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09.02.2012

Eine der größten Pflanzensammlung der Welt

Der Botanische Garten der Universität und der Palmengarten gehen zusammen

Der schon 1783 angelegte Lehrgarten blühte bisher eher im Verborgenen. Jetzt geht der Botanische Garten der Frankfurter Universität mit dem weltberühmten Palmengarten eine einzigartige Konstellation ein. 18.000 Pflanzen beherbergen die beiden Gärten zusammen.

© Matthias Jenny, Stadt Frankfurt am Main
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Frankfurt am Main (pia) Der 3. September 2010 – für Matthias Jenny, Direktor des Frankfurter Palmengartens, war es, wie er bekundete, „der schönste Tag in meiner Karriere“. Denn dieses Datum trägt der Vertrag, mit dem die Angliederung des Botanischen Gartens an den benachbarten Palmengarten besiegelt wurde. So ist der berühmte naturwissenschaftliche Lehrgarten, der seit 1914, also seit knapp 100 Jahren, zur Goethe-Universität gehörte, am 1. Januar 2012 von der Trägerschaft des Landes in die der Stadt gewechselt. Und beide Gärten zusammen verfügen auf einer Fläche von rund 28 Hektar über eine der größten Pflanzensammlungen der Welt.

Eine freundliche Übernahme

In diesem Fall handelt es sich ausnahmsweise einmal um eine freundliche Übernahme. So haben alle 24 Mitarbeiter des Botanischen Gartens ihren Arbeitsplatz behalten, auch wird sich das Land Hessen weiterhin mit einem jährlichen Zuschuss von 600.000 Euro an den Kosten beteiligen. Vor allem aber betonen alle Verantwortlichen, dass der einzigartige Charakter des Botanischen Gartens erhalten bleiben soll: „Wir werden daraus keinen Park machen. Und Volksfeste werden dort ebenfalls nicht stattfinden“, verspricht Umweltdezernentin Manuela Rottmann. Sogar der Zaun, der beide Gärten voneinander trennt, soll vorerst stehenbleiben.

Blaue Seerose im Palmengarten © Palmengarten
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Eine in Deutschland einmalige Konstellation

Ändern wird sich allerdings die Nutzung. Denn bislang haben die 5000 Arten von Freilandpflanzen, die der Lehrgarten beherbergt, eher im Verborgenen geblüht und wurden vor allem von Biologiestudenten und einem akademisch interessierten Publikum geschätzt. Nun soll dieser Ort künftig stärker für die Umweltbildung eingesetzt werden. Der Botanische Garten, der in einer eigenen Abteilung bedrohte Pflanzen züchtet, könnte künftig also zu einer Lern-Station und einem reichhaltigen Anschauungsort werde. „Wir finden hier in nahezu einmaliger Weise eine Freilandfläche mit Pflanzenarten und –gesellschaften der gemäßigten, mitteleuropäischen Zone“, hebt Leiter Manfred Wessel hervor. „Pathetisch könnte man sagen: Wir haben die Pflanzen der Heimat und der Palmengarten hat die Pflanzen der Tropen. Und so eine Konstellation mit zusammen rund 18.000 Pflanzenarten gibt es nirgendwo sonst in Deutschland.“

Eine malerische Anlage

Angelegt wurde der Botanische Garten bereits 1783 von der Senckenbergischen Stiftung des Arztes Johann Christian Senckenberg (1707-72), allerdings zunächst am Eschenheimer Tor in der Innenstadt. Die Pflanzen wurden damals noch nach dem Linnéschen System in exakten Beet-Reihen angeordnet. 1907 dann siedelte der Garten ins Westend um, an den östlichen Rand des Palmengartens, bis er 1931 das heutige Areal an der Siesmayerstraße bezog. Neben den heimischen Pflanzen bietet der naturwissenschaftliche Lehrgarten auch Freilandflächen, die die Vegetationszonen von Ostasien bis Nordamerika abbilden, eine eigene Rosenzucht, einen alten Baumbestand und einen Apothekergarten mit zahlreichen Heilpflanzen. Und alles ergänzt sich ganz ungezwungen, fast natürlich, zu einer malerischen Anlage, in der man manchmal, wie Manfred Wessel schwärmt, „fast vergessen kann, dass man sich mitten in einer Großstadt befindet“.

Intensivierung der Pflanzenzucht

Mit dem Umzug der Biologen der Goethe-Universität vom Westend auf den Campus Riedberg schien die Zukunft des Botanischen Gartens zunächst bedroht. Zu groß war die Entfernung zwischen beiden Standorten, außerdem wird zurzeit ein neuer Wissenschaftsgarten am Riedberg angelegt. Aber auch dieser soll von seinem Vorgänger profitieren: „Wir intensivieren die Pflanzenzucht und –vermehrung, um dem neuen Garten Ableger zur Verfügung stellen zu können“, berichtet Manfred Wessel.

Einladung zu Kontemplation

Seinen besonderen Charakter, der eher zur Kontemplation denn zu lebhafter Freizeitaktivität einlädt, dürfte sich der Botanische Garten auch in Zukunft bewahren. Gleichwohl hat die Stadt große Pläne, in die er sich perfekt einfügen lässt: Denn Frankfurt hat sich vorgenommen, 2014 den von der EU-Kommission verliehenen „European Green Capital Award“ zu erringen. Und mit der Übernahme des Botanischen Gartens glaubt man, dem großen Ziel, in zwei Jahren zu Europas grünster Hauptstadt gekürt zu werden, ein entschiedenes Stückchen näher gekommen zu sein.

Barbara Goldberg


Die Gartensaison im Botanischen Garten beginnt am Sonntag, 26. Februar. Öffnungszeiten vom 1. März bis 31. Oktober: Montag bis Samstag 9 bis 18 Uhr, Sonn- und Feiertag: 9 bis 13 Uhr.

Weitere Informationen: www.botanischergarten-frankfurt.de