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Hainebach, Emma und Lehmann, Emil

Emil Lehmann wurde in Frankfurt geboren. Seine Mutter war Dolce Lehmann, sein Vater, der Kaufmann Isaac Lehmann, verstarb sehr früh. In Colmar (Elsaß) legte Emil Lehmann im Juni 1894 ein erstes juristisches Staatsexamen ab, unmittelbar darauf, im Juli 1894 promovierte er an der Universität Jena. Bereits einen Monat später war er Referendar am Amtsgericht Usingen. 1896 wechselte er zur Ausbildung an das Landgericht Limburg und danach an die Staatsanwaltschaft Frankfurt. 1898 übernahm er Vertretungen verschiedener Rechtsanwälte, 1899 folgte dann das zweite juristische Staatsexamen.

Im Sommer des Jahres 1900 heiratete Emil Lehmann Kati Kahn, die Tochter des Fabrikanten Moritz Kahn. 1902 wurde der Sohn Hans-Joachim geboren, der nach der Scheidung der Ehe 1906 bei seinem Vater aufwuchs. Emil Lehman trat aus der Jüdischen Gemeinde aus. 1908 wurde er Amtsrichter in Höchst, nachdem er vorher mehrere Jahre Hilfsrichter in Königstein war. Im Juni 1913 wurde er zum Amtsgerichtsrat ernannt. Im 1. Weltkrieg war er Reserveoffizier des 2. Cheveaulegers-Regiments Taxis in Dillingen, eines Kavallerieverbandes der bayerischen Armee. 1915 wurde er mit den Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet.

Nach dem Krieg wurde Lehmann Mitglied im Republikanischen Richterbund und des Reichsbanner. 1925 wurde Emil Lehmann beim Amtsgericht Höchst Aufsichtsführender Richter, Jugendrichter und Leiter der Gefängnisverwaltung. Im gleichen Jahr sprach er bei der Abschiedsfeier des Bürgermeisters Bruno Asch. Asch war seit 1923 Bürgermeister in Höchst, das damals unter französischer Besatzung stand, der wegen seines Widerstandes gegen die französischen Besatzungsbehörden von einem Militärgericht zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Darauf ging denn Lehmann in seiner Abschiedsrede, die das Höchster Kreisblatt vom 25.10.1925 ausführlich zitiert, ein: „Nicht nur als Vertreter des Amtsgerichts, sondern auch als Leiter der Gefängnisverwaltung bin ich hierher gekommen. Sie haben heute Abend wiederholt gehört, daß wir das große Glück gehabt haben, Herrn Bürgermeister Asch drei Monate lang in unseren Mauern behalten zu dürfen. Das ist doch etwas, was entschieden nicht der Vergessenheit anheim fallen darf. Es ist mir in meiner Amtszeit noch nicht vorgekommen, daß ein Bürgermeister drei Monate in meinem Gefängnis war und daß ich mich nachher noch an seiner Abschiedsfeier beteilige. Das besagt zumindest, daß seine Beziehungen zu dem Gefängnis außerordentlich gute waren. Ich kann auch bestätigen, daß die drei Monate gar nicht so schlimm waren, ja daß es ihm sogar leid getan hat, uns wieder verlassen zu müssen. In der langen Zeit, in der ich Vorsteher des Gefängnisses bin, ist mir das noch nicht vorgekommen. Auch die Gefängnisverwaltung wünscht ihm alles Gute, insbesondere, daß er als künftiger Stadtkämmerer von Frankfurt nicht die Gelegenheit wahrnimmt, mit dem Frankfurter Gefängnis Bekanntschaft zu machen, daß er aber zumindest, wenn es sich nicht vermeiden lassen sollte, dann seine Freundschaft mit dem Höchster Gefängnis nicht vergißt.“

Emil Lehmann war in Höchst Leiter der Volksbücherei, Mitglied der Rhein-Mainischen Arbeiter- und Volksbildungsvereinigung und des Höchster Bundes für Volksbildung. Er lebte zu dieser Zeit in einer repräsentativen Wohnung in dem am Main liegenden Hause Am Mainberg 13. Den Haushalt führte seine ledige Cousine 4 Emma Hainebach, die fünf Jahre jünger als Emil Lehmann war.

Im April 1931 wurde Lehmann Amtsgerichtsrat beim Arbeitsgericht Berlin. Nach heftigen politischen Anschuldigungen wurde er im November 1933 in den Ruhestand versetzt. In einem Brief des Präsidenten des Arbeitsgerichts an Hans Lehmann vom März 1933 heißt es, „dass es nicht angängig ist, dass in einem nationalen Deutschland fremdblütige Menschen zu Gericht sitzen, besonders nicht beim Arbeitsgericht, da über das Schicksal der Ärmsten, die ihre Stellung eingebüßt haben, entschieden wird.“ Er wird später bezichtigt, ein „überzeugter Marxist“ gewesen zu sein.

Emil Lehmann sah sich gezwungen, Höchst zu verlassen. Er zog 1934 in die Schöfferstraße 11, dann 1940 in die Blanchardstr. 24, danach in die Eschersheimer Landstr. 134 und vor seiner Deportation noch in der Wolfsgangstr. 4. Im Mai 1940 informierte das Finanzamt Frankfurt auf einem Formular unter dem Betreff „Vorbereitende Maßnahmen zur Verlegung des Wohnsitzes ins Ausland“ die Polizei, daß Emil Lehmann die Absicht habe, in die USA auszuwandern. Sein Sohn Hans, der 1920 das Abitur gemacht hatte und ebenfalls Jurist geworden worden war, war bereits 1934 in die USA emigriert.

Emma Hainebach wurde als viertes Kind des Schreinermeisters Samuel II. Hainebach und seiner Frau Karoline geb. Lehmann in Seligenstadt geboren. Sie war gelernte Krankenschwester, im Höchster Adressbuch erscheint sie als „Hausdame“. Als Religionszugehörigkeit ist bei ihr bis zuletzt „israelitisch“ in den Meldeunterlagen eingetragen. Sie zog am 9.10.1933 nach Griesheim in die Stroofstr. 11, seit1939 lebte sie mit Dr. Lehmann in der Blanchardstr. 24 und auch in der Eschersheimer Landstraße 134. Im November 1941 zog sie ins Jüdische Altersheim im Sandweg. Zwangsweise musste sie für Theresienstadt einen „Heimeinkaufsvertrag“ über 3.600 RM abschließen, mit dem sie glaubte, einen Platz im Altersheim zu finanzieren.

Personen
Emil Lehmann
Geburtsdatum:22.1.1872
Deportation:15.9.1942 Theresienstadt
Todesdatum:14.12.1942
Emma Hainebach
Geburtsdatum:20.11.1874
Deportation:18.8.1942 Theresienstadt und 23.9.1942 Treblinka
Todesdatum:unbekannt
Stolperstein Mainberg 13 Emma Hainebach © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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Stolperstein Mainberg 13 Dr. Emil Lehmann © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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