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Katzenellenbogen, Albert und Cornelia

Albert Katzenellenbogen wurde in Krotoschin (Provinz Posen) geboren. Seine Familie ist seit dem 15. Jahrhundert nachweisbar und hat ihren Namen nach dem Ort Katzenellenbogen in Hessen erhalten, wo die Familie vorübergehend ansässig war. Nach Militärdienst und Jurastudium mit Promotion fungierte er als Rechtsanwalt am Landgericht in Frankfurt am Main.

Cornelia Katzenellenbogen mit einem Sohn
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1892 heiratete er Cornelia Josefine Doctor aus einer alteingesessenen Frankfurter jüdischen Familie. Sie ließ sich 1918 evangelisch taufen. Auch ihre drei Kinder Grete Helene, geb. 12.10.1893, Martha Sofie Anna, geb. 21.7.97 und Adolf (Jg. 1901) wurden evangelisch getauft. Katzenellenbogen wurde 1895 Syndikus der Mitteldeutschen Creditbank, 1897 Mitglied der Direktion und 1903 Mitglied des Vorstandes. 1912 erhielt er den Titel Justizrat. 1929 erfolgte die Fusion der Bank mit der Commerz- und Privat-Bank, deren Direktor er war.

Kurz vor seinem 67. Geburtstag (1930) schied er auf eigenen Wunsch aus dem Vorstand aus und wurde in den Aufsichtsrat gewählt. Neben diesem Mandat war er noch in 24 Aufsichtsräten vertreten. In sieben führte er den Vorsitz.

Die Kinder waren inzwischen verheiratet. Grete heiratete 1914 in erster Ehe den Leutnant Kurt Reichert, der schon kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs fiel, und seinen Sohn Rolf, geb. 15.7.1914, nie gesehen hat. In zweiter Ehe war sie mit Dr. jur. Erich Berndt verheiratet. Sie hatten einen Sohn Dieter, geb. 1922. Martha heiratete den Kaufmann Alfred Friedrich Maurer und hatten mit ihm einen Sohn, Peter (Jg. 1922). Adolf, Jurist und promovierter Kunsthistoriker, war mit Elisabeth Martha Holzheu verheiratet. Sie hatten zwei Kinder, die Tochter Ruth (Jg. 1937) und den Sohn John (Jg. 1944).

Gebäude der Mitteldeutschen Creditbank in der Neuen Mainzer Straße 32 in Frankfurt um 1913
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Albert und Cornelia Katzenellenbogen konnten noch bis 1935 die Dienstwohnung in der Commerzbank in der Neuen Mainzer Str. 32 beibehalten. Sie zogen dann nach Königstein, wo sie seit 1912 ein Sommerhaus im Ölmühlweg 33 besaßen, das man in Königstein „Villa Katzenellenbogen" nannte. Während die Wohnung in der Neuen Mainzer Str. 32 an Weihnachten viele Jahre lang Sammelpunkt der erweiterten Familie war, übernahm diese Funktion das Haus in Königstein im Sommer. Das Haus war zwar für den Sommer konzipiert, diente dem Ehepaar aber bis 1938 als Wohnsitz.

Der Umzug nach Frankfurt in die Siessmayerstraße 7 am 16.12.1938 wurde nötig, weil Cornelia Katzenellenbogen 1938 durch einen Schlaganfall weitgehend gelähmt war und die Geldmittel für den Unterhalt des großen Anwesens nicht mehr reichten. Die Lähmung der Ehefrau verhinderte die Emigration in die Schweiz. Die Ehefrau starb am 19.4.1941. Sie wurde unter Aufsicht der Gestapo durch Pfarrer Martin Schmidt von der Dreikönigsgemeinde beerdigt. Albert Katzenellenbogen konnte oder durfte an der Bestattung nicht teilnehmen.
Albert Katzenellenbogen bezog alsbald ein Zimmer in der Pension Zeppelin, einem „Judenhaus" in der Bockenheimer Landstraße 111. Dort wohnte auch das eng befreundete Ehepaar Ottilie und Dr. Siegfried Brodnitz, das zuvor auch in der Siessmayerstraße 7 gewohnt hatte. Das Ehepaar und Albert Katzenellenbogen wurden zusammen nach Theresienstadt deportiert. Dort kamen Ottilie und Siegfried Brodnitz ums Leben, Albert Katzenellenbogen wurde dann mit dem Transport „Bc-942" nach Maly Trostenec deportiert. Alle Transporte mit der Bezeichnung „Bc" waren nach Mitteilung des Tschoslowakischen Roten Kreuzes „Todestransporte".
Die Kinder aus der Ehe Katzenellenbogen hatten folgende Schicksale. Grete starb am 24.4.1944 an den Folgen eines Luftangriffs. An sie erinnert ein Stolpersteine in der Paul-Ehrlich-Str. 25. Martha lebte zuerst in Berlin, dann in Freiburg und schließlich in Hamburg, wo sie am 8.2.1984 starb; Adolf lebte mit Frau und Tochter in Konstanz. Er wurde am 9.11.1938 verhaftet und in das KZ Dachau gebracht. Schwer erkrankt kam er durch Intervention seiner Schweizer Ehefrau frei, wurde in der Schweiz gesundgepflegt, und emigrierte in die USA, wohin im Frau und Tochter später folgten. Er wurde. Professor für Kunstgeschichte am Vassar College und anschließend in Baltimore an der Johns Hopkins University. Er starb 1964 an den Spätfolgen seiner im KZ erlittenen Krankheit.

Die Stolpersteine wurden initiiert von der Evangelischen Dreikönigsgemeinde. An der Verlegung nahmen der Enkel Dr. Peter Maurer mit Eva Maurer (Hamburg) sowie die Urenkelinnen Franziska Schultz-Berndt (Stühlingen) und Cornelie Dietzel (Florida/USA) teil. Es sprach auch der Vorsitzende der Geschäftsleitung für Mittelstand Hessen der Commerzbank, Günter Talner.

Personen
Cornelia Katzenellenbogen, geb. Doctor
Geburtsdatum:11.11.1870
Deportation:unbekannt
Todesdatum:19.4.1941
Albert Katzenellenbogen
Geburtsdatum:15.1.1863
Deportation:18.8.1942 Theresienstadt und 25.8.1942 Maly Trostenec
Todesdatum:unbekannt
Stolperstein Neue Mainzer Straße 32 Cornelia Katzenellenbogen © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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Stolperstein Neue Mainzer Straße 32 Dr. Albert Katzenellenbogen © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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