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Vorgeschichte und frühes Mittelalter

Erste Spuren von Zivilisation

Das älteste menschliche Werkzeug aus Frankfurt ist ein ca. 200.000 Jahre alter Faustkeil aus Bergen-Enkheim, der die Anwesenheit von frühen Neanderthalern im heutigen Stadtgebiet von Frankfurt bezeugt. Aus den nachfolgenden Epochen der Jungsteinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit gibt es reiche Spuren menschlicher Besiedlung. Der "Domhügel" im Zentrum Frankfurts, zwischen Römer und Dom gelegen, wurde seit ca. 6.000 vor Christus von Menschen der verschiedensten Kulturen aufgesucht. Erst in der jüngeren Eisenzeit (ca. 450 v.Chr. - um Chr. Geburt) siedeln hier dauerhaft Kelten; sie wohnen in kleinen Holzbauten und leben von Ackerbau und Viehzucht. Seit Christi Geburt lassen sich germanische Chatten im Untermaingebiet nieder. Ihr Name lebt im heutigen "Hessen" fort. Bis ins 10. Jahrhundert nach Christus ist der Domhügel eine kleine, vor Hochwasser geschützte Erhebung an einer wichtigen Mainfurt.

Römer besetzen den Domhügel

Gegen 70 nach Christus wird das Rhein-Main-Gebiet fester Bestandteil des Römischen Reichs. Im Norden wird es durch den Limes, die römische Grenzanlage, umschlossen. Auf dem Domhügel errichten die Römer eine Militärstation, die gegen 110 nach Christus von einer zivilen Straßenstation abgelöst wird. Von diesen Einrichtungen zeugen Fundamentreste römischer Badeanlagen im Archäologischen Garten vor dem Dom. Das Umland einschließlich der Wetterau wird durch Straßen, Agrarbetribe (villae) und Fabriken erschlossen. Ihr Verwaltungszentrum wird NIDA im heutigen Heddernheim, eine große steinerne Stadt, mit allen Annehmlichkeiten und urbanen Errungenschaften mediterraner Zivilisation.

Alamannen und Franken auf dem Domhügel

Mitte des 3. Jahrhunderts nach Christus muss Rom das Gebiet östlich des Rheins unter dem Druck zuströmender Germanen aufgeben. Von der Wetterau bis nach Basel wird das rechtsrheinische Gebiet alamannisch. Germanische Söldner kontrollieren das östliche Vorfeld von MOGONTIACVM (Mainz), der Hauptstadt der Provinz Germania I.
Gegen 500 nach Christus gewinnen die Franken aus dem heutigen Nordfrankreich und vom Niederrhein die Oberherrschaft über die Alamannen und nehmen das Untermaingebiet als Brückenkopf für weitere Expansionen in Besitz. Der Hügel an der Furt wird jetzt "Franconofurd" (Furt der Franken) genannt. Hier wird ein fränkischer Königshof errichtet, der den umliegenden Königsbesitz (Fiscus Frankfurt) verwaltet und die wichtige Mainfurt und den Flussweg kontrolliert. Seine Verwalter gehören dem fränkischen Adel an, wie das überreiche Grab eines kleinen Mädchens von ca. 680-700 nach Christus zeigt, das 1992 unter dem Dom gefunden wurde. Auch Spuren einer merowingischen Kirche wurden auf dem Domhügel von Archäologen freigelegt. Im gesamten Frankfurter Stadtgebiet werden fränkische Gehöfte und kleine Siedlungen gegründet, von denen die heutigen Ortsnamen der Stadtteile, aber auch reiche archäologische Grabfunde Zeugnis ablegen.

Die Kaiserpfalz Frankfurt

In einer Schenkungsurkunde Karls des Großen aus dem Jahre 794 findet sich die erste namentliche Erwähnung von "Franconofurd". Im selben Jahr lädt der Frankenherrscher die geistlichen und politischen Großen des Reiches zu einer bedeutenden Synode und Reichsversammlung nach Frankfurt ein. Von profanen Bauten ist aus dieser Zeit nichts erhalten geblieben.
Karls Sohn Kaiser Ludwig der Fromme errichtet auf dem Domhügel eine Pfalz: repräsentative Steinbauten für eine Königshalle (aula regia) sowie Wohn- und Wirtschaftsbauten, die 822 fertiggestellt sind. Dessen Sohn Ludwig der Deutsche gründet einen Kirchenneubau östlich der Königshalle: eine dem Erlöser (Salvator) geweite Basilika, die 852 vom Mainzer Erzbischof Rabanus Maurus eingeweiht wird. In den folgenden Jahrzehnten steigt Frankfurt zu einem Zentralort im fränkischen Ostreich auf.
Im Archäologischen Garten können die Fundamente der karolingischen Kaiserpfalz besichtigt werden. Die Geschichte und die reichen archäologischen Funde Frankfurts werden im Archäologischen Museum in der Karmeliterkirche gezeigt.

Frankfurt wird Schauplatz von Reichspolitik und Königswahl

855 erlebt Frankfurt seine erste Königswahl. Lothar II. wird auf fränkischem Boden zum deutschen Herrscher bestimmt. Von diesem Zeitpunkt an bleibt Frankfurt jahrhundertlang Schauplatz für Reichspolitik und Königswahl. Zwischen den Jahren 855 und 1792 werden hier 36 Könige gewählt, zehn davon zum deutschen Kaiser gekrönt. Vor allem in der Stauferzeit, im 12. Jahrhundert, steigt Frankfurt zum ständigen Wahlort für deutsche Könige auf. 1356 wird dies durch die "Goldene Bulle" Karls IV., dem Reichsgrundgesetz, schriftlich fixiert. Die Stadt wird offiziell zum Ort der Königswahlen erklärt. Die Bartholomäuskirche gilt von nun an als feierliche Zeremonienstätte. Hier wird dann auch die erste Krönung eines Kaisers, Maximilian II. 1562 abgehalten. Der letzte Kaiser, der sich im Frankfurter "Kaiserdom" die Krone aufs Haupt setzen lässt, ist Franz II. im Jahre 1792.
Auch wenn die Stadt in dieser fast tausendjährigen Epoche zum beliebten Aufenthaltsort für weltliche Würdenträger wird, so liegen doch die Regierungssitze der Oberhäupter stets außerhalb des Rhein-Main-Gebietes.