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23.02.2010

50 Jahre Backstage

Der Konzertveranstalter Fritz Rau wird 80 Jahre alt und feiert in der Alten Oper

Er hat sie alle nach Deutschland gebracht, die Stars der Rock-, Blues- und Folkmusik: Jimi Hendrix, die Rolling Stones, Bob Dylan und Joan Baez. Als Konzertveranstalter war er der Pionier seiner Branche und hat stets Neues gewagt: vom kleinen Jazzkonzert bis zu den großen Open-Air-Shows. Nun wird er achtzig und feiert mit einem besonderen Konzert in der Alten Oper.

Frankfurt am Main (pia) "Frankfurt war die wichtigste Stadt in meinem Berufsleben, die wichtigste Firma war Lippmann+Rau", resümiert Fritz Rau. Der legendäre Konzertveranstalter hat von Frankfurt aus über Jahrzehnte maßgeblich die populäre Kultur in Deutschland mitgeprägt - nicht im Rampenlicht, sondern als Macher im Hintergrund.

Partnerschaft mit Horst Lippmann

Fritz Rau wurde am 9. März 1930 im badischen Pforzheim geboren und studierte Jura in Heidelberg. Rasch nach dem Krieg entdeckte er seine Liebe zum Jazz. Frankfurt war damals das Mekka der Jazzszene, und der junge Rau pilgerte ein ums andere Mal an den Main, um die Jazzatmosphäre zu atmen. Bei einer solchen Gelegenheit kam es dann zum wichtigsten Zusammentreffen in seinem Leben: mit Horst Lippmann. Zusammen gründeten sie Lippmann+Rau, Sitz der Konzertveranstaltungsagentur war Frankfurt. Zunächst ging Rau noch weiter seiner juristischen Ausbildung nach, wurde sogar Assessor und als Rechtsanwalt zugelassen, doch Anfang der 60er Jahre verschrieb er sich dann mit Haut und Haaren dem Konzertgewerbe. Einer der ersten Höhepunkte für ihn und Lippmann wurde das "American Folk Blues Festival". Dabei gelang es ihnen, einmal im Jahr Bluesmusiker unterschiedlicher Stilrichtungen wie Muddy Waters und Willie Dixon, Big Joe Williams oder Memphis Slim aus Amerika nach Deutschland zu holen.

Von Howard Carpendale bis Bob Dylan

Schon dieses Festival zeigte, dass Rau der Orthodoxie und dem Sektierertum völlig abhold ist. Mochte so mancher seiner Jazzfreunde über den "primitiven Blues" oder den "niveaulosen Rock'n'Roll" die Nase rümpfen – Rau unterschied nie zwischen guter und schlechter ("das ist subjektiv!") oder höherwertiger E- und minderwertiger U-Musik. "Für mich gibt es nur 'ehrliche' und 'spekulative' Musik", erklärt er. Daher umfasste sein Künstlerkreis einen Howard Carpendale ebenso wie einen Bob Dylan, einen Udo Lindenberg genauso wie eine Nana Mouskouri. Mit Bob Dylan verknüpft sich das vielleicht eindrucksvollste Rau-Konzert aller Zeiten. 80.000 sahen 1978 den Auftritt des Sängers und Songwriters mit Eric Clapton auf dem Nazi-Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. Rau hatte die Bühne gegenüber der Hitler-Tribüne aufgebaut. "80.000 Deutsche drehten Hitler den Rücken zu und wandten sich dem jüdischen Künstler Dylan zu", erinnerte sich Rau später. Doch das war eine neue Generation. 1960 noch hatte Rau mit einer Künstlerin etwas ganz anderes erlebt. Damals war er Leiter der Europatournee von Marlene Dietrich, die dabei erstmals nach dem Krieg wieder eine Reihe von Konzerten in Deutschland gab. Doch die große Künstlerin sorgte für heftige Abwehrreaktionen bei einem Teil ihrer Landsleute. Man verübelte ihr, dass sie nach dem Krieg in amerikanischer Uniform nach Deutschland gekommen war. In allen anderen europäischen Ländern waren die Veranstaltungen jedoch ein großer Erfolg.

Mit den Deutschrockern am Start

Rockmusik und deutsche Sprache – das war lange Zeit eine undenkbare Verbindung. Dass sich dennoch eine deutsche Rockkultur entwickelt hat, ist auch Raus Verdienst. Er verhalf Udo Lindenberg und Peter Maffay in den 70er und 80er Jahren durch große Konzerte zum Superstar-Status. Mit beiden ist er heute noch befreundet. Er begleitete und förderte auch die Karrieren der deutschen Rock-Ladies Inga Rumpf und Ulla Meinecke. Und so sehr Rau Frankfurt als die wichtigste Stadt in seinem Leben schätzt, ist er doch stolz darauf, seine Projekte ohne finanzielle Unterstützung der Stadt umgesetzt zu haben. Gefreut hat ihn aber aus Verbundenheit mit Frankfurt, dass 2002 sein Künstler Udo Lindenberg mit dem Musikpreis der Mainstadt ausgezeichnet wurde. Vor der Preisverleihung durch Oberbürgermeisterin Petra Roth im Rathaus Römer hielt Rau eine berührende Laudatio auf den Preisträger.

Ein Geburtstagskonzert für den badischen Preußen

Nun hat Fritz Rau seine Lebenserinnerungen in einem Buch mit dem Titel "50 Jahre Backstage" veröffentlicht. Zu den Lesungen kommen die Zuhörer zahlreich, und zusammen mit seinen Gesprächsabenden zum Thema "Jazz im Dritten Reich" ergibt das für den bald 80-Jährigen einen prallvollen Terminkalender, den er als "badischer Preuße" mit großem Engagement abarbeitet. Zu seinem Geburtstag hat Rau sich jetzt einen besonderen Wunsch erfüllt: ein großes Konzert am 20. März in der Alten Oper, dessen Reinerlös in die Tabaluga-Kinderstiftung fließt, wobei alle Künstler zu Gunsten der Stiftung auf ihre Gage verzichten. Das Programm ist natürlich wieder so vielfältig wie die Künstler und der Musikgeschmack von Fritz Rau. Dabei sein werden unter anderen Nana Mouskouri, Howard Carpendale, Udo Lindenberg und Peter Maffay sowie aus Frankfurt das Emil-Mangelsdorff Quartett, die Barrelhouse Jazzband, Heinz Sauer und Michael Wollny. Das vielleicht schönste Geburtstagsgeschenk hat den Jubilar bereits vorab erreicht. Denn wie so oft in seiner Laufbahn heißt es auch für dieses Konzert schon jetzt wieder: "Ausverkauft!"

Thomas Waldherr