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06.12.2017

Antibiotikaresistente Keime: Weitere Ergebnisse zu Oberflächengewässern in Frankfurt

(kus) „Die Ergebnisse der Beprobung aller Oberflächengewässer in Frankfurt liegen nunmehr vor“, teilt der Gesundheitsdezernent der Stadt Frankfurt am Main, Stadtrat Stefan Majer, mit. „Die Untersuchung der Proben nach aufwändigen, neu entwickelten wissenschaftlichen Methoden in der Universität Bonn erforderte mehrere Wochen. Antibiotikaresistente Erreger waren auch bei der jetzigen Untersuchung in verschiedenen Gewässern nachweisbar – in solchen mit und auch ohne Einfluss einer Kläranlage. Weitere Einflussfaktoren sind somit wahrscheinlich, wie beispielsweise Eintrag durch die Landwirtschaft oder durch Wildvögel.“

„Bürgerinnen und Bürger haben wegen antibiotikaresistenter Keime viele Fragen und sind in Sorge“, sagt der Gesundheitsdezernent weiter. „Wir werden die detaillierten Befunde dieser besonderen Untersuchungsserie zusammen mit den Routinebefunden in einem ausführlichen Bericht des Gesundheitsamtes veröffentlichen. Wir wollen mit umfassenden Informationen auch dazu beitragen, diffuse Ängste abzubauen. Darüber hinaus wird Frau Prof. Heudorf gerne auch Ortsbeiräten im Rahmen ihrer Sitzungen Rede und Antwort stehen.“

Bereits Ende September 2017 hatten Mitarbeiter des Gesundheitsamtes sowie der Universität Bonn Proben an allen 19 Gewässer-Stellen entnommen, die durch das Gesundheitsamt seit 30 Jahren regelmäßig vierteljährlich beprobt werden. Untersucht wurden der Main bei Fechenheim und bei Höchst, die Nidda bei Harheim und bei Rödelheim, jeweils drei Stellen (eine vor und zwei nach den Kläranlagen) im Erlenbach, Eschbach und Urselbach sowie jeweils eine Probennahmestelle am Kalbach, Königsbach, Liederbach, Sulzbach, Westerbach und im Rebstockweiher.

„In fünf Proben wurden Erreger mit Resistenz gegen die Reserveantibiotika Carbapeneme oder Colistin festgestellt, nur einer dieser Erreger wurde in einem Gewässer nach einer Kläranlage gefunden, die anderen Proben stammten aus Gewässern ohne Kläranlagen-Einfluss. Darüber hinaus wurden in acht Wasserproben mit einer anderen Methode auch Nukleinsäuren gefunden, die ein bestimmtes, die Antibiotika Carbapeneme abbauendes Enzym, eine Carbapenemase vom Typ OXA-58 bilden können“, berichtet die stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes, Prof. Ursel Heudorf.

„Diese Carbapenemase des Typs OXA-58 ist zumeist mit Umwelt-Erregern assoziiert und wurde bisher sehr selten in Erregern bei Menschen gefunden. Die sehr empfindliche PCR-Methode kann auch geringe Reste schon abgestorbener Erreger nachweisen, sodass keine Aussage getroffen werden kann, ob, wie und wann diese in vermehrungsfähige Bakterien aufgenommen werden können“, ergänzt Prof. Dr. Martin Exner, in dessen Institut die Untersuchungen durchgeführt wurden. „Insgesamt konnten in zwei Erregern mit Carbapenem-Resistenz auch Carbapenemasen nachgewiesen werden, einmal eine OXA 51-Carbapenemase und einmal eine KPC. Der E coli-Erreger mit KPC wird derzeit mittels Ganzgenom-Sequenzierung weiter untersucht.“

Im Frühsommer waren sowohl im Eschbach als auch im Mühlgraben mehrere Erreger mit der Carbapenemase KPC2 gefunden worden. In den Ende September entnommenen Proben wurden solche antibiotikaresistenten Erreger mit KPC nur einmal im Urselbach, nicht im Eschbach nachgewiesen.

Das Gesundheitsamt rät seit Jahren vom Schwimmen in den Oberflächengewässern in Frankfurt ab und empfiehlt Händewaschen nach direktem Kontakt mit Wasser oder Schlamm. „Inwieweit wir es mit einer zunehmenden Ausbreitung antibiotikaresistenter Erreger zu tun haben, können nur Langzeituntersuchungen ergeben“, sagt der Hygieniker Prof. Exner, der im Rahmen der HyReKa-Studie bundesweit Gewässer und Abwässer untersucht. „Aus den derzeitigen Befunden ergibt sich kein Hinweis auf eine Gefährdung der Bevölkerung, wenn die Empfehlungen des Gesundheitsamtes beachtet werden“.

Weitere Informationen zu dem wissenschaftlichen Verbundprojekt „HyReKA“ sind auf dessen Website einsehbar. Das Projekt erforscht die Verbreitung antibiotikaresistenter Bakterien durch Abwasser, zum Beispiel durch Abwässer aus Krankenhäusern, kommunalen Abwässern oder auch Abwässern aus Tiermastbetrieben. Auf der Basis der Ergebnisse des HyReKA-Projekts sollen letztlich Handlungsempfehlungen insbesondere für die Politik formuliert werden.