Logo FRANKFURT.de

26.04.2011

Einer der einflussreichsten Publizisten seiner Zeit

Ludwig Börne, Gemälde von Moritz Oppenheim, Öl auf Leinwand (1827)
Dieses Bild vergrößern.

Vor 225 Jahren wurde Ludwig Börne in Frankfurt geboren

Er zählt zu den Wegbereitern einer demokratischen Entwicklung in Deutschland und gilt als Begründer des modernen kritischen Journalismus. Ludwig Börne wurde am 6. Mai 1786 als Sohn eines Bankiers in der Frankfurter Judengasse geboren. Das ganze Streben des Publizisten richtete sich auf Gerechtigkeit, Freiheit und Menschenwürde in einem einigen Deutschland.

Frankfurt am Main (pia) Im Frankfurter Römer hatte der junge Louis Baruch am 17. August 1807 sein Schlüsselerlebnis. Auf der Amtsstube im Rathaus wollte er sich einen Pass ausstellen lassen. Als ihm der Schreiber „mit einem giftigen Krötengesicht“ den Pass überreichte, las Baruch darin: „Juif de Francfort“ („Jude aus Frankfurt“). „Mein Blut stand stille“, erinnerte er sich, „doch ich durfte nichts sagen noch tun; denn mein Vater war gegenwärtig. Damals schwur ich es in meinem Herzen: Wartet nur! Ich schreibe euch auch einmal einen Paß, euch und allen!“ Jenen Schwur hat er auf seine Weise gehalten. Unter dem Namen Ludwig Börne avancierte er ab 1818 zu einem der einflussreichsten Publizisten seiner Zeit.

Gegen Diskriminierung, Unterdrückung und Antisemitismus

Getreu den Idealen der Französischen Revolution schrieb Börne rücksichtslos und unermüdlich für Gerechtigkeit, Freiheit und Menschenwürde, gegen Diskriminierung, Unterdrückung und Antisemitismus. Lange vor der Revolution von 1848 engagierte er sich für Frankfurt als Hauptstadt und Sitz der Nationalversammlung in einem einigen deutschen Reich, so dass er zu den frühen Wegbereitern einer demokratischen Entwicklung in Deutschland zählt. Nicht zuletzt gilt er auch als Begründer des modernen kritischen Journalismus.

Widerspruchsgeist gegen die alte Ordnung

Vor 225 Jahren, am 6. Mai 1786, wurde Ludwig Börne in Frankfurt am Main geboren. Als Sohn eines wohlhabenden Bankiers in der Judengasse zur Welt gekommen, hieß er ursprünglich Juda Löb Baruch. Schon früh erwachte sein Widerspruchsgeist gegen die alte Ordnung in der Reichsstadt, die den Juden das Bürgerrecht verwehrte und deren Leben durch zahlreiche Verbote und Vorschriften reglementierte. Nach einem Studium der Kameralistik bekam Dr. Louis Baruch 1811, nachdem die Juden im Großherzogtum Frankfurt unter Dalberg ihre Emanzipation errungen hatten, eine Stelle als Polizeiaktuar in seiner Heimatstadt. Mit dem Ende der napoleonischen Ära und der Wiedereinsetzung der alten Gesetze 1815 jedoch verlor er als Jude das Amt wieder. Nun beschloss er, sich eine Existenz als Journalist aufzubauen. Allerdings fürchtete er antisemitische Vorurteile, die einer ernsthaften Rezeption seiner Schriften im Wege stehen könnten, wenn er diese unter einem eindeutig jüdisch klingenden Namen veröffentlichte. Am 14. April 1818 zeigte der knapp 32-Jährige daher an, dass er seinen Namen in „Dr. Ludwig Börne“ geändert hatte, und nur wenige Wochen später ließ er sich in Rödelheim evangelisch taufen, was er aber zunächst nicht publik machte.

Er begründete das moderne Feuilleton in Deutschland

Bald brachte Börne in Frankfurt sein eigenes Blatt „Die Wage“ heraus, eine „Zeitschrift für Bürgerleben, Wissenschaft und Kunst“, die in loser Folge bis 1821 erschien. Mit den geschliffenen Essays und scharfsinnigen Kritiken, die Börne für „Die Wage“ schrieb, begründete er das moderne Feuilleton in Deutschland. Ab dem 1. Januar 1819 übernahm er zugleich die Redaktion der „Zeitung der freyen Stadt Frankfurt“. Wegen zunehmender Eingriffe der Zensur musste er schon sechs Monate später das Verlagsbüro räumen. Künftig arbeitete er als Herausgeber der „Zeitschwingen“, eines in Offenbach erscheinenden radikalen Blattes, das im Oktober 1819 verboten wurde. Börne reiste daraufhin erstmals nach Paris und wurde, kaum nach Frankfurt zurückgekehrt, im März 1820 einige Tage lang auf der Hauptwache arretiert, nachdem während seiner Abwesenheit in Darmstadt aufrührerische Schriften unter seinem Namen verbreitet worden waren.

