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15.01.2013

Im Herbst wird Frankfurt brasilianisch

Die Kulturvorschau für das zweite Halbjahr 2013

Dürer, Fassbinder, West und Sokol: Viele Ausstellungen locken im Spätsommer, Herbst und Winter 2013 nach Frankfurt. Aber es wird auch bunt, schnell und literarisch: Bei vielen Festen, der IAA und der Buchmesse, bei der sich Brasilien als Gastland präsentiert.

Installation von Franz West © Franz West
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(pia) Unter dem Titel „Wo ist mein Achter?“ zeigt das Museum für Moderne Kunst (MMK) vom 26. Juni bis zum 13. Oktober eine Ausstellung mit Werken von Franz West. Damit ermöglicht das Museum einen umfassenden Einblick in das Schaffen des international erfolgreichsten österreichischen Künstlers, der 2011 auf der Biennale in Venedig mit dem Ehrenlöwen für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde und der im Juli vergangenen Jahres verstarb. Die Präsentation im MMK ist noch in Zusammenarbeit mit dem Künstler entstanden. Im Mittelpunkt stehen Arbeiten Wests, in denen er mehrere, sehr unterschiedliche Stücke zu einem Kunstwerk vereinte. Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Mumok Museum moderner Kunst Stiftung Wien.

Playboy im Caricatura

Die Kunst eines weiteren Österreichers ist im Caricatura Museum zu sehen: Vom 18. Juli bis 27. Oktober zeigt das Museum die Werke von Erich Sokol exklusiv in Deutschland. Seine Zeichnungen und Satiren für den Playboy machten Furore. Am 31. März wäre der Künstler 80 Jahre alt geworden. In Kooperation mit dem Karikaturmuseum Krems präsentiert das Caricatura Museum sein Werk mit Schwerpunkt auf die „American Natives“: In den Jahren 1957 bis 1959 hielt sich Erich Sokol in den USA auf. Dabei entstand die Serie „American Natives“, die vom New Yorker Verlag Harper & Brothers herausgegeben wurde.
„Fassbinder – Jetzt!“ ist der Titel einer Ausstellung im Deutschen Filmmuseum von Oktober bis zum kommenden Frühjahr, in der ein historischer Blick auf die Arbeiten des Regisseurs Rainer Werner Fassbinder mit modernen Perspektiven zusammengeführt wird. Die Integration zeitgenössischer Videoarbeiten in die Ausstellung soll eine aktuelle Sicht auf den Filmproduzenten, Schauspieler und Autor geben. Gezeigt werden Arbeiten unter anderem von Reynold Reynolds, Ming Wong, Eija-Liisa Ahtila und Keren Cytter. Die Ausstellung ist eine Kooperation mit der Rainer Werner Fassbinder Foundation in Berlin.

Albrecht Dürer (1471–1528)<br />
Bildnis einer jungen Frau mit offenem Haar, 1497<br />
Feine Leinwand (Tüchlein)<br />
© Städel Museum, Frankfurt am Main
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Alte Meister

Freunde alter und berühmter Künstler kommen im Städel auf ihre Kosten: Werke Rembrandts, Dürers und Raffaels werden dort ausgestellt. Vom 28. August bis 24. November sind Landschaftsradierungen des niederländischen Künstlers Rembrandt ausgestellt. Rund 60 Werke werden von Selbstbildnissen des Künstlers flankiert. „Albrecht Dürer. Seine Kunst im Kontext ihrer Zeit“ heißt es vom 23. Oktober bis 2. Februar im Ausstellungshaus des Städel. 180 Werke sollen das vollständige Werk des großen Meisters darstellen. Zur Ausstellung kommen Leihgaben aus dem J. Paul Getty Museum Los Angeles oder der National Gallery in London nach Frankfurt. „Raffael und das Portrait Julius II. Das Bild eines Renaissance-Papstes“ ist Thema einer weiteren Ausstellung im Städel, die vom 8. November bis 14. Februar 2014 in der Sammlung Alte Meister zu sehen ist.

Frankfurt wie es zerstört wurde

Das Institut für Stadtgeschichte öffnet seinen Fundus und zeigt vom 2. Oktober bis 22. März Bilder und Dokumente aus der Zeit, als Frankfurt Opfer des Luftkriegs wurde. Die Ausstellung im Karmeliterkloster zeigt die Auswirkungen der Bombenangriffe auf die Bewohner der Stadt, die Zwangsarbeiter, die noch nicht deportieren Juden. Sie portraitiert zudem die Zerstörung der Altstadt, die derzeit wieder aufgebaut wird.

