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Neuhaus, Helene, Justin und Peter David

Justin Jakob Neuhaus war der erste Sohn des Kaufmanns David Neuhaus und seiner Frau Klara, geb. Friedlein. Er zog 1913 mit seinen Eltern und seinem fünf Jahre jüngeren Bruder Siegbert in den 3. Stock der Gaußstraße 14. Von hier aus betrieb der Vater sein 1894 gegründetes Warenagenturgeschäft. Justin besuchte wie sein Bruder die Samson-Raphael Hirsch Realschule und machte nach der Mittleren Reife eine Banklehre. Als der Vater 1927 starb, übernahm er zusammen mit seinem Bruder zunächst dessen Geschäft und gründete mit ihm kurze Zeit später eine eigene Firma, die Gebrüder Neuhaus OHG, Fabrikation feiner Lederwaren, auf der Zeil 46. Nach 1933 ging das gutgehende Geschäft durch den Nazi-Boykott immer mehr zurück. Mit Blick auf die geplante Flucht ins Ausland gaben die Brüder Neuhaus die elterliche Wohnung im 3. Stock auf, und Justin Jakob Neuhaus zog als Untermieter von Erna Mannheimer in den 1. Stock.

Im Sommer 1937 heiratete er Helene, geb. Seligmann, aus Ichenhausen bei Ulm. Deren Eltern, Jakob Seligmann und Getta, geborene Gutmann, waren 1911 nach Nördlingen gezogen und hatten dort das Haus Bergerstraße 8 gekauft, wo sie ein Textilgeschäft eröffneten. In Nördlingen wurden auch die beiden jüngeren Brüder Helenes geboren, Heinrich 1914 und Justin 1916. Helene besuchte den Kindergarten von Maria Stern in Nördlingen und später die Nördlinger Volksschule. Danach machte sie eine Ausbildung am Kindergärtnerinnenseminar von Maria Stern. Nach ihrer Heirat mit Justin Neuhaus zog sie zu ihm nach Frankfurt am Main. Dort wurde auch ihr erstes Kind Peter David Neuhaus geboren.

Während des Novemberpogroms 1938 wurden die Geschäftsräume und das Warenlager der Gebrüder Neuhaus auf der Zeil zerstört. Die Waren und die Büroeinrichtung wurden auf die Straße geworfen. Die Familie bemühte sich vergeblich um ein Visum für die USA oder ein anderes Land in Übersee. Ende 1938 flüchtete die junge Familie deshalb zusammen mit dem Bruder und dessen Frau ins holländische Exil nach Amsterdam. In den ersten Kriegstagen im Mai 1940 scheiterte der Versuch der Familie, mit einem Fischerboot ins sichere England zu flüchten, da der Nordseehafen von Amsterdam von den Engländern bombardiert wurde.

Etwa ein Jahr später begannen die deutschen Besatzer auch in Holland mit der Judenverfolgung. Ab Mai 1941 machten sie immer wieder Razzien unter der jüdischen Bevölkerung und deportierten vor allem Männer ins KZ Mauthausen, wo sie wenig später ermordet wurden. Im August 1941 wurde mit Judith das zweite Kind von Justin und Helene in Amsterdam geboren. Anfang 1943 konnten die Eltern ihr eineinhalb Jahre altes Töchterchen über die holländische Untergrundorganisation bei einer friesischen Familie in Sicherheit bringen.

Justin und Helene Neuhaus Kontakte zur Untergrundorganisation wurden entdeckt. Daraufhin wurden sie in ihrer Wohnung verhaftet. Auch Helene Neuhaus Vater wurde 1942 in einem KZ bei Lublin in Polen ermordet.

Die Tochter Judith wurde durch die Leute des holländische Untergrunds und die Pflegefamilie in Friesland gerettet, die sie wie eine eigene Tochter aufnahm. Der Bruder Siegbert Neuhaus, seine Frau Toni, geb. Schuss, und ihr 1942 geborener Sohn Micha überlebten das KZ Bergen-Belsen. Sie kehrten nach Amsterdam zurück und nahmen ihre Nichte Judith in die Familie auf. Auch die Brüder von Helene Neuhaus überlebten, Justin Seligmann ebenfalls in Holland bei einem Bauern, der ihn versteckt hielt. Heinrich Seligmann war 1936 die Flucht ins südafrikanische Exil gelungen.

Bei der Verlegung der Stolpersteine waren anwesend Judith Aschkenasy, geb. Neuhaus, mit Ehemann aus Zürich, Tochter von Helene und Justin Neuhaus. Und Micha R. Neuhaus mit Ehefrau aus Amsterdam, Neffe von Justin Neuhaus und der Cousin von Peter David Neuhaus.

Personen
Helene Neuhaus , geb. Seligmann
Geburtsdatum:14.9.1909
Deportation:nach Westerbork und nach Sobibor
Todesdatum:7.5.1943
Justin Jakob Neuhaus
Geburtsdatum:30.9.1900
Deportation:nach Westerbork und nach Sobibor
Todesdatum:21.5.1943
Peter David Neuhaus
Geburtsdatum:27.6.1938
Deportation:nach Westerbork und nach Sobibor
Todesdatum:7.5.1943

Quelle

Renate Hebauf, Frankfurt am Main, Gaußstr. 14, Ein Haus und seine jüdischen Bewohner zwischen 1911 und 1945. In: Monica Kingreen, Nach der Kristallnacht

Stolperstein Gaußstraße 14 Helene Neuhaus © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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Stolperstein Gaußstraße 14 Justin Neuhaus © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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Stolperstein Gaußstraße 14 Peter Neuhaus © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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