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Erl, Hans und Sofie

Hans Erl, geboren in Warschau, war ein bekannter Opernsänger, seit den zwanziger Jahren war er mit Sofie Levi verheiratet, sie hatten keine Kinder. Erl startete seine Karriere am Raimund Theater in Wien, es folgten Augsburg und Chemnitz. Er nahm am Ersten Weltkrieg teil, von dem er als Austauschgefangener aus Russland zurückkehrte. Er fand eine Anstellung an der Frankfurter Oper als Erster Bassist und wurde einer der bekanntesten Sänger (neben Magda Spiegel, für die ein Stolperstein in der Holzhausenstr. 16 verlegt wurde). Glanzrollen waren im Rosenkavalier und in der Zauberflöte. Erl gab Gastspiele im In- und Ausland und bekam beste Kritiken. In einem Interview 1926 bemerkte er: „Auf der Bühne vorbildlich sein,im Leben Mensch bleiben" Ein Bild zeigt ihn mit seiner Frau, seinen Hunden und seinem PKW Adler Standard.

1932 begann in der Oper der Versuch, jüdische Künstler „freizusetzen". Erls Vertrag wurde nicht verlängert, 1933 erfolgte die Kündigung aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums. Er klagte und Hans Erl beantragte die Pensionierung. Als er ein Konzert in Zürich gab, wurde er denunziert, man versuchte die Rente zu kürzen. Nach der Pogromnacht 1938 wurde Erl wie die meisten jüdischen Männer in die Festhalle verbracht. Ein SS Mann erkannte ihn und forderte ihn auf, die Arie des Sarastro „In diesen heiligen Hallen kennt man die Rache nicht" aus Mozarts Zauberflöte zu singen. Danach wurde er freigelassen.
Sein Vermögen unterlag der Sicherungsanordnung durch die Devisenstelle, 1942 wurde wie bei allen jüdischen Empfängern die Rente um 37% gekürzt. Im September 1942 schreibt die Gestapo an die Oper: „Der Jude Erl ist bereits am 11.6.1942 nach Osten abgewandert",
1955 wurde eine Hans Erl-Büste des Künstlers Georg Mahr in der Oper aufgestellt, Erls Name steht auf einer Tafel, die die Namen der deportierten jüdischen Künstler zeigt, und an der Außenwand der Frankfurter Oper angebracht ist.

Personen
Hans Erl
Geburtsdatum:8.10.1882
Deportation:10.5.1942 nach Sobibor
Todesdatum:unbekannt
Sofie Erl, geb. Levi
Geburtsdatum:14.11.1883
Deportation:10.5.1942 nach Sobibor
Todesdatum:unbekannt
Stolperstein Eschersheimer Landstraße 267 Hans Erl © Inititative Stolpertseine Frankfurt am Main
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Stolperstein Eschersheimer Landstraße 267 Sofie Erl © Inititative Stolpertseine Frankfurt am Main
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