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Zeuss, August Wilhelm

August Wilhelm Zeuss wurde in Frankfurt als zehntes von elf Kindern geboren. Die Familie Zeuss besaß einen Reinigungsbetrieb für Schankanlagen. Zeuss lebte in der Spohrstraße 34 von 1933 bis 1936, zumindest teilweise zusammen mit seiner Ehefrau Paula, geb. Bollmann, wohl in der Wohnung der Schwiegereltern. Von Beruf war er Klavierstimmer.

Im Januar 1934 wurde Tochter Elli Zeuss geboren.
Die Familie Bollmann war bekannt dafür, keinerlei Sympathien für das NS-Regime zu hegen. Die Mutter von Paula war in der Arbeiterwohlfahrt aktiv, der Vater wahrscheinlich in der KPD, zumindest nahe stehend. Seinen Beruf als Auktionator betrieb er von der Spohrstraße aus. Seine älteste Tochter Irmgard hatte ein gemeinsames Kind mit dem KPD Mitglied Adam Leis, der zusammen mit seiner Widerstandsgruppe 1942 in Frankfurt Preungesheim hingerichtet wurde. Das Ehepaar Bollmann wurde in der Nacht zum 1. Mai 1934 aus politischen Gründen verhaftet, und die Wohnung in der Spohrstraße so verwüstet, dass niemand von der Familie nach Verbüßung der Untersuchungshaft dorthin zurückkehren konnte. Auch Paula Bollmann kam in Polizeigewahrsam, ebenso deren neunjährige Elisabeth. Die vier Monate alte Elli wurde zu einer Tante gebracht.
In diesem politischen Umfeld lebte August Zeuss. Man kann davon ausgehen, dass Bollmann sich keinen nationalsozialistisch gesinnten Schwiegersohn ins Haus geholt hatte.

Im Juni 1934 wurde August Wilhelm Zeuss verhaftet. In der Einlieferungskartei des Gerichtsgefängnisses ist als Grund „Diebstahl" angegeben, als Adresse die Spohrstraße 34. Nach wenigen Wochen freigelassen, wurde er kurz darauf erneut wegen „Diebstahls“ festgenommen, dies wiederholte sich noch zwei Mal. Bei seiner Haft in Preungesheim wurde er zur Abschreckung eine Zeit lang ins KZ Papenburg verlegt.

Die Ehe mit Paula Bollmann zerbrach, 1935 ist in der Einlieferungskartei eine neue Braut vermerkt. Die letzte dokumentierte Festnahme 1939 wegen „Fahrraddiebstahls“ führte ihn nach zwei Jahren Gefängnis und Zuchthaus am 6.2. oder am 27.3.1941 ins Konzentrationslager Sachsenhausen. Während seiner KZ-Haft muss er häufig im Krankenrevier gewesen sein. Am 15.11.1942 kam er nach Dachau, am 3.1.1944 nach Majdanek und drei Monate später nach Auschwitz. Dort wurde er am Tage seiner Einlieferung ermordet.

Der Stolperstein wurde initiiert von der Tochter Elli Vicente, die heute in Bedford/Texas lebt. Bei der Verlegung anwesend waren die Schwägerin Elisabeth Gläser, geb. Bollmann, und die Nichte Gabriele Weydemann (Frankfurt).

Personen
August Wilhelm Zeuss
Geburtsdatum:25.11.1912
Deportation:27.3.1941 Sachsenhausen, 15.11.1942 Dachau, 3.1.1944 Majdanek und 14.4.1944 Auschwitz
Todesdatum:14.4.1944
Stolperstein Spohrstraße 34 August Wilhelm Zeuss © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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