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Laurinec, Jan

Jan Laurinec wurde in Brehy (Slowakei) geboren. Sein Vater war Stefan Laurinec. Er war ledig, römisch-katholisch, Slowake, von Beruf Friseur und hatte keine Kinder. Seit spätestens 1940 hielt er sich im Deutschen Reich auf. Jan Laurinec ist wahrscheinlich im Rahmen einer offiziellen Anwerbung als „Gastarbeiter" ins Deutsche Reich gekommen. Er war zunächst in der Hans-Handwerk-Straße 25 (Langestraße) untergebracht. Das war ein großer Komplex mit einem von mehreren Firmen genutzten Gemeinschaftslager für bis zu 300 Personen. Arbeitskräfte aus den mit dem Reich verbündeten Staaten (Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und vor allem Italien) waren rechtlich mit den deutschen Arbeitskräften gleichgestellt. Das erklärt, warum Jan Laurinec später in die Schwarzburg¬straße 51 umziehen und privat dort wohnen konnte.

Vom 28.10.1940 bis 24.3.1943 war er bei der Chemi¬schen Fabrik Griesheim beschäftigt. Zugleich belegen Unterlagen seine Beschäftigung bei LG. Mouson & Co. Feinseifenfabrik, vom 10.11.1940 bis 31.12.1942. Ab dem 17. 8.1942 bis 8.31943 war er in der Schwarzburgstraße 51. Im Hausstandsbuch ist er vermerkt mit: Jan Laurinec, Slow[ake], Arbeiter". Unter dem 8.3.1943 ist dort als Abgangsvermerk eingetragen: „unbekt. polit Gefg" (unbekannt, politisches Gefängnis).
Nach einer anderen Quelle wurde er am 19.2.1943 verhaftet. Von da bis 16.4.1943 war er im Arbeitserziehungslager (AEL) in Haft. Der „Diebstahl" als Grund seiner Verhaftung erscheint nur an einer Stelle in den Unterlagen, sonst wird als Haftgrund immer „arbeits¬scheu" genannt, einmal „Aso-Slowake" und im Übrigen vermerkt: Vorstrafen: „keine". 1938 wurden für „Arbeitsscheue" Verhaftungskriterien formuliert: zweimalige Ablehnung von zugewiesenen Arbeitsstellen, mehrfaches Fernbleiben von der Arbeit, Nichtsesshaftigkeit. Bei ausländischen Arbeitskräften lag in der Regel Arbeitsertragsbruch oder Fernbleiben von der Arbeit vor.

Auch wenn die ausländischen Arbeitskräfte aus den verbündeten Staaten deutschen Arbeitskräften gleichgestellt waren, war deren Situation besonders nach Kriegsbeginn nicht unproblematisch, weil die Erwartungen der Arbeiter und die Versprechen der deutschen Anwerber oftmals nicht erfüllt wurden. Aus der resultierenden Unzufriedenheit entstanden Konflikte, die von den deutschen Behörden als „Arbeitsvertragsbruch" oder „Dienstpflichtverletzung" gewertet wurden und zur Inhaftierung in Arbeitserziehungslager führen konnten. Das könnte auch im Fall von Jan Laurinec so gewesen sein. Die Einweisung in ein Arbeitserziehungslager bei „Arbeitsscheuen" war ein übliches Verfahren. Erst nach Verstreichen der dortigen Haftzeit, die maximal 56 Tage betragen konnte, wurden sie in ein KZ eingewiesen.
Am 28.4.1943 wurde Jan Laurinec mit einem Sammeltransport in das KZ Buchenwald verfrachtet, wo er am 30.4.1943 eintraf. Der dortige Einlieferungsvermerk ist eine maschinenschriftliche Liste, die 71 Männer verzeichnet, überwiegend aus Frankfurt a.M. sowie Russen und Polen aus Darmstadt. Die Frankfurter tragen alle den Vermerk „arbeitsscheu". Jan Laurinec trägt in der Liste die Nummer 49. Handschriftlich nachgetragen ist seine Häftlingsnummer: 1331944. Im KZ Buchenwald wurden Häftlinge seiner Kategorie unter dem Kürzel ASR (Arbeitsscheu Reich) geführt. Als Kennzeichnung trug er das Dreieck mit der Nationalitätenkennzeichnung „SI" für Slowake.
Im KZ war er wieder als Friseur tätig. Friseure waren ein eigenes Kommando mit eigenem Kapo. Sie verteilten sich auf die einzelnen Baracken. Jan Laurinec war in Baracke 29 untergebracht und dort wahrscheinlich „Blockfriseur". Er hat sich in den 16 Monaten seiner Gefangenschaft im KZ Buchenwald 47 Mal krank gemeldet. Im Krankenrevier wurde er von Professor Holfelder im Mai 1944 geröntgt, wobei eine abgeheilte Lungentuberkulose festgestellt wurde.

Der Angriff der 1. Bomberdivision der 8. US-Luftflotte auf Buchenwald am 24.8.1944 galt dem Gustloff-Werk II, den Deutschen Ausrüstungswerken und den Einrichtungen der SS. Im Unterkunftsbereich der Häftlinge entstand kein Schaden. Lediglich in dem an die Deutschen Ausrüstungswerke angrenzenden Teil des Konzentrationslagers wurden Krematorium, Wäscherei, Desinfektion und Magazine beschädigt. Zum Zeitpunkt des Angriffs war das KZ mit 31.000 Häftlingen an der Grenze seiner Aufnahmefähigkeit belegt. Ein großer Teil der Häftlinge musste während des Angriffs in der Nähe des Werks bleiben. Es gab 2000 Verletzte und viele Tote. Während des Luftangriffs und an seinen Folgen starben 388 Häftlinge.
In der Vermissten-Liste der KZ-Verwaltung vom 30. August 1944 heißt es: „Durch den feindlichen Terrorangriff auf das KL Buchenwald am 24.8.1944 wurden folgende Häftlinge vermisst und deshalb von der Lagerstärke abgesetzt: (... J 36. /ASR / 13319 / [Block] 47 / Laurinec, Jan ) und daraufhin für tot erklärt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sein Tod durch den International Tracing Service beim Standesamt in Bad Arolsen beurkundet.

Der Stolperstein wurde initiiert von Dr. Reinhard Dietrich/Frankfurt, der auch das Schicksal von Jan Laurinec recherchierte.

Personen
Jan Laurinec
Geburtsdatum:11.05.1908
Deportation:28.04.1943 nach Buchenwald
Todesdatum:24.08.1944
Stolperstein Schwarzburgstraße 51 Jan Laurinec © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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