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07.09.2017

Stadtrat Stefan Majer: ‚Großer Dank gebührt den Frankfurter Krankenhäusern‘

Gesundheitsamt zieht Bilanz nach Weltkriegsbomben-Evakuierung

(kus) Alle Patienten der beiden betroffenen Krankenhäuser sowie alle Bewohner der neun Altenheime, die am Sonntag, 3. September, zur Entschärfung der Weltkriegsbombe vorübergehend aus der Gefahrenzone rund um den Unicampus Westend herausgebracht werden mussten, sind wohlbehalten zurück.

„Ein großer Dank für diese logistische Meisterleistung gebührt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Frankfurter Krankenhäuser, Altenheime, Rettungsdienste, Hilfsorganisationen und des Gesundheitsamtes“, resümiert Gesundheitsdezernent Stefan Majer.

Mit der Räumung des Bürgerhospitals und des Marienkrankenhauses sowie der neun betroffenen Altenheime wurde bereits am Tag vor der Entschärfung begonnen. „Von großem Vorteil bei der Evakuierungsaktion war, dass das Gesundheitsamt im ständigen Kontakt mit allen Frankfurter Krankenhäusern steht und nach Feststellung der Lage die fertigen Krankenhaus-Alarmpläne aus den Schubladen geholt werden konnten“, erklärt Professor René Gottschalk, Leiter des Gesundheitsamtes Frankfurt: „Hier zeigte sich wieder einmal, wie wichtig es ist, Krankenhaus-Einsatzpläne aufzustellen und die Funktionalität der Pläne auch durch regelmäßige Übungen zu überprüfen.“

Gleich nach der Alarmierung wurde zusammen mit dem Ärztlichen Leiter Rettungsdienst und der Medizinischen Gefahrenabwehr des Gesundheitsamtes in den Krankenhäusern ermittelt, wie viele Patienten entlassen werden konnten, wie viele intensivpflichtig waren, wie viele Neugeborene in Intensiv-Inkubatoren und Inkubatoren verlegt werden mussten. Danach wurden mit Hilfe des im Frankfurter Gesundheitsamt entwickelten Online-Systems IVENA, das in Echtzeit einen Überblick über die freien Kapazitäten der Krankenhäuser bietet, die aufnehmenden Kliniken ermittelt, wobei der besondere Fokus beim Erhalt der medizinischen Qualität lag. Eine Besonderheit war, dass die Patienten vom medizinischen Personal der Kliniken in die aufnehmenden Kliniken begleitet und dort betreut wurden.

„Alle 16 Frankfurter Kliniken zeigten sich sehr solidarisch und boten unaufgefordert ihre Hilfe und Unterstützung an“, sagt Stadtrat Majer: „Die medizinische Notfall- und Regelversorgung in unserer Stadt waren zu jedem Zeitpunkt sichergestellt. Das ist eine hervorragende Leistung der Frankfurter Kliniken!“

Auch bei den betroffenen Altenpflegeheimen wurde nach der Alarmierung ermittelt, wie viele Personen liegend, sitzend oder gehfähig aus der Gefahrenzone transportiert werden mussten. Auch hier war die Bereitschaft der Krankenhäuser, in dieser besonderen Situation auch Bewohner aus Altenheimen aufzunehmen, vorbildlich. Unter anderem wurden Altenheimbewohner, die nicht in andere Pflegeeinrichtungen gebracht oder in Krankenhäuser verlegt wurden, in der Jahrhunderthalle und in einer Messehalle aufgenommen und betreut.

Hier kamen Experten der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) des Gesundheitsamtes zum Einsatz. Sieben PSNV-Führungskräfte der dortigen Abteilung Psychiatrie und der Diakonie-Notfallseelsorge waren am Sonntag vor Ort im Einsatz. Vor allem in der Jahrhunderthalle waren wieder auftauchende Ängste bei eigener Kriegserfahrung, Verlust des gewohnten Umfeldes, Ängste vor Diebstahl und Verlust der Heimat Themen, die eine intensive Betreuung durch die Fachkräfte der PSNV erforderten. Peter Waterstraat, Koordinator der Psychosozialen Notfallversorgung am Gesundheitsamt Frankfurt: „Dank unseres PSNV-Konzeptes und intensiver Netzwerkarbeit sind wir gut auf solche Situationen vorbereitet.“ 2015 wurde das Konzept „Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) der Stadt Frankfurt am Main bei Großschadenslagen“ vom Gesundheitsamt in Kooperation mit der Branddirektion vollständig überarbeitet und an modernste Erkenntnisse angepasst.

„Auch in der medizinischen Gefahrenabwehr sind wir in Frankfurt gut aufgestellt, wie dieser Großeinsatz gezeigt hat. Hier zahlt sich auch das intensive Übungsprogramm – zuletzt gestern am Katharinen-Krankenhaus – aus, mit welchem Stadt und Kliniken sich regelmäßig auf den Ernstfall vorbereiten“, so Majer und Gottschalk abschließend.