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30.04.2013

Frankfurter Premiere: die Ruder Champions League

Am 12. Mai treffen sich die besten Ruderer auf dem Main

Mehr Zuschauer, mehr Vereinsmitglieder – das haben sich die Ruderer der FRG Germania auf die Fahnen geschrieben. Beim Ruderfest vom 8. bis 12. Mai messen sie sich bei den Auftaktwettkämpfen der Ruder Champions League, die der Frankfurter Oliver Palme initiiert hat.

(pia) Graue Wolken hängen über der Skyline. Ein kühler Wind streicht über das bräunliche Wasser des Mains. Er macht das Rudern schwer. Die acht Männer in dem schmalen, gelben Boot müssen sich mächtig in die Riemen legen. Ihre ausgeprägten Oberarmmuskeln spannen sich unter der Kleidung sichtbar an, wenn sie die Ruderblätter gegen den Widerstand des Flusses synchron nach vorne ziehen, einige der groß gewachsenen Sportler blasen im Rhythmus der Bewegung ihre Backen auf. Die Mühen der Athleten der Frankfurter Rudergesellschaft Germania 1869 bleiben weitgehend unbeobachtet. In den trüben Morgenstunden dieses Samstags spazieren kaum Menschen am Ufer entlang, und auch Schiffe sind nur wenige unterwegs.

Ruderer lassen ihre Boote zu Wasser, © Stadt Frankfurt am Main
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Ruder Champions League feiert Auftakt in Frankfurt

Im Abseits der großen Öffentlichkeit ihrer Leidenschaft nachzugehen, sind die Wassersportler gewohnt. Aber das soll sich jetzt ändern: Mit der neuen Ruder Champions League. Am 12. Mai findet das Auftaktrennen auf dem Main statt. Bei den Wettkämpfen wird auf einer Kurzstrecke über 350 Meter gerudert, sodass die Zuschauer die Rennen vom Start bis zum Ziel überblicken können – so wie in der Ruderbundesliga, die 2010 gegründet wurde. Die Idee, eine Champions League zu etablieren, hatte Oliver Palme. Er ist Vorstand der FRG Germania: „Wir haben quasi das Konzept der Bundesliga auf die internationale Ebene übertragen“. Premiere hat der internationale Wettbewerb im Rahmen des vierten Frankfurter Ruderfests – es wird vom 8. bis 12. Mai mit Konzerten, Wettbewerben, einer Benefizregatta zwischen Holbeinsteg und Untermainbrücke gefeiert. Für das Champions League-Rennen sind nationale Meisterboote und die aktuellen Bundesliga-Sieger direkt qualifiziert, alle anderen können sich bei mehreren Kurzstrecken-Regatten empfehlen. Mannschaften aus Wien und Oxford haben ihre Teilnahme bereits zugesagt.

Leistung und Teamgeist sind gefragt

Bei den Sportlern des Traditionsvereins kommt die Idee gut an. Schon der nationale Vergleich in der Liga hat laut Rüdiger Lösel, dem Teamkapitän des Germania-Achters, viel bewirkt. „Die Leute kommen wieder eher in den Verein zurück“, verrät der 27-Jährige nach der morgendlichen Übungseinheit. Zuvor fehlte ein attraktives Angebot für diejenigen, die vom Kurs auf nationale oder internationale Meisterschaften abgekommen waren oder diesen nie aufgenommen hatten. Jetzt trainieren beim Bundesligadritten 13 Männer zwischen 20 und 42 Jahren gemeinsam für ein Ziel, fahren am Wochenende teilweise quer durch Deutschland, um die Übungseinheiten im Großboot nicht zu verpassen. Der Teamgeist und die damit verbundenen Werte spielen dabei eine wichtige Rolle. „Wir sind im Verein Vorbilder für andere“, sagt Lösel mit Blick auf ein paar Nachwuchsathleten, die gerade vor dem Clubhaus herumtollen. Deshalb haben sich die Achter-Ruderer auch einen eigenen Kodex gegeben, den jeder unterschreiben muss. Vom respektvollen Umgang miteinander sei darin die Rede, aber auch davon, dass jeder in der Mannschaft Verantwortung trägt und Pflichten zu erfüllen hat. So wie die, nach der Übungseinheit das Boot im Innenhof der Vereinsanlage aufzubocken und abzuwischen. „Wir sind keine egoistischen Spitzensportler“, sagt Lösel, während der Rest der Besatzung fleißig putzt. Die Mannschaftsaufstellung für die Regatten folgt deshalb nicht allein Leistungskriterien, auch soziale Kompetenz ist gefragt.

Ganz nah dran am Geschehen

Champions-League-Gründer Palme verfolgt mit dem internationalen Vergleich aber auch noch ein weiteres Ziel: Der TV-Koordinator und frühere Pressesprecher des Deutschen Ruderverbandes will seine Sportart mithilfe neuer Techniken ins rechte Bild rücken und professioneller darstellen. So werden fliegende Drohnen die Wettbewerbe auf dem Main erstmals aus der Luft filmen, und dank kabelloser Minikameras in den Booten kommen die Zuschauer am Ufer den schwitzenden Sportlern ganz nahe. Ein Regieteam im extra für die Liga angeschafften Zielturm bringt die über W-Lan empfangenen Eindrücke auf eine Großleinwand an der Strecke. Aber auch fürs Internet oder Fernsehen könnten so laut Palme Bilder von den Rennen mit vergleichsweise geringem finanziellen Aufwand produziert werden. Die Ruderer selbst würden von Drohnen und Kameras nicht viel mitbekommen, erklärt Lösel – auch wenn der Tunnel, in den die Sportler abtauchen, nur 350 Meter und etwa 45 kraftraubende Ruderschläge lang ist.

Katja Sturm

Das Frankfurter Ruderfest

Das Frankfurter Ruderfest in der MainArena zwischen Untermainbrücke und Holbeinsteg erlebt in diesem Jahr seine vierte Auflage. Eröffnet wird es am Mittwoch, 8. Mai, um 17 Uhr mit der Auffahrt der Boote, gefolgt von einem Konzert von Roy Hammer & den Pralinées (ab 20.15 Uhr). Am Donnerstag, 9. Mai, wird ab 11 Uhr die Benefizregatta gegen Krebs zu Gunsten des Projekts „Sport zum Leben“ ausgetragen, am Freitag, 10. Mai, ermitteln ab 10 Uhr die Frankfurter Schulen ihre Meister. Die Wettkämpfe der Ruder-Bundesliga finden am Samstag, 11. Mai, ab 7.45 Uhr statt, die Premiere der Champions League beginnt am Sonntag, 12. Mai, um 12 Uhr. An allen Tagen gibt es am Schaumainkai bis in die Abendstunden Musik und Catering. Weitere Informationen unter http://www.ruderfest.de