleck weg abgeführt worden sei. Es wurde erzählt, er sei nach kurzer Gestapohaft und einem Selbstmordversuch in eine „Irrenanstalt“ eingeliefert worden. Waßmann soll zunächst in die „Heilanstalt“ Goddelau eingeliefert worden sein. Am 1.4.1941 teilte Waßmanns Frau Hanni in einer winzigen Zeitungsanzeige mit, dass ihr Mann am 30. März „seine wohlverdiente, ewige Ruhe gefunden“ habe: „Einäscherung und Beisetzung fanden in Hartheim bei Linz (Donau) statt.“ Tatsächlich kam Waßmann in der Tötungsanstalt Hadamar ums Leben.

Die falsche Beurkundung des Todes von Karl Waßmann geht auf den so genannten Aktentausch zurück. Um die Angehörigen und die Öffentlichkeit zu täuschen, wurde in vielen Fällen ein Aktentausch zwischen den Tötungsanstalten der "Aktion T4" vorgenommen. Das bedeutet, dass alle Korrespondenzen sowie Benachrichtigung über den Tod dieser Personen nicht von dem Ort aus abgeschickt wurde, wo die Opfer in Wirklichkeit verstarben bzw. ermordet wurden. Karl Waßmann wurde nach Mitteilung der Dokumentationsstelle Hartheim vom 10.10.2011 am 14.31941 nach Hadamar überstellt und am selben Tag ermordet.

Personen
Karl Waßmann
Geburtsdatum:25.12.1885
Deportation:1942 "Heilanstalt" Hadamar
Todesdatum:14.3.1941
Stolperstein Am Erlenbruch 10 Karl Wassmann © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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