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Drei Fragen an...

...PETER PEIKER, Jurist, seit 29 Jahren zuständig für die Aufsicht der Frankfurter Stiftungen, dienstältester Aufsichtsbeamter in Deutschland, Verfasser des Kommentars zum hessischen Stiftungsgesetz, von 1. Mai 2011 an im Ruhestand.


Warum müssen Stiftungen beaufsichtigt werden?

PEIKER: „Na, was würden denn Ihre Kinder machen, wenn Sie nicht aufpassen? Es gibt natürlich schwarze Schafe. Kritisch wird es dann, wenn von Stifterwillen, Satzung oder Gesetz erheblich abgewichen wird. Das kann dann bis zur Abberufung der Vorstände führen. Viel Arbeit machen mir in dieser Hinsicht aber allenfalls fünf Stiftungen. Fünf von 500 in Frankfurt. Etwa 80 Prozent unserer Tätigkeit besteht aus Beratungen, vor allem während der Stiftungsgründung.“


Wie wird man überhaupt Stifter?

PEIKER: „Sie müssen Geld haben, viel Geld. Ausnahme ist, wenn Sie eine gute Idee haben. Gute Ideen sind aber selten. Es gibt in Frankfurt gerade mal zwei, die ohne erhebliches Kapital gestartet sind: Die Stiftung Mayday, die sich nach kritischen Situationen im Flugverkehr und vor allem nach Flugzeugunglücken um traumatisierte Piloten und Flugpersonal kümmert, und die Frankfurter Bürgerstiftung, die sich der Geschichte bedeutender Frankfurter Bürger, Familien und Institutionen annimmt . Außerdem aber muss eine Stiftung noch sinnvoll sein. Juristisch nennt man das ,gemeinwohlkonform’.“


Warum entscheiden sich manche Menschen, Stifter zu werden?

PEIKER: Erst einmal um auf Dauer Gutes zu bewirken Der Anreiz besteht oft darin , den eigenen Namen und damit sich selbst zu verewigen. Oder sagen wir: die eigenen Gedanken. Oft sind Vermögen von Freiberuflern, also Ärzten, Anwälten oder Künstlern in Stiftungen umgewandelt worden. Ohne sie wären viele Dinge möglicherweise nie angeschoben worden. Unter Frankfurts Krankenhäusern zum Beispiel ist nur das in Höchst nicht aus einer Stiftung oder gemeinnützigen Organisation hervorgegangen.
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"Ich hinterlasse ein wohl bestelltes Feld, hoffe aber dennoch, dass ich vermisst werde."

Mit Peter Peiker (64) geht ein langjähriger Mitarbeiter der Stadt in den Ruhestand. Der gebürtige Bad Homburger hatte seinen Dienst im März 1979 beim Rechtsamt angetreten. Dort war er tätig für das Versicherungsamt, das Amt für Wohnungswesen, dem Vorsitz in zwei Widerspruchsausschüssen, das Referat Beteiligungen, dass Verkehrsamt, die Marktbetriebe, die Hafenbetriebe, das Amt für Wirtschaftsförderung und das städtische Weingut. Seit 1983 ist er nur für einen großen Teil der bisherigen Aufgaben und für die Stiftungsabteilung im Rechtsamt verantwortlich.

Herr Peiker erkrankte als 20 jähriger Student an Multipler Sklerose (MS). Die schwere Krankheit begleitete ihn sein ganzes Berufsleben. Aufgeben kam aber nie in Frage. „Man kann auch mit MS einen Job ausüben.“ Peiker sitzt im Rollstuhl, kann weder Arme noch Beine bewegen und wählt Telefonnummern, diktiert Briefe und Gutachten und spricht seine E-Mails über Mikrofon in ein elektronisches Sprachsystem direkt in den Computer.

Peiker engagierte sich zeitlebens auch außerhalb des Berufes: Er war studentischer Senator der Heidelberger Universität, Mitglied der Stadtverordnetenversammlung seiner Heimatstadt Bad Homburg, ist seit über 30 Jahren tätig als Mitglied im Pfarrgemeinderat der Nikolausgemeinde in Frankfurt, er gehört dem Kreisvorstand der Europa-Union Hochtaunus an und bis vor vier Jahren stellvertretender Landesvorsitzender der von ihm mitgegründeten Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG), publiziert wissenschaftlich und hat noch eine Reihe weiterer Ehrenämter inne. Er ist Inhaber des Ehrenbriefes des Landes Hessen und der Medaille der Johann Wolfgang Goethe-Universität.

Zurücklehnen im Ruhestand kommt für Peiker nicht in Frage. „Langweilig wird mir nicht. Ich werde wissenschaftlich tätig sein, mich um meine Ehrenämter kümmern und ich bleibe am Ball!“, erklärt er.