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07.09.2017

Veranstaltungen zur Psychiatriewoche und zum Welttag der Suizidprävention: Der Vergangenheit gedenken, Gegenwart und Zukunft gestalten

Logo 29. Frankfurter Psychiatriewoche, © Psychiatriewoche Frankfurt
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(kus) Von Donnerstag, 7. September, bis Freitag, 15. September, findet in Frankfurt die 29. Psychiatriewoche statt. Sie hat die Entstigmatisierung psychischer Störungen und die Verbesserung der Lebensbedingungen psychisch kranker Menschen zum Ziel. Auf Psychiatrie-Erfahrene, Angehörige, professionell und ehrenamtlich Helfende sowie auf alle Neugierigen wartet ein umfangreiches Programm. Zahlreiche Institutionen, die in Frankfurt und näherer Umgebung Angebote und Hilfen für psychisch kranke Menschen vorhalten, laden zu den unterschiedlichsten Veranstaltungen ein.

Die jährlich im September stattfindende Psychiatriewoche möchte durch Fachforen, Referate und vielfältige Informationsveranstaltungen auf die Situation der Betroffenen aufmerksam machen. Die Akzeptanz psychischer Erkrankungen, Informationen über Hilfsmöglichkeiten sowie deren Optimierung sind wichtige Anliegen des Veranstaltungsteams der Fachgruppe Psychiatrie.

Weitere Details dazu können der Homepage http://psychiatrie-frankfurt-am-main.de entnommen werden.

Zeitgleich mit der diesjährigen Psychiatriewoche wird bis Ende Mai 2018 auf dem Rathenauplatz in Frankfurt das „Denkmal der Grauen Busse“ zu sehen sein. Es erinnert an die grau gestrichenen Postbusse, mit denen während der Zeit des Nationalsozialismus Menschen mit psychischen Krankheiten oder geistigen Behinderungen in Vernichtungslager transportiert wurden. „Psychisch Erkrankte sollten immer ein gleichberechtigter Teil in der Mitte der Gesellschaft sein und auf unsere Hilfe und Mitmenschlichkeit zählen können“, betont Stadtrat Stefan Majer, Gesundheitsdezernent der Stadt Frankfurt.

Begleitend zum Denkmal werden einige Veranstaltungen im Rahmen der Psychiatriewoche stattfinden. Darunter auch der Vortrag von Prof. Dr. Heinz Wässle am Dienstag, 12. September, um 15 Uhr im Auditorium des Gesundheitsamtes. Unter dem Titel „Euthanasie und Hirnforschung: Die Ermordung von Geisteskranken in der NS-Zeit und der Missbrauch der Opfer durch die Wissenschaft“ informiert der emeritierte Direktor des Frankfurter Max-Planck-Instituts für Hirnforschung über die Ermordung von Geisteskranken, die sogenannte „Euthanasie“. Zwischen 1939 und 1945 wurden etwa 300.000 Patienten ermordet. Hirnforscher entnahmen bei mehreren Tausend dieser Opfer die Gehirne und nutzten sie skrupellos für ihre Forschung.

Das Denkmal der Grauen Busse erinnert an die Opfer der NS-„Euthanasie“, vor allem an das T4-Programm, bei dem geistig Behinderte, psychisch Kranke und sozial Missliebige getötet oder sterilisiert wurden. Eine Broschüre zum Rahmenprogramm und weitere Programmpunkte werden über die Website http://die-grauen-busse-frankfurt.de veröffentlicht.

Um ein aktuelles Thema geht es im Gesundheitsamt dann am Mittwoch, 13. September, um 14 Uhr. In der Veranstaltung „Betreuungsrecht unter der Lupe – Fiktion und Realität, Geschichte und Gegenwart“ liest der Betreuungsrichter Dietmar Cuntz aus seinem dritten MAINhattan Krimi „Ende eines Traums“. Im Anschluss steht er für Fragen zum Krimi und zum Betreuungsrecht zur Verfügung. Durch die Veranstaltung führt Diplom-Sozialpädagoge Jascha Habeck vom Hessischen Rundfunk.

