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Kaiser, Siegmund

Siegmund Kaiser aus Eschwege war Sohn eines Fabrikanten. Nach erfolgreichem Abitur in Weilburg 1900 und einjährigem Wehrdienst begann er ein Jurastudium in München, Berlin und Göttingen. Die Referendar-Ausbildung folgte in Kassel, Wiesbaden und Hanau, das Examen machte er 1909 in Berlin. Im selben Jahr kam er nach Frankfurt, wurde als Rechtsanwalt zugelassen und zum Notar ernannt. Von 1914 bis 1918 nahm er am Ersten Weltkrieg teil. 1923 heiratete er die aus einer christlichen Familie stammende Dora Kühn. Sie hatten drei Kinder.

Siegmund Kaiser wurde 1933 als Notar entlassen, erst 1938 verlor er seine Zulassung als Rechtsanwalt (Frontkämpfer). Er wurde nun Rechtskonsulent und durfte nur noch jüdische Mandanten haben. Seine ausstehenden Honorarforderungen musste er an die Reichsrechtsanwaltskammer abtreten (ca. 21.000 RM).

Nach der Pogromnacht kam er für fast zwei Monate in das KZ Dachau. Nach der Entlassung betrieb er die Auswanderung nach Bolivien. Er benötigte hierfür eine Bescheinigung über seine Anwaltstätigkeit, die der Präsident des Oberlandesgerichts auch ausstellte. Bis 1942 praktizierte Siegmund Kaiser in der Oberlindau 53. Die Gestapo verhaftete ihn am 13.7.42. Ein Kollege, Max. L. Cahn, wurde sofort als Vertreter eingesetzt. Dieser schrieb am 11. 8.42 an das Gericht: „Wie ich erfahren habe, kann Herr Kaiser seine Tätigkeit vorläufig nicht ausüben, ich bitte mich weiterhin zum Vertreter zu bestellen.“ Diese Bestellung wurde bis Ende 1942 gewährt. Siegmund Kaiser wurde als „politischer Jude“ nach Buchenwald verschleppt.

Die Ehefrau und die drei Kinder (Jahrgänge 1920 bis 1924) überlebten. Nachdem sie 1943 in Frankfurt ausgebombt wurden, zogen sie nach Augsburg und wanderten 1947 über die Schweiz nach Argentinien aus. Das Haus Eichendorffstraße 37 kam 1945 in Treuhandverwaltung für die Erben. Die Überlebenden konnten nicht ausfindig gemacht werden; die letzte Nachricht der Tochter Gisela Wood stammt von 1959 aus der Nähe von Milwaukee.

Personen
Siegmund Kaiser
Geburtsdatum:27.1.1882
Deportation:30.10.1942 nach Buchenwald und 27.11.1942 nach Auschwitz
Todesdatum:29.12.1942