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04.01.2011

Bauboom, Surrealisten und eine Nobelpreisträgerin

Ausstellungen und Veranstaltungen im ersten Halbjahr 2011

Wie immer zu Beginn eines neuen Jahres geben wir einen Ausblick auf die Pläne der Frankfurter Kulturinstitutionen. Neben besonderen Ereignissen wie der Eröffnung des Städel-Erweiterungsbaus bieten die einzelnen Häuser auch wieder ein volles Programm, wobei sich im Verlauf der kommenden Monate noch geringfügige Änderungen und Terminverschiebungen ergeben können (1. Teil).

Frankfurt am Main (pia) Dieses Jahr ist vor allem geprägt durch große, millionenschwere Bauvorhaben. Mehrere Museen dürfen sich auf Erweiterungen, Um- und Neubauten freuen, sodass man sich beinahe an die „Gründerzeit“ des Museumsufers vor rund drei Jahrzehnten erinnert fühlen kann.

Kunst auf Reisen und eine Chronologie

Während im Untergrund des altehrwürdigen Städel die Arbeiten für den neuen Erweiterungsbau zügig vorangehen, ist ein Teil seiner Sammlung auf internationaler Ausstellungstournee unterwegs. Bis Ende Februar sind Werke des 19. und 20. Jahrhunderts in Wellington (Neuseeland) zu sehen, und holländische und flämische Meisterwerke des „Goldenen Zeitalters“ gastieren bis Mai beziehungsweise August in japanischen Museen. Im Hause selbst stellt „Die Chronologie der Bilder“ bis zum 26. Juni eine Auswahl von Gemälden in ungewöhnlicher Zusammenstellung vor.

Blüte der Elfenbeinschnitzerei

Im Liebieghaus, das im Vorjahr mit „Pharao Sahure“ über 66.000 Besucher anzog und damit die erfolgreichste Ausstellung der Skulpturensammlung erlebte, lässt sich vom 3. Februar bis 26. Juni „ Elfenbein - Barocke Pracht am Wiener Hof“ genießen. Da die weltberühmte Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums Wien derzeit wegen Sanierung geschlossen ist, hat das Publikum nun die Chance, Werke großer Elfenbeinschnitzer als Leihgaben in Frankfurt zu sehen.

Zum Silberjubiläum der Schirn

„Schön wie die zufällige Begegnung einer Nähmaschine mit einem Regenschirm auf einem Seziertisch“, so beschreibt ein Dichter einen Aspekt surrealistischer Kunst, die vom 11. Februar bis 29. Mai in der Schirn Kunsthalle zu sehen ist. Zu ihrem 25-jährigen Bestehen lädt die Schirn unter dem Titel „Surreale Dinge. Skulpturen und Objekte von Dalí bis Man Ray“ zu ihrer großen Jubiläumsausstellung mit rund 180 dreidimensionalen Werken berühmter Künstler - wie Picasso und Magritte - die noch nie umfassend präsentiert wurden. Des weiteren: vom 11. Februar bis 29. Mai „Barbara Kruger. Circus“, vom 13. Mai bis 31. Juli „Eugen Schönebeck“, vom 8. Juni bis 4. September „Haris Epaminonda“.

Millionen für die Filmkultur

Alles neu hinter der historischen Fassade heißt es im Filmmuseum, das zurzeit umgebaut wird und daher geschlossen ist. Eine neu ausgearbeitete Dauerausstellung für 1,5 Millionen Euro und großzügige 1.900 Quadratmeter Fläche mit allen Möglichkeiten gehören künftig zu dem angestrebten „Zentrum für Filmkultur und Medienkompetenz im 21. Jahrhundert“.

DAM-Preis für Architektur

Seine Wiedereröffnung nach Abschluss von Umbauarbeiten begeht das Deutsche Architekturmuseum am 21. Januar mit der Ausstellung „Paul Bonatz. Leben und Bauen zwischen Neckar und Bosporus“ (bis 20.März). Zum glanzvollen Ereignis dürfte die Verleihung des „DAM-Preises für Architektur in Deutschland 2010“ für den „Wiederaufbau Neues Museum Museumsinsel Berlin“ werden (29. Januar), verbunden mit der Ausstellung „Die besten Bauten in/aus Deutschland (29. Januar bis 30. April). Es geht weiter mit „Von Deutschland nach Argentinien. Deutsche Einflüsse in der Architektur“ (5. Februar bis 27. März), „Richard Neutra in Europa – Bauten und Projekte 1960-1970“ (9. April bis 3. Juli) und „Stadt-Räume“ – Europäischer Preis für öffentlichen Raum“ (16. April bis 3. Juli).

Geschlossen für ein Jahr, mehr Platz für die Weltkulturen

Auch das Historische Museum baut um und neu, und die Objekte der Dauerausstellungen sind bereits für den Transport ins Zwischendepot verpackt. Noch bis zum 27. März ist das Werk der Fotografin Abisag Tüllmann zu sehen, danach schließt das Museum bis zur Wiedereröffnung voraussichtlich im Februar 2012. Noch im Planungsstadium befindet sich der Erweiterungsbau für das Museum der Weltkulturen, das künftig für seine bedeutenden Sammlungen mehr Raum bekommen soll. Da zurzeit die Räume renoviert werden, ist die Villa 29 bis zum Herbst geschlossen.

Kelten und Etrusker, 2.600 Fotos

Die fremde und faszinierende Welt der Kelten und Etrusker, wie sie uns auf 2.500 Jahre alten Bildwerken begegnet, illustriert das Archäologische Museum noch bis zum 20. März unter dem Titel „Fürsten, Feste, Rituale“. Das Museum für Moderne Kunst besitzt eine der größten Sammlungen internationaler Gegenwartsfotografie. Einen Einblick in diesen Bestand verschafft bis zum 25. April die Ausstellung „The Lucid Evidence“. In einer Retrospektive präsentiert das Museum vom 29. Januar bis 25. April den im Alter von 38 Jahren verstorbenen Künstler Felix Gonzalez-Torres.

Aus der alten Kaiserstadt

Die japanische Bezeichnung „Waza“ bedeutet „Technik“. Unter das Motto „Waza“ stellt das Museum für Angewandte Kunst vom 27. Januar bis 27. März seine Ausstellung mit traditionellem japanischen Kunsthandwerk aus der alten Kaiserstadt Kyoto. Dabei werden die Exponate nicht nur zur Schau gestellt, sondern Künstler aus Kyoto lassen zu Beginn Besucher am Entstehen ihrer Werke teilhaben. Um ein ganz anderes Thema geht es vom 11. März bis 8. Mai bei „Der I-Kosmos, Macht, Mythos und Magie einer Marke“.

Nobelpreisträgerin Nelly Sachs

Mit „Flucht und Verwandlung“ stellt das Jüdische Museum vom 16. März bis zum Juli das Schicksal der Schriftstellerin Nelly Sachs vor, die 1966 für ihr literarisches Werk den Nobelpreis erhielt. „Zweiheit im Einklang“ steht als Motto über einer Ausstellung im Goethe-Haus, bei der es um den Briefwechsel zwischen Goethe und Schiller geht.

(Teil 2 folgt am 6. Januar)

Lore Kämper