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Latsch, Wilhelm

Wilhelm Latsch aus Gelnhausen war gelernter Mechaniker und wohnte mit seiner Ehefrau und drei Kindern in der Stoltzestraße 14 in Frankfurt a.M. Er war Mitglied der SPD und zunächst als Büchereihelfer bei der städtischen Volksbücherei beschäftigt. Im September 1933 wurde ihm in einem Schreiben des Frankfurter Oberbürgermeisters Krebs seine fristlose Entlassung mitgeteilt „da Sie nicht die Gewähr dafür bieten, dass Sie jederzeit rückhaltlos für den nationalen Staat eintreten“. Erst drei Jahre später fand er wieder eine Stelle, diesmal als Maschinenschlosser bei der Firma Simon in Frankfurt.

Ab 1940 bis zu seiner Verhaftung arbeitete er dienstverpflichtet bei den Adler-Werken. Im Februar 1943 wurde er zusammen mit anderen Arbeitskollegen wegen des Verdachts „staatsfeindliche Äußerungen Dritter nicht angezeigt zu haben“ in Polizeigewahrsam genommen. Die fünfmonatige Untersuchungshaft endete ohne Anklage und Gerichtsverfahren, was die Gestapo nicht daran hinderte, ihn im Juli 1943 ins KZ Dachau einzuliefern.

Seine Tochter Anna Jaburek erinnert sich, dass ihr Vater im sogenannten Prominentenblock des Konzentrationslagers untergebracht war. Den Grund dafür konnte die Familie nicht in Erfahrung bringen. Die Angehörigen wussten aber, dass der Vater Zwangsarbeit in einer Radiofabrik leisten musste. Er starb an seinem 60. Geburtstag.

Bei dem Luftangriff auf Frankfurt im März 1944 verlor die Familie ihre Wohnung. Nach dem Krieg musste Wilhelm Latschs Witwe lange um eine bescheidene Wiedergutmachung kämpfen.

Personen
Wilhelm Latsch
Geburtsdatum:11.4.1884
Deportation:1943 Haft in Dachau
Todesdatum:12.2.1944

Quelle

Studienkreis Deutscher Widerstand, Entschädigungsakte Archivnr. 495, HHStA Wiesbaden Abt. 518, Nr. 692, 2693, mündlicher Bericht der Tochter Anna Jaburek