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15.02.2011

Boom auf dem grünen Rasen

Immer mehr Mädchen begeistern sich für das Fußballspielen

In knapp fünf Monaten wird die Frauen-Fußballweltmeisterschaft 2011 angestoßen. Frankfurt ist ein zentraler Austragungsort des Wettkampfs, und im Vorfeld wächst die Begeisterung für das Kicken. Dazu trägt auch die Stadt bei, indem sie ein von Volumen und Vielfalt her beispielloses Förderungsprogramm für den Mädchenfußball aufgelegt hat.

Frankfurt am Main (pia) „Vor einem Jahrzehnt noch bekam ich beim Thema Mädchen- und Frauenfußball häufig verständnislose oder gar abwertende Kommentare“, berichtet Jürgen Milbredt, langjähriger Kreismädchenreferent des Fußballkreises Frankfurt. Aber in den letzten Jahren sei die Akzeptanz der Sportart dann nicht zuletzt durch die Erfolge der Frauenfußball-Nationalmannschaft und auch die Unterstützung durch Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, spürbar gestiegen. Dies belegt auch ein Blick auf die Zahlen: 2004 gab es in Hessen 173 Frauen- und 158 Mädchenmannschaften, 2010 waren es bereits 269 Frauen- und 451 Mädchenmannschaften. Alleine bei den Mädchen bedeutet dies eine Steigerung in sechs Jahren um fast 300 Prozent.

Charly Körbels Mädchenfusballschule,  © PIA Stadt Frankfurt am Main
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„Andrang ist riesig“

Insgesamt bieten in Frankfurt derzeit 13 Vereine Mädchenfußball an. In 26 Mannschaften kicken rund 350 Spielerinnen - einschließlich der Mädchen, die in Jungenmannschaften mitspielen - und damit mehr als je zuvor. Neben dem 1. FFC Frankfurt ist sicherlich Eintracht Frankfurt der prominenteste Verein in dieser Riege. „Mit dem Boom in dieser tollen Sportart ist die Nachfrage nach Möglichkeiten bei Eintracht Frankfurt aktiv als Mädchen oder Frau Fußball zu spielen, enorm gestiegen. Daher haben wir bereits 2004 das weibliche Geschlecht in unsere Fußballabteilung eingegliedert und erfreuen uns hier einer stetig steigenden Nachfrage – insbesondere in den letzten Monaten“, berichtet Eintracht-Präsident Peter Fischer. Eine Entwicklung, die Siegfried Dietrich, Manager beim sportlichen Aushängeschild des Frankfurter Frauenfußballs, dem 1. FFC Frankfurt, bestätigt: „Sowohl beim 1. FFC als auch bei den anderen Vereinen in Frankfurt wird das Interesse am Mädchenfußball immer größer. Der Andrang ist riesig und hat mit der Vergabe der WM nach Deutschland eine neue Dimension erreicht.“

„Tage des Mädchenfußballs“

Das gestiegene Interesse nutzen sowohl der Fußballkreis Frankfurt als auch der Hessische Fußball-Verband (HFV) mit gezielten Aktionen, um Mädchen früh an den Fußballsport heranzuführen. Die Verbandsvertreter gehen beispielsweise gezielt in Schulen, um die Einrichtung von Mädchenfußball AG’s zu unterstützen. Der HFV organisiert zudem in ganz Hessen so genannte „Tage des Mädchenfußballs“, die als Schnupperangebote Lust auf Fußball im Verein machen soll. Der Kreisfußballausschuss Frankfurt gibt darüber hinaus mittlerweile jährlich eine Informationsbroschüre heraus, in der interessierte Kinder, beziehungsweise deren Eltern eine Übersicht des Angebots an Mädchen- und Frauenfußball in Frankfurt finden können. Auch das Sportdezernat der Stadt Frankfurt ist aktiv. „Im Zuge der FIFA Frauen-WM 2011 fördern wir Projekte, die sich gezielt mit dem Thema Mädchen- und Frauenfußball beschäftigen und dabei Themenfelder wie beispielsweise Integration, Nachhaltigkeit oder Nachwuchsförderung bearbeiten. Insgesamt 28 Projekte wurden bislang mit fast 400.000 Euro unterstützt“, so Frankfurts Sportdezernent Markus Frank – ein Programm, das vom Budget und seiner Vielfalt her ähnliche Projekte in den anderen Austragungsorten der WM weit übertrifft.

Investitionen in die Infrastruktur

Der Boom bringt aber auch neue Herausforderungen mit sich, wie Jürgen Milbredt als Kreismädchenfußballreferent weiß: „Viele Vereine sind zum einen händeringend auf der Suche nach geeigneten Trainern und Trainerinnen oder Betreuern. Zudem sind die Sportplätze in Frankfurt schon jetzt überbelegt und knapp.“ Georg Kemper kennt das Problem und kann von konkreten Maßnahmen berichten: „Durch ein Sonderinvestitionsprogramm konnten bereits zahlreiche Sportanlagen modernisiert werden. Zehn Kunstrasenplätze und vier Umkleide- bzw. Funktionsgebäude wurden gebaut. Das Sportamt wird auch weiterhin die Modernisierung der 54 städtischen Sportanlagen vorantreiben, um den Vereinen eine optimale Infrastruktur zur Verfügung stellen zu können.“ Zudem wird in Verbindung mit dem Landessportbund Hessen eine Qualifizierungsmaßnahme für die Platzverantwortlichen der Vereine unterstützt, um die vorhandenen Sportanlagen optimal nutzen zu können.

Positive Aussichten

Dies wird auch nötig sein, da alle Experten insbesondere bei einem erfolgreichen Abschneiden der Frauenfußball-Nationalmannschaft mit einer weiter steigenden Nachfrage rechnen. Helena Dörr, Frauenfußball-Verantwortliche beim HFV: „Wir erhoffen uns weitere Zuwächse Fußball spielender Mädchen im Sog der WM 2011 und wollen natürlich den Spielbetrieb der Mädchen weiter ausbauen.“ Mit verständnislosen Kommentaren wird sich Jürgen Milbredt in Zukunft wohl kaum noch auseinander setzen müssen.

Michael Weilguny