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Hahn, Siegfried

Siegfried Hahn aus Birstein war das dritte von sechs Kindern des Viehhändlers Sally Hahn und seiner Frau Bertha. Der Vater hatte nach Höchst geschäftliche Verbindungen zur Metzgerei Reichert. Möglicherweise kam Siegfried Hahn mit seinem Vater nach Höchst, um die Metzgerei zu beliefern. Hier lernte er Franziska Ostertag kennen. Ihr zuliebe ließ er sich am 30.7.1933 in Romsthal im Kreis Schlüchtern katholisch taufen, sie heirateten am 1.10.1933 in Höchst.

Diese Verbindung mit einer Katholikin führte zum Bruch mit seiner jüdischen Familie in Birstein. Lediglich die Schwester Jenny, die in Frankfurt wohnte, hielt noch Kontakt zu ihm. Jenny Hahn wollte nach England emigrieren, es gelang ihr nicht mehr; sie wurde am 24.9.1942 „nach dem Osten“ aus Frankfurt deportiert und wahrscheinlich in den Dünen von Raasiku in Estland erschossen. Den Eltern und den Geschwistern gelang die Emigration nach Mexiko.

Siegfried Hahn hatte eine kaufmännische Ausbildung absolviert und war ab 1927 bei der IG-Farbenindustrie AG tätig, später als kaufmännischer Angestellter in einer Firma in der Nähe des Doms. Hier wurde er wahrscheinlich entlassen, weil er Jude war. Mit Aushilfsarbeiten, die er, wie die Tochter berichtet, hin und wieder vom Metzger Reichert erhielt, konnte er etwas Geld verdienen. Später fand er eine feste Anstellung nur noch als Hilfsarbeiter.

Siegfried und Franziska Hahn lebten in der Albanusstraße 27. Am 27.2 1942 wurde die Tochter Marianne geboren. Aber auch die „privilegierte Mischehe“, wie es bei den Nazis hieß, half Siegfried Hahn nicht. Bis 28.1.1943 arbeitete er noch in Höchst bei der Baufirma Milch. „Seine Entlassung erfolgte auf Anordnung der Gestapo“ heißt es in der Verdienstbescheinigung. Bis zu seiner Verhaftung am 5.4. 1943 musste er Zwangsarbeit für die Stadt leisten. Nach knapp einem Monat im Polizeigefängnis wurde er in das Strafgefängnis Preungesheim überführt („Schutzhaft Gestapo“) und am 12.6.1943 ins Polizeigefängnis zurückgebracht. Von dort wurde er am 14.6.1943 nach Auschwitz deportiert, wo er am 18. August 1943 umkam. Seiner Frau wurde, gegen Kostenübernahme, die Asche ihres Mannes von der KZ-Verwaltung angeboten.

Franziska Hahn lebte auch nach 1945 immer in Ängsten; insbesondere um ihre Tochter, die ja im Nazijargon „Halbjüdin“ war. Fragen nach ihrem Vater sollte sie mit „der ist im Krieg umgekommen“ beantworten. Sie starb 2004 in Frankfurt. Die Tochter Marianne hielt bei der Verlegung des Stolpersteins die Gedenkrede für ihren Vater.

Personen
Siegfried Hahn
Geburtsdatum:31.12.1906
Deportation:1943 Auschwitz
Todesdatum:18.8.1943