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09.02.2018

Nicht nur zur Fastnachtszeit: Weltkulturen Museum lüftet Geheimnis der Masken

Maske, Nepal, Darstellung eines Krodha-Gottes, Exponat im Weltkulturen Museum, © Weltkulturen Museum, Foto: Claudia Bodens
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(kus) Fastnacht, Fasching, Karneval – wie immer das närrische Volk das Ereignis nennt – worum es geht, scheint klar zu sein. In der Fünften Jahreszeit dürfen wir uns alle verkleiden und hinter dem Schutz der Maske in eine Rolle schlüpfen, zu der wir sonst nicht den Mut hätten. So kann die Schüchterne in der Verkleidung als Vamp ganz neue Seiten an sich entdecken oder der Angepasste findet hinter der Clownsmaske Spaß daran, mal so richtig auf den Putz zu hauen. Während der tollen Tage ist alles erlaubt!

Ein Blick über den europäischen Tellerrand zeigt, dass überall auf der Welt Menschen mit Masken auftreten. Doch oft ist es kein spaßiger Anlass, der sie erscheinen lässt, sondern Teil von religiösen Zeremonien oder Übergangsriten. Hier steht nicht das Verkleiden, Verstecken oder Verstellen im Vordergrund, sondern meist die „performative Religionsausübung“ wie es Amerikakustodin Mona Suhrbier beschreibt. Niemand fragt „Wer steckt wohl hinter dieser Maske?“.

Hier sollen gerade nicht Regeln gebrochen werden, sondern gesellschaftliche Vorstellungen werden durch den Auftritt des Masken-Wesens ausgelebt und verfestigt.

In Nepal beispielsweise wird mit einer Maske der Krodha-Gott dargestellt. Dieser Verteidiger des Buddhismus hat ein dämonisches Aussehen, das den Gegner abschrecken soll: Orange die Gesichtsfarbe, stieren ihn große dunkle Augen an, der weit aufgerissene Mund zeigt spitze Eckzähne, ein drittes Auge auf der Stirn und eine Krone mit fünf Totenschädeln runden das angsteinflößende Erscheinungsbild ab. Trotz seines zornigen Ausdrucks ist er aber für die Buddhisten selber nicht eigentlich böse oder eine Bedrohung.

Die Sande-Masken des Frauengeheimbundes im westafrikanischen Sierra Leone hingegen verkörpern unter anderem mit ihrem leuchtenden Schwarz, das an eingeölte dunkle Haut erinnert, das weibliche Schönheitsideal. Über der kunstvollen Frisur trägt diese Maske oft auch Symbole, die auf die Rolle der Frau verweisen oder auf die Kosmologie, die die Mädchen, die hier zur Frau initiert werden, kennen lernen.

Doch auch bei einem feierlichen Auftritt darf mal gelacht werden! So parodieren die Aña-ndechi-Masken der Guraní in Bolivien, die beim Arete-Festzyklus zum Einsatz kommen, die Europäer. Zu sehen sind diese in den 1980er Jahren gesammelten weißen Masken mit den imposanten Schnurbärten in der aktuellen Ausstellung des Weltkulturen Museums „Entre Terra e Mar. Zwischen Erde und Meer. Transatlantische Kunst“.

Auch jenseits seiner Ausstellungen und nicht nur zur Faschingszeit bietet das Weltkulturen Museum Masken-Workshops an, bei denen die Kinder böse, schöne oder auch lustige Masken aus der Vermittlungssammlung sogar ganz aus der Nähe betrachten und anfassen können, neue Welten kennenlernen und mit eigener Maske nach Hause gehen.