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Sauer, Balthasar

Balthasar Sauer stammte aus Oberkalbach, Kreis Schlüchtern, und war Mitglied der SPD und des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Nachdem ein Unfall ihn zwang, seine Stelle bei der Reichsbahn aufzugeben, betrieb er etwa seit 1926 in der Allerheiligenstraße 26 die Gastwirtschaft „Zum grünen Wald“ und wohnte mit Ehefrau und Sohn im selben Haus. Gegenüber lag das alte Gewerkschaftshaus, das auch Sitz der SPD war; 1931 bezogen die Gewerkschaften ihr neues Haus in der Wilhelm-Leuschner-Straße.

Gewerkschaftsfunktionäre, SPD - und Reichsbannerangehörige nutzten die Gastwirtschaft als Versammlungsort. Aber schon ab 1933 führten Boykott und Razzien durch die SA zu einem erheblichen Umsatzrückgang. Im Juli 1942 wurde Balthasar Sauer in Polizeigewahrsam (Hammelsgasse) genommen und der Vorbereitung zum Hochverrat beschuldigt. Im einzelnen wurden ihm die Duldung von Juden und Marxisten als Gäste vorgeworfen, zudem sei er gegen „staatsabträgliche Gespräche“ in seiner Gastwirtschaft nicht eingeschritten und habe selbst an solchen teilgenommen. Zwar kam es zu keiner Verurteilung, aber die Gestapo wies ihn zur „Umschulung“ in das KZ Dachau ein.

Noch während seiner Inhaftierung in Frankfurt wurde Balthasar Sauer die Konzession zum Betrieb der Gastwirtschaft entzogen. Wohnung und Gastwirtschaft fielen beim Bombenangriff vom März 1944 in Trümmer. Sauers Witwe und sein Sohn erhielten nach dem Krieg eine geringe Entschädigung.

Personen
Balthasar Sauer
Geburtsdatum:10.2.1883
Deportation:1942 Haft in Dachau, 1944 Lublin und Januar 1945 Auschwitz
Todesdatum:7.1.1945

Quelle

Studienkreis Deutscher Widerstand; HstA Wiesbaden Abt. 518 Nr. 6155 u.a.; Entschädigungsakte Archivnr. 739;