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10.02.2009

Frankfurts Skyline ist auch in China ein Markenzeichen

Die Architekten der Mainstadt planen und bauen überall in der Welt

Die Architekten des Büros KSP Engel und Zimmermann haben die chinesische Nationalbibliothek geplant und bauen derzeit eine Moschee in Algier. Und während Albert Speer längst eine Dependance in China betreibt, plant Jochem Jourdan einen Flughafen in Libyen. Ohne Frankfurts Architekten, so scheint es fast, geht nichts mehr auf den Baustellen dieser Welt. Von dem Auslandsengagement ihrer Baumeister profitiert auch die Mainstadt.

Frankfurt am Main (pia) Von Frankfurt in die Welt und retour: Algier, Abuja, Schanghai, Tianjing, Peking, Tripolis - kaum eine Metropole, in der Frankfurter Architekturbüros das Stadtbild nicht wesentlich mitgestalten. Das internationale Engagement ihrer Baumeister strahlt auf die Stadt am Main aus. "Es ist eine Symbiose. Frankfurt profitiert von den Architekten und die Architekten von Frankfurt", sagt Jürgen Engel vom Büro KSP Engel und Zimmermann. Vom Architekturbüro in der Hanauer Landstraße aus koordinierte Engels Team den Bau der 2008 eröffneten chinesischen Nationalbibliothek in Peking, derzeit steht der Bau der drittgrößte Moschee der Welt mit Platz für rund 40.000 Gläubige und einem Kulturzentrum in Algier auf dem Plan. Für Projekte in fremden Regionen bietet Frankfurt den idealen Nährboden. Engel: "Durch die Internationalität hier sind wir gewohnt, über den Tellerrand zu gucken und uns auf andere Kulturen einzulassen." Diesen "Heimvorteil" spielen die Architekten vom Main in internationalen Wettbewerben erfolgreich aus. Das Finanzzentrum fungiert außerdem als Kontaktbörse. Ähnlich wie in London sind die Drähte zu Investoren schnell geknüpft. Außerdem "tragen ausländische Manager, Künstler und Besucher den Namen der Stadt und ihrer Architekten in ihre Heimatländer", berichtet der KSP-Geschäftsführer.

Standortvorteil Zentralität

Kollege Albert Speer verweist darüber hinaus auf Frankfurts Standortvorteil Zentralität. "Die Gäste kommen gerne zu uns. Aus Asien, Dubai oder Afrika können sie bequem einfliegen." Der Träger der Goethe-Plakette blieb 1964 "in Frankfurt hängen", vier Jahre später ergatterte sein Büro AS&P den ersten Auslandsauftrag in Libyen. Seitdem ist das Auslandsgeschäft kontinuierlich gewachsen und steuert inzwischen die Hälfte des Umsatzes bei. Den Weltruf eines Stadt- und Regionalplaners erwarb das Büro sich anfangs sowohl mit Projekten in Saudi-Arabien und Nigeria als auch mit solchen in der Metropolenregion Frankfurt/Rhein-Main. Die Arbeit in unterschiedlichen Ländern ist für Speer ein befruchtender Dialog. Vorschläge "von und für Frankfurt und die Region profitieren natürlich von der Erfahrung, wie in Singapur oder Abuja mit Zukunftsthemen umgegangen wird", sagt er. Wie dies künftig das Leben in Frankfurt beeinflussen kann, will er mit den "Zukunftsperspektiven 2030" aufzeigen. Dieses Konzept hat der Stadtplaner erst kürzlich Oberbürgermeisterin Petra Roth vorgestellt. Eine Vorstellung von Frankfurts Zukunft vermittelt auch schon der Rahmenplan für das derzeit entstehende Europaviertel an der Messe, für den AS&P verantwortlich zeichnet. Das dort entwickelte Konzept, Arbeit, Wohnen und Freizeit quasi unter einem Dach zu vereinen, übertrug Speer auf Projekte in China. "Das waren Dinge, die dort neu waren", erinnert er sich. Das Parkleitsystem am Main hat Speer "natürlich" ebenfalls exportiert.

Experimentierfreudigeres Ausland

Albert Speer betreibt längst eine Dependance in China, Kollege Jürgen Engel zusätzlich eine in Dubai - das Ausland, meinen beide, ermögliche mehr Bau-Experimente als der heimische Markt. Den Kollegen und ebenfalls international tätigen Frankfurter Architek-ten Jochem Jourdan reizt außerdem die Größe der Projekte. "Wo bekommt man sonst die Chance, einen kompletten Stadtteil einschließlich Schule, Schwimmbad und Geschäften zu entwerfen?" fragt Jourdan, der derzeit einen Flughafen in Libyen und eine Hafenstadt nahe Peking baut. Die Arbeit in Frankfurt bildet für ihn jedoch die Basis. "Die Metropolenarchitektur der Stadt befähigt die Architekten, international mitzuspielen." Die Skyline sei zu einem Markenzeichen geworden, das selbst für Wolkenkratzer-verwöhnte Chinesen "einen hohen Wiedererkennungswert hat".

Zwiegespräch halten

Jochem Jourdan faszinieren im Gegenzug die in China üblichen Wohnhochhäuser. Als er jüngst den Hochhausrahmenplan für Frankfurt vorentwickelte, floss dieses Modell mit ein. Statt wie bisher in den Türmen lediglich zu arbeiten, sollen die Menschen künftig auch am Main in Wolkenkratzern wohnen. Das könnte die City weiter beleben und deren Attraktivität stärken. Im Blick hat der Planer eine Klientel, die - wie in Asien üblich - als Eigentümer einzieht. "Zwiegespräch halten", nennt Jochem Jourdan den architektonischen Dialog zwischen lokalem und globalem Geben und Nehmen. Ein Beispiel ist für ihn die starke Bindung der Frankfurter an "ihre" Stadt. "Das macht sensibel dafür, dass man in der Fremde nicht einfach etwas überstülpt, sondern Rücksicht nimmt auf die Menschen und die Gegebenheiten." Von den Frankfurtern wünscht er sich mehr Bewusstein für Institutionen wie das Deutsche Architektur Museum, die Städelschule und das Museumsufer. Neben der Skyline machten sie Frankfurt zu einer der ersten Adressen der Branche.

Margarete Lausberg