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Heinemann, Julius

Julius Heinemann, von Beruf Kaufmann, wurde in Nieder-Weisel, Kreis Friedberg geboren.1931 heiratete er Paula Chrastek, die 1893 in Wien geboren wurde. Sie trat mit der Heirat zum jüdischen Glauben über. Seit 1939 hatte sie die deutsche Staatsbürgerschaft inne. Paula Heinemann war von Beruf Federnschmückerin und arbeitete seit der Heirat als Verkäuferin im Lebensmittelgeschäft ihres Mannes. Das Ehepaar Heinemann hatte keine Kinder.

Im Jahr 1931 eröffnete Julius Heinemann ein Lebensmittel- und Feinkostgeschäft in der Schweizerstraße 84. Bereits vor 1933 gab es antisemitische Angriffe auf das Geschäft der Heinemanns, da in Sachsenhausen verhältnismäßig viele NS-Sympathisanten wohnten. In den Entschädigungsakten schreibt Paula Heinemann von „naziverseuchter Umgebung“ und Kundenboykott ab 1932, sodass ihr Mann seine Verpflichtungen nicht mehr bezahlen konnte. Das Geschäft musste bereits zum 31.12.1932 geschlossen werden. Als Zeugin wird eine Frau Pauline Förderer aus ihrem ehemaligen Haus in der Schweizerstraße 84 angegeben. Der Wohnsitz des Ehepaares Heinemann war von 1933 bis 1938 die Kleine Brückenstraße 3.

Bis 1935 lebten sie von Ersparnissen. 1936 nahm Julius Heinemann eine Arbeit bei Geflügel-Waller in der Kleinen Markthalle für 20,- RM wöchentlich an, wo er bis zu seiner Verhaftung arbeitete. Seine Frau verdiente als Hausangestellte dazu. Julius Heinemann wurde im Zusammenhang mit dem Novemberprogrom 1938 in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt, wo er drei Wochen später ums Leben kam.

In den Entschädigungsakten für Naziverfolgte finden sich seit 1949 demütigend langwierige Antragsformalitäten von Paula Heinemann wegen der Verfolgung und des Todes ihres Ehegatten im KZ, für dessen Begräbniskosten 1938 sie aufzukommen hatte. 1950 betrug die monatliche Rente der Sechzigjährigen 47,-DM, wobei sie allein für ihre Miete 42,-DM zahlen musste. Bis 1960 zieht sich der Brief - und Antragsverkehr um Anerkennung als Verfolgte und Geschädigte des Naziregimes in die Länge.

Personen
Julius Heinemann
Geburtsdatum:24.01.1888
Deportation:November 1938 nach Buchenwald
Todesdatum:06.12.1938
Stolperstein Kleine Brückenstraße 3 Julius Heinemann © Inititative Stolpertseine Frankfurt am Main
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