Dietmar Cuntz ist seit 25 Jahren als Richter am Amtsgericht Frankfurt tätig. Als Krimiautor verbindet er in seinen MAINhattan-Krimis seine Leidenschaft für Bücher mit seinen beruflichen Erfahrungen und seinem Leben in Frankfurt am Main. In seinem im Jahr 2016 veröffentlichten Buch „Von der Vormundschaft zur gesetzlichen Betreuung“ verschafft er einen historischen Überblick über die Rechtsprechung zu Zeiten der Römischen Republik, des Nationalsozialismus und über das aktuelle Betreuungsrecht.

Anlässlich des Welttags der Suizidprävention am Sonntag, 10. September, bietet das Frankfurter Netzwerk für Suizidprävention (FRANS) gemeinsam mit dem Gesundheitsamt und der Selbsthilfe-Kontaktstelle verschiedene Veranstaltungen an, um das Tabuthema Suizid ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. Die Veranstaltungen der Kampagne „10.000 Gründe – Suizid verhindern“ sind in die Psychiatriewoche integriert.

Am Samstag, 9. September, stehen FRANS-Mitglieder der Öffentlichkeit mit vielfältigen Informationen zum Frankfurter Netzwerk für Suizidprävention, zu Selbsthilfegruppen und Hilfsangeboten in Frankfurt an einem bunten Infostand zwischen 11 und 15 Uhr in der Nähe der Konstablerwache zur Verfügung.

Am Sonntag, 10. September, dem Welttag der Suizidprävention, wird um 11 Uhr am nördlichen Mainufer (zwischen Ignatz-Bubis- und Flößerbrücke) vor allem der 89 Menschen gedacht, die sich im vergangenen Jahr in Frankfurt das Leben nahmen. Die Gedenkzeremonie mit Musik, Texten und Blumen, an der auch Stadtrat Stefan Majer teilnimmt, richtet sich aber auch ganz allgemein an Hinterbliebene von Suizidtoten, die gemeinsam mit anderen Betroffenen ihrer Angehörigen gedenken möchten.

Am Montag, 11. September, um 19.30 Uhr begrüßt Stadtrat Stefan Majer alle Interessierten in der Stadtbücherei zur Lesung des Niederländers Viktor Staudt. Der Autor des Bestsellers „Die Geschichte meines Selbstmords und wie ich das Leben wiederfand“ berichtet offen, ehrlich und ohne Beschönigung über seine langjährigen Angstattacken und Depressionen, wie er im Alter von dreißig Jahren keinen Ausweg mehr sah, vor einen Zug sprang und überlebte – dabei aber beide Beine verlor. Er schildert sehr persönlich seinen langen Weg zurück ins Leben und warum er heute froh ist, überlebt zu haben.

Um die Öffentlichkeit auf die weitgehend verdrängte Problematik der Suizidalität aufmerksam zu machen, wird alljährlich der Welttag der Suizidprävention veranstaltet. Der Welttag der Suizidprävention wurde von der International Association for Suicide Prevention (IASP) und der Weltgesundheitsorganisation WHO das erste Mal für den 10. September 2003 ausgerufen. Weitere Informationen gibt es unter https://suizidpraevention.wordpress.com .

Mit der Kampagne „Zehntausend Gründe - Suizid verhindern“ macht das Frankfurter Netzwerk für Suizidprävention (FRANS) jährlich zum Welttag der Suizidprävention auf das Thema aufmerksam. FRANS wurde 2014 auf Initiative des Gesundheitsamtes gegründet und ist ein Zusammenschluss von mehr als 70 Frankfurter und überregionalen Institutionen und Organisationen, in deren beruflichen Alltag suizidales Verhalten und das Thema Suizidprävention eine Rolle spielen. Weitere Informationen zum Netzwerk und dessen Aktivitäten und Hilfsangeboten in Frankfurt stehen auf der Homepage unter http://www.frans-hilft.de zur Verfügung.