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18.06.2009

Checkups im fliegenden Wechsel

Am Luftdrehkreuz Frankfurt werden auch zentral die Flugzeuge gewartet

Die Lufthansa, aber auch internationale Fluggesellschaften lassen am Frankfurter Flughafen ihre Maschinen warten. Rund 3.300 Techniker sind rund um die Uhr mit den vorgeschriebenen Checks beschäftigt. Dazu gehört auch die Reinigung der Flieger – per Hand. Vom Wartungsstandort Frankfurt steuert Lufthansa Technik auch rund 50 weitere Stationen an den Flughäfen der Welt.

Frankfurt am Main (pia) Vom Heck des Airbus wandert Mario Büchners geübter Blick Richtung Cockpit. Sichtkontrolle. Dann inspiziert der Wartungstechniker Tragflächen und Reifen, prüft deren Druck, während Kollegen die Flugzeugkabine unter die Lupe nehmen. Techniker Christoph Troppenz steht bereits unter einem Triebwerk, um mit schnellem Griff zwei Klappen zu öffnen: Ölstand testen gehört zu den ersten Schritten des Routinechecks, dem die Maschine in der Halle der Lufthansa Technik am Frankfurter Flughafen unterzogen wird.

Rund um die Uhr kommen die Jets

Am zentralen Wartungsstandort Frankfurt betreuen Mario Büchner und seine rund 3.300 Kollegen mehr als 370 Linienmaschinen der Lufthansa und anderer internationale Gesellschaften. Rund um die Uhr kommen die Jets zu den vorgeschriebenen Checks. Lange bleiben sie nicht. "Die Hersteller sind auf einfache Wartung bedacht, weil die Maschi-nen nur in der Luft Geld verdienen", erzählt Troppenz zwischen Ölstandprüfung und Kontrolle der Stromversorgung. Im Flug produziert sie die gesamte Energie der Maschine. Die Menge würde ausreichen, eine Kleinstadt zu versorgen. "Das meiste geht für die Öfen in der Küche und die Unterhaltung drauf. Jeder Passagier will einen Monitor im Sitz, das braucht Strom", erläutert Teamleiter Büchner.

Jeder Handgriff wird dokumentiert

Ein ausgeklügeltes System sorgt dafür, dass die Maschinen rechtzeitig wieder starten können. Sogar das Einparken folgt genauen Regeln. Weil es trotz 40 Abstellpositionen drinnen und draußen in Stoßzeiten eng wird, gilt: Wer als Erstes raus muss, steht vorne. Denn verspätete oder ausgefallene Flüge bringen Fluggäste auf die Palme. "Der Druck der Crew und der Passagiere ist schon gewaltig", meint Büchner. "ber wir geben nicht frei, wenn wir irgendwo nur den geringsten Zweifel haben." Für die Sicherheit stehen die Experten mit ihrem Namen gerade. Jeder Handgriff wird dokumentiert, ein in einer Art Logbuch eingetragener Code identifiziert denjenigen, der die Freigabe erteilt hat. Büchner schläft nach zwanzig Jahren im Beruf immer noch gut: "Wenn nicht, müsste ich mich fragen, ob ich noch an der richtigen Stelle bin."

Eigenes Aus- und Weiterbildungszentrum

Neben den täglichen, wöchentlichen oder monatlichen Routinechecks ist die Erfahrung der Frankfurter auch bei Sonderkontrollen gefragt. Sie werden zum Beispiel angeordnet, wenn in der Luft ein Teil einer Maschine verloren geht oder ein Triebwerk abschaltet. Meist werden dann weltweit sofort alle Maschinen dieses Typs überprüft. Für jeden gibt es am drittgrößten Airport Europas speziell ausgebildetes Personal, weil "sie sich ähnlich wie Automarken unterscheiden". Die Qualifizierung beginnt lange vor der Einführung neuer Flugzeugmuster wie dem Großraumflugzeug A380: "Gemeinsam mit den Hersteller entwickeln wir Programme für Theorie und Praxis", erläutert der Leiter der technischen Berufsausbildung, Martin Brandes. Aus dem eigenen Aus- und Weiterbildungszentrum kommen auch die Nachwuchskräfte. Rund 220 junge Leute absolvieren am Main eine Ausbildung mit Schwerpunkt Fluggerätemechaniker und Elektroniker für Luftfahrtfahrttechnische Systeme.

Mit dem Mopp auf Hochglanz

Vom Wartungsdrehkreuz Frankfurt steuert Lufthansa Technik rund 50 Standorte an den großen Flughäfen der Welt. Stationen in den USA, Kanada und China gehören ebenso dazu wie Singapur und Dubai. In Deutschland gibt es Zentren in München, Berlin, Düsseldorf, Hamburg und Stuttgart. Qualität exportierten die Frankfurter auch nach Malta und Mailand: Dort schulte das Reinigungsteam das Personal im sorgfältigen Waschen eines Flugzeugs in Handarbeit. "Das ist kostengünstig und sicher", erzählt Robert Schimmer, Meister Aircraft Cleaning. Versuche mit einem Putzgerät endeten schnell, weil es die Jets beschädigte. Unter anderem brachen empfindliche, als Blitzableiter dienende Statikentlader an den Tragflächen ab. Etwa alle drei Monate werden die Maschinen mit dem Mopp auf Hochglanz gebracht. Meist trocken, damit parallel andere Wartungsarbeiten ausgeführt werden können. Selbstzweck sei die bis zu 24 Stunden dauernde Prozedur nicht, so Schimmer. Eine glatte Oberfläche reduziere den Treibstoffverbrauch und schone den Lack, diene aber auch dem Image der Fluggesellschaft. Ein kleiner Trupp von Schimmers Leuten arbeitet direkt auf dem Vorfeld. Einzige Aufgabe: Cockpitscheiben putzen an Langstreckenjets.

Die Zeichen stehen auf Wachstum

Ihre Aufträge bekommen die Wartungsexperten von Herstellern, Airlines und dem Luftfahrtbundesamt. Das Geschäft mit Gesellschaften außerhalb des Lufthansa-Konzerns macht inzwischen einen großen Teil des Umsatzes aus. Auf der Frankfurter Basis stehen die Zeichen auf Wachstum. Direkt neben der vier Fußballfelder großen „Jumbo-Halle“ steht die größte Flugzeughalle Europas. Mit Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts 2015 wird sie vier A380 Platz bieten.

Margarete Lausberg