Brasilien ist überall

International geht es im MMK weiter: Vom 28. September bis zum 12. Januar 2014 ist dort die bislang umfassendste Retrospektive des brasilianischen Künstlers Hélio Oiticica (1937–1980) zu sehen. Die Überblicksschau kommt nach Stationen in Portugal und Brasilien nun nach Frankfurt, ist Teil des Programms der Frankfurter Buchmesse, bei der Brasilien in diesem Jahr Gastland ist. Sie wird um drei begehbare Außenskulpturen ergänzt, die vom 30. August bis zum 27. Oktober im Palmengarten zur Interaktion einladen.
Auch die Schirn Kunsthalle nimmt sich der Kunst Brasiliens an: „Street-Art Brazil“ heißt es dort vom 5. September bis 27. Oktober. In der Ausstellung präsentiert die Schirn Graffitikunst vom großen Wandgemälde bis zum kleinen, gesprühten Zeichen. Zahlreiche Künstler aus Brasilien sind eingeladen, Orte im Frankfurter Stadtraum zu gestalten. Mit „Brasiliana. Installationen von 1960 bis heute“ geht es südamerikanisch weiter in der Kunsthalle. Vom 2. Oktober bis 5. Januar gibt es dort bei einer Gruppenausstellung einen Parcours begehbarer Räume und Installationen mit Kunst, die der Besucher „direkt erfahren“ soll.
Das Museum für Angewandte Kunst (MAK) zeigt vom 21. September bis 2. Februar 2014 „Alexandre Wollner – Grafikdesign aus Brasilien“ und präsentiert die Kunst des 1928 in Sao Paulo geborenen Grafikers, der sein Handwerk unter anderem an der Hochschule für Gestaltung in Ulm lernte.

Autos, Bilder und Bücher – Messen und eine Biennale in Frankfurt

Automobilfachleute und Fans von schnellen Zweirädern und Autos treffen sich vom 12. bis 22. September auf der Internationalen Automobil Ausstellung (IAA). Im Anschluss lockt die Buchmesse vom 9. bis 13. Oktober Bücherfans aus aller Welt an den Main. Die größte Leitmesse der Welt zum Thema Buch, Literatur und gedruckten Produkten jeder Art – von Comic bis hin zur Lyrik – verspricht interessante Neuerscheinungen und Autoren hautnah. Unter dem Motto „Brazil in every word“ will das diesjährige Gastland die Vielfalt und Lebendigkeit der brasilianischen Kultur präsentieren.
Eine andere Art der Veranstaltung ist die „B3 – Biennale des bewegten Bildes“, die sich im Weltkulturen Museum vom 31. Oktober bis zum 3. November abspielt. Die Biennale will eine neuartige, dauerhafte und nachhaltige Plattform „für eine branchen- und medienübergreifende Allianz des bewegten Bildes“ sein. Dabei ist die B3 Biennale kein komplett neues Format: Unter dem Namen „eDit Filmmakers Festival“, gab es sie seit 1998 jährlich in Frankfurt. Nun wurde das Konzept weiterentwickelt.

Feste, Paraden und Sport

Auch an Festen fehlt es im zweiten Halbjahr nicht. Mit dabei ist das Opernplatzfest vom 26. Juni bis 5. Juli mit einem bunten Bühnenprogramm und vielen Leckereien. Der „Längste Tag des Jahres“ hat zwar auch nur 24 Stunden, fühlt sich für die Teilnehmer des Iron Man Triathlon aber sicher viel länger an: Am 7. Juli geht es früh morgens am Langener Waldsee los, danach mit dem Fahrrad durch Frankfurt und Umgebung, Ziel nach der Marathonstrecke ist wie immer der Römerberg. Ab Mitte Juli geht es mit den Festen Schlag auf Schlag: Vom 19. bis 21. Juli wird der Christopher Street Day gefeiert – bunt, schrill und laut wird es dann in der Innenstadt. Vom 2. bis 5. August lockt das Mainfest die Besucher zum Römerberg und ans Mainufer, bevor vom 23. bis 25. August das Museumsuferfest folgt. Der wohl bunteste und multikulturellste Frankfurter Stadtteil lädt am 15. August ein zur Bahnhofsviertelnacht. Bis in den frühen Morgen geht es hoch her, wenn viele Geschäfte und Lokale ihre Türen öffnen, es Führungen durch das Viertel gibt und dazu viele Überraschungen. Der Festplatz am Ratsweg wird vom 6. bis 16. September wieder von den Besuchern der Dippemess bevölkert. Auf die knapp über 42 Kilometer lange Marathonstrecke quer durch Frankfurt wagen sich Tausende Läufer am Sonntag, 27. Oktober. Das Festjahr endet dann mit dem Frankfurter Weihnachtsmarkt vom 27. November bis 22. Dezember.

Kim Herschmann