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Schermann, Henny, Herbert, Regina und Selma

Die Geschwister Henny, Herbert und Regina Schermann wurden in Frankfurt geboren. Ihre Eltern waren der Portefeuiller Julius Chil Schermann, gebo¬ren am 1.9.1890, und Selma Schermann, geboren in Ober-Ramstadt, aus Russland eingewanderte Juden. Die Familie wohnte um 1916 in der Kleinen Fried-berger Straße 6, dann in der Heiligkreuzgasse 13, ab 1935 in der Mainstraße 17 und ab September 1936 in der Meisengasse 6. Nachdem sich 1931 die Eltern getrennt hatten, übernahmen die Frauen in der Mei¬sengasse 6 das Schuhgeschäft, das die Mutter von ihren Eltern übernommen hatte. Aufgrund antisemitischer Boykotte wurde das Geschäft aufgegeben. Ab 1935 arbeitete Henny als Verkäuferin.
Henny Schermann war Kauffrau, ledig und Mutter von Walter Schermann. Nachträglich wurde der Sohn auf Antrag des nicht-jüdischen Vaters 1946 für ehelich erklärt.


Herbert Schermann besuchte eine Dekorationsschule in Frankfurt, wurde Tapezierer und zuletzt Täschner, seine Frau und ein Sohn emigrierten nach Palästina, er selbst zog 1931 mit seinem Vater und seinem anderen Sohn nach Paris, 148, rue du Temple. Er wurde am 20.8.1941 in Paris verhaftet. In Auschwitz soll er einen „plötzlichen Herztod" erlitten haben. Sein Vater und sein Sohn wur¬den 1944 verhaftet und in Auxerre inhaftiert, wo sie von den Alliierten befreit wurden. Der Vater starb 1948 an den Folgen der Verfolgung.

Regina Schermann durfte auf Grund der Nürnberger Rassegesetze ihren nichtjüdischen Lebenspartner Albert Siebel nicht heiraten. Der 1933 geborene Sohn Walter Albert lebte bei seiner Mutter. Am 1.12.1938 wurde er in der evangelischen Dreikönigkirche getauft. Wahr¬scheinlich wurde er kurz bevor seine Mutter und seine Großmutter 1941 deportiert wurden, von den Eltern seines Vaters bei Bauern in Diez versteckt und konnte so gerettet werden. Nach Kriegsende legalisierte Albert Siebel die Vaterschaft, der Sohn nahm seinen Nach¬namen an.

Die Stolpersteine wurden initiiert vom Frauenprojekt Frankfurt-Ravensbrück des Studienkreises Deutscher Widerstand.

Personen
Henny Schermann
Geburtsdatum:19.02.1912
Deportation:1940 nach Ravensbrück und am 30.5.1942 nach Bernberg
Todesdatum:30.05.1942
Herbert Schermann
Geburtsdatum:16.01.1914
Deportation:19.07.1942 von Drancy nach Auschwitz
Todesdatum:23.09.1942
Regina Schermann
Geburtsdatum:28.07.1916
Deportation:19.10.1941 nach Lodz
Todesdatum:unbekannt
Selma Schermann, geb. Stern
Geburtsdatum:19.03.1894
Deportation:19.10.1941 nach Lodz
Todesdatum:unbekannt

Quelle

Literatur: Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 (Hrsg.): Frankfurt am Main — Frauen-KZ Ravensbrück. Lebensspuren verfolgter Frauen. 2009

Stolperstein Meisengasse 6 Henny Schermann © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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Stolperstein Meisengasse 6 Herbert Schermann © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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Stolperstein Meisengasse 6 Regina Schermann © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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Stolperstein Meinsengasse 6 Selma Schermann © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
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