Briefe aus Frankfurt

In den kommenden unruhigen, aber produktiven Jahren publizierte Börne, der sich selbst als „Zeitschriftsteller“ verstand, in verschiedenen deutschen Blättern. Für Cottas „Morgenblatt für gebildete Stände“ in Stuttgart etwa verfasste er 1820-21 seine „Briefe aus Frankfurt“, worin er über das Leben, die Gesellschaft und insbesondere das Theater in der Mainstadt berichtete. Er war viel unterwegs, erlitt auf der Rückreise von seinem zweiten Aufenthalt in Paris 1824 einen Blutsturz, war seitdem gesundheitlich angegriffen und konnte sein hartnäckiges Lungenleiden auch durch regelmäßige Kuren in Bad Ems und Soden im Taunus nicht ausheilen. In Soden erreichte ihn 1830 die Nachricht von der Julirevolution in Frankreich. Wie elektrisiert reiste er nach Frankfurt ab, um seine sofortige Übersiedlung nach Paris vorzubereiten. Im dortigen Exil schrieb er von 1831 bis 1834 sein politisch-literarisches Hauptwerk, die insgesamt 115 „Briefe aus Paris“, die sich ursprünglich an seine langjährige Freundin und Mitarbeiterin Jeanette Wohl richteten.

Ménage à trois in Paris

Börne hatte Jeanette Wohl 1817 in Frankfurt kennengelernt. Die ebenfalls aus der Judengasse stammende Wechselmaklerstochter wurde für ihn zur wichtigsten Bezugsperson. Ein großer Teil seiner Werke ist durch sie inspiriert. Im Jahr 1832 heiratete Jeanette Wohl den zwölf Jahre jüngeren Kaufmann und Börneverehrer Salomon Strauß. Im Vorfeld hatte es heftige Verwicklungen gegeben, weil Strauß zwar wusste, dass das Verhältnis zwischen Börne und Jeanette „nur geistig“ war, aber doch fürchtete, dass sie ihm gleich fortlaufen würde, sobald Börne etwas fehle. Auf Börnes Vermittlung willigte Strauß schließlich in die Heirat ein. Er war sogar bereit, nach Paris zu ziehen und dort in einem gemeinsamen Haushalt mit Börne zu leben. „Wir drei zusammen diesen Winter in Paris!“, jubelte Jeanette voller Vorfreude in einem Brief an Börne. Das häusliche Idyll in Paris fand ein jähes Ende, als Ludwig Börne infolge seines langen Lungenleidens am 12. Februar 1837 starb. In seinem Testament hatte er Jeanette Strauß-Wohl als Erbin seines Nachlasses und seiner Urheberrechte eingesetzt. Sie nahm die damit verbundene Verpflichtung an und widmete sich, gemeinsam mit ihrem Mann, von 1844 bis 1850 ganz der Herausgabe von Börnes nachgelassenen Schriften. Vor bald 150 Jahren, am 27. November 1861, starb Jeanette Strauß-Wohl in Paris.

Gedenken an Börne in Frankfurt

Einst hatte die außergewöhnliche Lebensgemeinschaft von Ludwig Börne, Jeanette Wohl und Salomon Strauß für allerhand Klatsch gesorgt. Auch die Streitschrift „Heine über Börne“, die Heinrich Heine drei Jahre nach dem Tod seines Kontrahenten 1840 veröffentlichte, enthielt einige Seitenhiebe auf Jeanette Wohl und ihr Verhältnis zu Börne. Jeanettes Ehemann Salomon Strauß duellierte sich daraufhin mit Heine. Und doch war es gerade Heine, der die Formel fand, um Börne treffend zu charakterisieren: „Er war ein Mensch – ein Bürger der Erde – ein guter Schriftsteller und ein großer Patriot.“ Diese Worte zieren die Gedenkplatte, die heute im Frankfurter Anlagenring an Ludwig Börne erinnert.

Sabine Hock

Die von Frankfurter Bürgern und Institutionen gegründete Ludwig-Börne-Stiftung vergibt seit 1993 alljährlich den Ludwig-Börne-Preis an deutschsprachige Autoren, die Hervorragendes im Bereich des Essays, der Kritik und der Reportage geleistet haben. In diesem Jahr wird der Preis im Rahmen einer Feierstunde in der Paulskirche am 5. Juni an den Bürgerrechtler und Essayisten Joachim Gauck verliehen.