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17.07.2008

Ziel ist der Schutz der Versicherungsnehmer

CEIOPS wacht von Frankfurt aus über die Branche in Europa

Dass die Europäische Zentralbank in Frankfurt ihr Zuhause hat, ist allgemein bekannt. Wesentlicher stiller ist es um eine andere europäische Behörde in der Mainstadt: Ihr Name ist CEIOPS.

Frankfurt am Main (pia) Schon beim Blick aus ihren Büros in der 14. Etage des Frankfurter Westhafentower haben die Mitarbeiter der künftigen europäischen Versicherungsaufsicht ihre Klientel direkt vor Augen: Auf dem gegenüberliegenden Mainufer steht die Filiale des größten deutschen Versicherungskonzerns. Nach welchen Regeln die Versicherungswirtschaft künftig in 27 europäischen Ländern ihre Geschäfte abwickeln können und wie sie beaufsichtigt werden - diese Kriterien werden seit 2004 in Frankfurt festgelegt.

Praktischer Nutzen für den Bürger

Die Institution, die diese Aufgabe übernommen hat, arbeitet eher im Stillen und heißt CEIOPS. Hinter dem Kürzel verbirgt sich das Committee of the European Insurance and Occupational Pensions Supervisors, der Ausschuss der europäischen Aufsichtsbehörden für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung. Trotz des sperrigen Namens hat CEIOPS für Bürger praktischen Nutzen. Zum Beispiel bei Ärger mit der Versicherung. Jüngst schrieb CEIOPS fest, wie die nationalen Aufsichtsbehörden mit Beschwerden von Verbrauchern umgehen sollen. "Sie sind zur Information über Ablauf und Zuständigkeit und zur gegenseitigen Information verpflichtet. Das ist vor allem bei grenzüberschreitenden Geschäften wichtig", erläutert die bei CEIOPS für Verbraucherschutz zuständige Cathrine Couck. Bis Ende 2008 wollen die Aufseher am Main eine Liste aller Beschwerdestellen im Internet veröffentlichen.

Einheitliche Rahmenbedingungen in 27 europäischen Staaten

"Unser Ziel ist der Schutz der Versicherungsnehmer", sagt Carlos Montalvo, der aus Spanien kommende Generalsekretär. Um dies zu gewährleisten, berät die Institution Europapolitiker, spricht mit Verbraucherschützern, Verbänden und Unternehmen und schafft Rahmenbedingungen für die Arbeit der Branche. Diese gelten dann einheitlich in 27 Staaten. Für den Bürger bedeutet dies mehr Verlässlichkeit. Dem dient auch das größte Projekt von Montalvo und seinen 13 Mitarbeitern aus sieben Ländern: "Solvenzy II" - Solvenz II - eine neue Leitlinie für den Umgang der Assekuranzen mit den ihnen anvertrauten Kundengeldern. Im Kern sollen die Unternehmen "ihr Eigenkapital so managen, dass sie nicht pleite gehen". 2010 soll die Leitlinie für Risikomanagement, Eigenkapital und Transparenz darüber stehen.

Unfallopfer dürfen nicht leer ausgehen

"Der Kunde muss sich überall darauf verlassen können, dass die Versicherung auf Dauer ihre finanziellen Verpflichtungen erfüllt", sagt der hessische Landesbeauftragte für den Versicherungsbereich, Wolfram Wrabetz. Gerade mit Blick auf die oft jahrzehntelangen Laufzeiten von Verträgen hält Wrabetz das für außerordentlich wichtig. "Ein Unfallopfer mit Anspruch auf eine lebenslange Rente darf nicht nach zwei Jahren leer ausgehen, weil die Versicherung Pleite macht", sagt er. Wrabetz pflegt als Landesbeauftragter für das Versicherungswesen im Auftrag der hessischen Landesregierung den Kontakt zu CEIOPS und knüpft ein Netzwerk für die Versicherungswirtschaft am Standort Frankfurt.

Versicherungswirtschaft in Frankfurt im Aufwind

Derzeit ist die Stadt hinter München, Köln und Hamburg die Nummer vier unter den großen Versicherungsstandorten in Deutschland. Mit etwa 30 Direktionen spielt die Versicherungswirtschaft am Main noch nicht die gleiche Rolle wie die Banken. CEIOPS soll dies ändern. Wrabetz, der auch am House of Finance der Johann Wolfgang Goethe-Universität lehrt, vertraut auf die Strahlkraft von CEIOPS. Der künftigen europäischen Versicherungsaufsicht misst der Experte für den Finanzplatz eine Bedeutung vergleichbar der Europäischen Zentralbank zu, die nur einige Straßenzüge vom Westhafen entfernt in der City residiert. "Die Versicherungswirtschaft soll die zweite Säule des Finanzplatzes Frankfurt werden", formuliert Wrabetz das Ziel. Er orientiert sich an London. An der Themse ist Lloyds eine feste Größe im Finanzsektor. Seine deutsche Niederlassung hat der britische Versicherer in Frankfurt installiert, ähnlich wie die meisten namhaften ausländischen Assekuranzen.

Drei neue Unternehmen am Main

Geht es nach den Standortbedingungen für Versicherer, kann die Mainmetropole mit London, Paris oder Zürich konkurrieren. Zu den Vorteilen zählt ein Gutachten des hessischen Landesbeauftragten für das Versicherungswesen die zentrale Lage in Europa, die Internationalität, qualifizierte Mitarbeiter, spezialisierte Dienstleistungen und die Nähe zu den Banken: "Das, was Frankfurt schon ausmacht, ist auch ein Magnet für die Versicherer." Der Magnet zog drei neue Unternehmen nach Frankfurt: Zwei amerikanische Versicherer und eine neu gegründete deutsche Assekuranz siedelten sich kürzlich an.

Margarete Lausberg