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19.04.2011

Frankfurter Radklassiker wird 50

Seit 50 Jahren trifft sich die Radsportelite am 1. Mai am Main

Am 1. Mai feiert mit „Rund um den Finanzplatz Eschborn – Frankfurt“ ein deutscher Radsportklassiker seinen 50. Geburtstag. Dessen Geschichte begann in Frankfurt Sachsenhausen am Henninger Turm. Jetzt startet die Rennstrecke, die im letzten Jahr rund eine Million Zuschauer säumten, in Eschborn, und sie endet mit dem Zieleinlauf an der Alten Oper.

Frankfurt am Main (pia) 50 Jahre ist es her, dass der Henninger Turm nach dreijähriger Bauzeit am 18. Mai 1961 eingeweiht wurde. Der fast 120 Meter hohe Bau, der damals als Getreidesilo der Brauerei sowie als Aussichts- und Fernsehturm diente, war zu diesem Zeitpunkt das höchste Gebäude der Stadt. „Um den Turm und das Bier des Frankfurter Traditionsbrauers in der Bevölkerung zu bewerben, kam der damalige Marketingdirektor des Unternehmens und Radsportfreund, Gustl Huber, auf die Idee, ein Rennen rund um den neu errichteten Turm zu veranstalten“, erinnert sich Helmer Boelsen an die Anfangszeiten. Der heute 86 Jahre alte ehemalige Sportjournalist hat jahrzehntelang die Radsportszene begleitet und ist einer der letzten Macher aus den Anfangsjahren des Traditionsrennens. Organisiert wurde es im Auftrag der Brauerei von der Frankfurter „Gesellschaft zur Förderung des Radsport mbH“, die die Brüder Hermann und Erwin Moos gegründet hatten. Boelsen unterstützte die beiden mit ihm befreundeten Gesellschafter und nahm sich der Medienarbeit für das neue Radrennen an. Schon im April 1962 fiel dann der Startschuss zur ersten Auflage von „Rund um den Henninger Turm“, bei der mit dem belgischen Weltmeister Rik van Looy ein Top-Star auf dem Rad saß.

Start und Ziel am Henningerturm
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Tour de France in Frankfurt

In den Folgejahren etablierte sich das Rennen fest im nationalen und internationalen Rennsportkalender. Parallel stieg die Radsportbegeisterung in der deutschen Bevölkerung und besonders im Rhein-Main-Gebiet durch die Erfolge des Frankfurters Dietrich Thurau bei der Tour de France. 1980 wurde dieses weltweit populärste Radrennen sogar in Frankfurt gestartet – wohl der Höhepunkt in der Historie von „Rund um den Henninger Turm“. „Thurau selbst musste sich bei seinem Heimatrennen, dessen Siegerliste mit so bekannten Namen wie Rudi Altig, Eddy Merckx, Olaf Ludwig oder Erik Zabel gespickt ist, übrigens mit zwei zweiten Plätzen begnügen“, wie Boelsen erzählt.

Krisenjahr 2008

Ab 1979 änderten sich die Eigentumsverhältnisse bei der Henninger Brauerei, dem weiterhin wichtigsten Geldgeber, mehrmals. Doch auch die neuen Besitzer Binding und später Radeberger förderten weiterhin das Traditionsrennen mit dem Zieleinlauf quasi direkt vor ihrem Brauhaus. Im Jahr 2008 verkündete der Titelsponsor allerdings seinen Rückzug, und der Wettkampf stand kurz vor dem Aus. Inmitten der heftigen Dopingdiskussionen war es eine Herkulesaufgabe für Veranstalter Bernd Moos-Achenbach, das von seinem Vater und seinem Onkel vor 50 Jahren begonnene Lebenswerk fortzuführen. Mit Unterstützung der Städte Eschborn und Frankfurt konnte das Rennen 2009 als „Eschborn-Frankfurt City Loop“ und 2010 als „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt“ gestartet werden.

Riesiges Publikumsinteresse

Moos-Achenbach ist optimistisch, dass sich die Mühe der letzten Jahre gelohnt hat: „Ich bin überzeugt, dass meine Entscheidung, die Familientradition fortzusetzen, richtig war. Auch wenn wir finanziell in letzter Zeit immer bis zum Letzten kämpfen mussten, hoffe ich doch, dass der 1. Mai in Eschborn, Frankfurt und dem Taunus auch die nächsten fünfzig Jahre dem Radsport gehört.“ Das weiterhin große Interesse an dem Rennen scheint Achenbach Recht zu geben. Rund eine Million Zuschauer säumten im vergangenen Jahr die Strecke. Der Hessische Rundfunk übertrug das Rennen live in voller Länge, und auch über die Nachrichtensendungen „Tagesschau“ und „heute“ wurde es in die deutschen Wohnzimmer transportiert.

„Höhepunkt neben Frauen-WM“

In wenigen Tagen kommt es am 1. Mai zur 50. Auflage des Radklassikers mit Start in Eschborn, vielen anspruchsvollen Steigungen im Taunus und dem Zieleinlauf mitten in der Innenstadt an der Alten Oper. Markus Frank, Sportdezernent der Stadt Frankfurt, unterstreicht den Stellenwert des Klassikers: „Voller Vorfreude bin ich überzeugt, dass das Jubiläumsrennen wieder die Menschen in Frankfurt und der Region in seinen Bann ziehen und dem Radsport in Frankfurter weitere Impulse geben wird. Neben der FIFA Frauen-WM 2011 wird dieses Jubiläum garantiert ein weiterer Höhepunkt in unserem Sportkalender.“ Der Start von sieben ProTeams, also Teams der höchsten Kategorie im Radsport, sowie erstmals einer deutschen Nationalmannschaft, unterstreicht die Einschätzung Franks eindrucksvoll.

„Das Rennen ist für alle da“

Dabei tritt übrigens nicht nur die Radsportelite am 1. Mai in die Pedale. Von Anfang an verfolgten die Gebrüder Achenbach die Philosophie „das Rennen ist für alle da“. „Das Frankfurter Rennen war damit eines der ersten, bei dem nicht nur an die Profis gedacht wurde“, blickt Helmer Boelsen zurück. Auch 2011 gehen beispielsweise auch die Jedermänner (und Frauen) oder Skater wieder an den Start. Und auch der Nachwuchs kann in Frankfurt erste Radsporterfahrung in einem Wettbewerb für Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 14 Jahren sammeln. „Mitmachen kann jedes Kind, das ein Fahrrad und einen Helm hat“, so Veranstalter Bernd Moos-Achenbach. Zudem gibt es auf der teilweise gesperrten Mainzer Landstraße ab 18 Uhr eine bunte Show mit Livemusik, Vorstellung der Weltklasseteams und Showrennen.

Michael Weilguny