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08.12.2016

Multiresistente Erreger: Netzwerk warnt vor Antibiotika bei Erkältungen

Logo MRE-Netzwerk Rhein-Main © Amt für Gesundheit
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(kus) Die zunehmenden Antibiotikaresistenzen bei Bakterien sind ein ernstes Problem für die Gesundheit und das Gesundheitssystem. Nimmt die Resistenzentwicklung weiter zu, gibt es für die Behandlung bestimmter Infektionen bei Menschen bald keine Medikamente mehr.

Fachwelt und Politik haben reagiert: Bundesregierung und Bundesgesundheitsministerium haben die Deutsche Antibiotika-Resistenz-Strategie DART aktualisiert, die Weltgesundheitsorganisation WHO hat einen „Globalen Aktionsplan zur Bekämpfung der Antibiotikaresistenzen“ vorgelegt. Dabei ist Konsens: das Problem der Multiresistente(n) Erreger (MRE) wird nur durch die gemeinsame Betrachtung und die Reduzierung des Antibiotikaverbrauchs in der Human- und der Veterinärmedizin beherrschbar sein.

In Hessen haben die Landesärztekammer Hessen und das MRE-Netz Rhein-Main die niedergelassenen Ärzte zur Antibiotikaverschreibung in ihrer Praxis befragt. Der 2016 in Hessen durchgeführten Befragung war im Jahr 2008 eine bundesweite Befragung (EVA-Studie) vorausgegangen. „Über 800 von 6.333 angeschriebenen Ärzte in Hessen sind unserem Aufruf gefolgt und haben uns einen Einblick in ihr Verschreibungs-Verhalten, aber auch ihre Verbesserungswünsche gegeben“, berichtet der Präsident der Landesärztekammer Hessen, Dr. med. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach.

Gemeinsam mit Prof. Dr. med. Ursel Heudorf, Medizinerin beim Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt und Leiterin des MRE-Netz Rhein-Main, legt er nun die Ergebnisse vor: „Drei Viertel der antwortenden Ärzte in Hessen haben bereits Erfahrungen mit Therapieversagen bei Antibiotika resistenten Erregern gemacht. Vor diesem Hintergrund setzen sie Antibiotika zurückhaltender ein als noch vor acht Jahren.“ Der zurückhaltende, leitliniengerechte Einsatz von Antibiotika ist nicht nur das Ziel der EVA-Studie Hessen 2016, sondern auch eines weiteren Projekts des MRE-Netz Rhein-Main, der Aktion „Weniger ist mehr – Antibiotika verantwortungsvoll einsetzen“.

Gesundheitsdezernent Stefan Majer sagt zu den Aktivitäten des im Gesundheitsamt der Stadt angesiedelten Netzwerks: „Ich freue mich über die Aktivitäten dieses starken Netzwerks und unterstütze diese ausdrücklich. Gerade in der jetzigen Erkältungszeit mit den vielen virusbedingten Erkältungskrankheiten besteht die Gefahr, dass Antibiotika eingenommen werden, obwohl sie gegen Viren gar nichts ausrichten können. Mit jeder Antibiotikabehandlung sind aber unerwünschte Nebenwirkungen wie die Beeinträchtigung der gesunden und normalen Darmflora mit Magen-Darm-Symptomen und das Risiko weiterer Resistenzentwicklung verbunden. Deswegen werbe ich für Impfungen und für Verzicht auf Antibiotika bei durch Viren verursachten Atemwegsinfekten. Hier sind alte Hausmittel das Richtige: Ruhe und Tee trinken statt Rezept und Pillen. Geben Sie Ihren natürlichen Abwehrkräften eine Chance, verzichten Sie bei diesen Infekten auf Antibiotika“.

„Achtzig Prozent der Infekte der oberen Luftwege sind viral bedingt, da sind Antibiotika nicht von Nutzen“, betont auch Prof. Ursel Heudorf. „Aber viele Ärzte haben den Eindruck, dass ihre Patienten unbedingt ein Antibiotikum-Rezept wünschen, wenn sie wegen eines Atemwegsinfekts in die Praxis kommen. Mit den Aktivitäten unseres Netzwerks, den Flyern und Plakaten ‚Weniger ist mehr‘ wollen wir die Bevölkerung informieren, wie sie am besten bei Infekten der oberen Luftwege wieder gesund werden – ohne Antibiotika.“