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Hirsch, Lucie

Lucie Hirsch wurde in Straßburg geboren, 1921 heiratete sie den Kaufmann Willy Hirsch, geb. am 4.6.1879 in Wehrheim. Willy Hirsch kam zusammen mit seinen Brüdern Hugo und Karl von Wehrheim nach Höchst. 1921 zogen Lucie und Willy Hirsch in die Zuckschwerdt-straße 17. 1934 steht Willy Hirsch mit dieser Adresse im Boykottbuch, das die SA mit Hilfe der jeweiligen örtlichen Gruppen erstellt hatte; er soll eine Kaffeerösterei betrieben haben.
Lucie und Willy Hirsch wurden im September 1938 mit einer Passsperre des Finanzamtes Höchst belegt. Sie mussten zwangsweise eine „Judenvermögensab¬gabe" in Höhe von 14.500 Reichsmark entrichten. Willy Hirsch war im Zusammenhang mit dem Novemberprogrom 1938 in Buchenwald inhaftiert.
Im Januar 1939 zogen Lucie und Willy Hirsch in die Oeserstraße 54, in das Haus, in dem auch das jüdische Arztehepaar Kahn lebte. Ob dies ein freiwilliger Umzug war, ist zu bezweifeln. Die Wohnung in der Oeserstraße war wohl wesentlich kleiner, denn sie mussten Möbel unterstellen. Ab November 1939 durften sie monatlich nur über einen „Freibetrag" von 500 Reichsmark verfügen, im Januar 1941 wird der Betrag um mehr als die Hälfte reduziert, später auf 300 RM angehoben. Juden mussten genau angeben, wozu sie das Geld brauchen. So geht aus einem Formular für die Devisenstelle hervor, dass Lucie Hirsch für eine geplante Emigration Sprachunterricht nahm und auch bedürftige Verwandte unterstützte. Am 11.6.1940 starb Willy Hirsch im jüdischen Krankenhaus.
Eine Zeitzeugin berichtete, dass Lucie Hirsch im März 1942 in der Oeserstraße „abgeholt" wurde. Dr. Kahn habe ihr etwas gegeben, das sie in den Rocksaum einnähte. „Wenn du es nicht mehr ertragen kannst, dann nimm das", habe er gesagt. Im Melderegister steht: „14.3.42 ausgewandert, Herkunftsland nicht bekannt, auch Zeugnis nach Cuba". Zu dieser Emigration konnte es nicht mehr kommen. Durch den Angriff der Japaner auf Pearl Harbor Ende 1941 und den Kriegs¬eintritt der USA, konnten keine Schiffe mehr über den Atlantik verkehren. Am 1.6.1942 wurde das Vermögen von Lucie Hirsch zu Gunsten des Reiches eingezogen und „verwertet", wie dieser Raub genannt wurde.

Personen
Lucie Hirsch, geb. Mayer
Geburtsdatum:25.02.1892
Deportation:Mai 1942 in Region Lublin
Todesdatum:unbekannt
Stolperstein Oeserstraße 54 Lucie Hirsch © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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