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25.01.2011

Journalismus mit Blick auf das Evangelium

Das „GEP“ vereint in Frankfurt zahlreiche Medien unter einem Dach

GEP, das klingt kurz und knapp – dahinter verbirgt sich aber ein gewaltiges Unternehmen: das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik. Es vereint die Nachrichtenagentur epd sowie Printpublizistik, Hörfunk, Fernsehen, Film und digitale Medien unter einem Dach. Außerdem befasst sich die gemeinnützige GmbH mit Medienpädagogik und Öffentlichkeitsarbeit.

Frankfurt am Main (pia) Das GEP ist die publizistische Stimme der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) – aber immer redaktionell unabhängig, wie Jörg Bollmann, Direktor des GEP, betont: „Wir machen nicht die Öffentlichkeitsarbeit für die EKD. Wir sind journalistisch frei, allerdings mit der Bindung an das Evangelium. Entscheidungsfreiheit ist eben immer Interpretationsfreiheit, wie bei anderen Journalisten auch."

Unter einem Dach vereint

Gegründet wurde das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik im Juli 1973 von Robert Geisendörfer, Publizist, evangelischer Pfarrer und Medienpionier. Ab diesem Zeitpunkt befanden sich alle Teile der evangelischen Publizistik unter einem Dach und konnten so mehr Wirkung entfalten als allein. „Das Wort „Synergieeffekt" gab es damals wahrscheinlich noch gar nicht, aber genau diesen Effekt wollte Robert Geisendörfer mit der Gründung des GEP erreichen", erklärt Jörg Bollmann. Schon damals waren die heutigen Kernbereiche des Unternehmens, das bis zum Jahr 2000 als Verein organisiert war und dann in eine gemeinnützige GmbH umgewandelt wurde, fast die gleichen wie heute – nur dass das GEP im Laufe der Jahre immer weiter gewachsen ist. Zeitschriften und Printpublizistik waren bereits 1973 mit dabei, ebenso wie der evangelische Pressedienst (epd), der Fachbereich Ausbildung mit der evangelischen Journalistenschule in Berlin, der Fachbereich Buch und – damals ein absolutes Novum bei der kirchlichen Pressearbeit – der Fachbereich Werbung und Public Relations. Der evangelische Pressedienst (epd) konnte im vergangenen Jahr bereits sein 100-jähriges Jubiläum feiern. Damit ist der er eine der ältesten bestehenden Nachrichtenagenturen in Deutschland. Trotz seiner Bindung an das GEP – und somit an die EKD – ist er unabhängig und neutral und wird von den Medien genauso genutzt wie andere große Nachrichtenagenturen. So haben rund zwei Drittel aller Tageszeitungen epd abonniert, täglich werden rund 37 Millionen Leser erreicht.

Mit der Zeit gehen

Heute wächst das GEP immer weiter. Seit 2005 ist das Hansische Druck- und Verlagshaus zu hundert Prozent eine Tochtergesellschaft des GEP, und hier werden unter anderem die Zeitschrift "Chrismon", die Schulzeitschrift "Klasse" und das Diakoniemagazin verlegt, außerdem das Kino-Magazin "epd Film", um nur ein paar der Verlagsprodukte zu nennen. Inspiriert werde das Unternehmen besonders von einem bestimmten Bibelzitat, sagt Jörg Bollmann: "Was ich Euch sage in der Finsternis, das redet im Licht. Und was Euch gesagt wird in das Ohr, das predigt auf den Dächern", so stehe es im Matthäus-Evangelium. Dann fügt er augenzwinkernd hinzu: "Heutzutage heißen diese Dächer eben Internet, Fernsehen und Facebook".

Unter einem Dach vereint: Das GEP © PIA Stadt Frankfurt am Main, Foto: Kim Herschmann
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Standort Frankfurt

Seit seiner Gründung sitzt das GEP in Frankfurt, mit Außenstellen in Berlin, Leipzig, Brüssel und Genf. Der Standort am Main sei ideal für das GEP, erklärt Bollmann. Und das nicht nur, weil die Mainmetropole so zentral in Deutschland liege, sondern vor allem, weil hier viele positive Punkte aufeinander träfen: „Unsere Arbeit geht über die Medienstadt Frankfurt hinaus – wir sind dabei zwar überregional orientiert, haben uns bisher allerdings der Sogwirkung aus Berlin bewusst entzogen. Wir sind über den Standort Frankfurt sehr glücklich." Hier gebe es die Buchmesse, zudem sei das Rhein-Main-Gebiet ein wichtiger Medien-Knotenpunkt.

Chrismon und evangelisch.de

Neben anderen Publikationen sticht vor allem die Zeitschrift „Chrismon" beim GEP hervor, die monatlich als Beilage in zahlreichen großen deutschen Tages- und Wochenzeitungen erscheint. Das Blatt hat eine Auflage von 1,6 Millionen und erreicht derzeit rund 850.000 Leser. Damit ist "Chrismon" das reichweitenstärkste singuläre Printprodukt der evangelischen Publizistik. Wie auch der epd ist das Magazin redaktionell frei – hier werden nicht nur zwingend kirchliche Themen behandelt. Denn zwar beinhalte dieses Produkt, wie auch die vom GEP betriebene Internetseite evangelisch.de, immer eine evangelische Sichtweise auf Deutschland und die Welt, aber diese Sichtweise dürfe und solle auch kritisch sein, betont Jörg Bollmann. Auch die Webseite ist im Übrigen sehr beliebt: Obwohl die Seite erst seit September 2009 existiert, hatte sie im Dezember vergangenen Jahres bereits eine Millionen Besucher.

Neue mediale Herausforderungen

In der Zukunft wird sich die Medienarbeit des GEP noch mehr ausweiten, sagt Jörg Bollmann. „Wir werden uns auf neue mediale Herausforderungen einstellen müssen", so der Direktor des GEP. Dazu gehöre vor allem auch die Präsenz im Internet und auf mobilen Geräten. Die evangelische Kirche zum Download als App? Die Seite evanglisch.de hat jedenfalls schon eine eigene Facebook-Seite mit insgesamt 550 Fans. Derzeit wird nicht nur dort, sondern innerhalb der evangelischen Kirche und ihren Publikationsorganen die Frage diskutiert, ob homosexuelle Pfarrer und Pfarrerinnen mit ihren Lebensgefährten offiziell zusammenleben dürfen sollen. Die Mehrheit der User im Internet spricht sich derzeit dafür aus. Auch hier verläuft die Diskussion immer mit dem Blick aufs Evangelium, aber eben auch mit dem Blick in die fortschrittliche Zukunft.

Kim Herschmann