Logo FRANKFURT.de

Frohmann, Hilda

Hilda Frohmann wurde in Romrod (Kreis Alsfeld) als Tochter von Abraham Floersheim geboren. 1894 heiratete sie Hermann Frohmann; 1895 wurde ihre Tochter Martha geboren. Diese heirate Jacob Goldmann. Die Familie lebte jahrzehntelang in Reinheim, Hindenburgstraße 16/EG (Darmstädter Straße); die Tochter wohnte mit ihrer Familie im ersten Stock. Die Familie beschäftigte eine Hausangestellte. Der Ehemann war als selbstständiger Getreidehändler tätig und seit 1900 Mitglied im Obst- und Gartenbauverein. Der Schwiegersohn praktizierte seit 1912 äußerst erfolgreich in Reinheim und Umgebung. Während des Ersten Weltkrieges hatte er vier Jahre als Oberarzt des Feldlazaretts des 18. Armee-Corps gedient.
Bereits vor dem Regierungsantritt Adolf Hitlers drangsalierten Antisemiten die Familie. So wurde Hilda Frohmann bei einem Gemeindeball 1929 beim Tanz grundlos geohrfeigt. Schon in den frühen 1930er Jahren versammelten sich zuweilen junge Nazis vor dem Haus und beleidigten den Schwiegersohn oder andere Familienmitglieder. Anfang 1933 zündete ein stadtbekannter Nationalsozialist und Antisemit, der Nachbar und Metzger Ludwig Appel, einen „Kanonenschlag" im Hof der Familie. Der laute Knall löste bei Hilda Frohmann tiefe Depressionen aus. Sie musste sich monatelang in einem Sanatorium und später psychiatrisch und neurologisch behandeln lassen. Seit diesem Schock sprach sie nie wieder ein Wort. Während der Ehemann als unerschütterlicher Patriot jahrelang fest am Glauben an den deutschen Rechtsstaat festhielt und eine Emigration ablehnte, plädierte der SPD-wählende Schwiegersohn nach diesem Übergriff für die Flucht in das Exil, da er von der zunehmenden Gewalttätigkeit des Antisemitismus in Deutschland überzeugt war.
Zuvor war das Automobil des Schwiegersohnes verkauft und die Schäferhündin der Familie fort gegeben worden.Der Ehemann musste seine Geschäftstätigkeit als Getreidehändler aufgeben.
Die Familie verließ Mitte 1934 ihren Heimatort und suchte Zuflucht in Frankfurt in der Eschenheimer Anla¬ge 20/11..Hilda Frohmann litt besonders stark unter der Entwurzelung sowie unter zunehmender Verfolgung und Entrechtung jüdischer Bürger. In der Nacht vom 23. auf den 24.2.1935 stürzte sie sich aus einer der Mansarden des Wohnhauses Eschenheimer Anlage 20 auf die Straße. Der Enkel Robert Goldmann beschrieb den Morgen ihres Todes folgendermaßen: „... als mein Großvater am Morgen des 24.2.1935, einen Tag nach dem 48. Geburtstag meines Vaters, feststellte, daß seine Frau nicht mehr neben ihm lag, rief nach ihr, weckte uns, und wir suchten in der Wohnung, bis einer aus dem Fenster sah. Eine Menge hatte sich unten auf dem Bürgersteig vor unserem Haus versammelt. Polizei und Krankenwagen standen schon dort. Wir stürzten hinaus. Ich sah Blut und etwas, das in ein Nachthemd eingewickelt war, dann noch mehr Blut. Ein blutiger Haufen - ein kaum mehr erkennbarer Mensch. Es war Oma Hilda!" Sie wurde auf dem Neuen Jüdischen Friedhof, Eckenheimer Landstraße, beigesetzt.
Die Familie zog in die Scheffelstraße 13 um, um nicht ständig an die Verzweiflungstat von Hilda Frohmann erinnert zu werden. Dort eröffnete der Schwiegersohn erneut eine Arztpraxis. Er wurde unter dem Eindruck der Ereignisse orthodox und Zionist. Im Zusammenhang mit dem November-Pogrom 1938 Haft des Schwiegersohnes im Konzentrationslager Buchenwald. Nachdem der Enkel im März 1939 das Abitur am Philanthropin bestanden hatte, entschlossen sich Toch¬ter, Schwiegersohn und Enkel zur Emigration. Der Ehemann konnte im April 1941 über Portugal in das US-amerikanische Exil emigrieren.

Der Stolperstein wurde initiiert von Andrzej Bodek/ Frankfurt. An der Verlegung am 1.6.2010 nahmen der in New York lebende Journalist Robert B. Goldmann, Enkel Hilda Frohmanns, und dessen Enkelin Nira Kleiner teil. Auch eine Gruppe Reinheimer Bürger mit Bürgermeister Karl Hartmann waren anwesend.

Personen
Hilda Frohmann, geb. Floersheim
Geburtsdatum:26.09.1871
Todesdatum:24.02.1935 (Suizid)

Quelle

Literatur:
Robert Goldmann, Flucht in die Welt. Ein Lebensweg nach New York. Frankfurt am Main 1996

Stolperstein Eschersheimer Anlage 20 Hilda Frohmann © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
Dieses Bild vergrößern.