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Kinder mit Lese- und Rechtschreibstörungen

Die Ergebnisse der internationalen PISA-Studie zur Lesekompetenz haben das öffentliche Interesse für die schulische Bildung neu entfacht. Fast jeder vierte 15jährige Schüler in Deutschland beherrscht der Studie zufolge die deutsche (Schrift-) Sprache nur unzureichend.

Unabhängig vom Bildungssystem des jeweiligen Landes gibt es aber auch eine Untergruppe von Schülerinnen und Schülern, die selbst unter angemessenen schulischen Bedingungen größte Schwierigkeiten haben, Lesen und Schreiben zu erlernen. Dabei handelt sich um Kinder mit einer so genannten Lese-Rechtschreib-Schwäche bzw. –Störung (LRS), auch als Legasthenie bekannt.

Untersuchungen zufolge haben etwa 4 bis 8% der Grundschulkinder eine LRS. Das sind statistisch etwa 1 bis 2 Kinder pro Klasse. Beim Schreiben verdrehen sie Buchstaben oder Wortteile, lassen diese aus oder ersetzen sie durch falsche Buchstaben. Beim Lesen eines Textes verlieren sie oft die Zeile und brauchen insgesamt viel länger zum Lesen als ihre Klassenkameraden. Ihnen unterlaufen außerdem viel mehr Lesefehler, die oft sinnentstellend sind und dazu führen, dass das Gelesene nicht richtig oder nur bruchstückhaft verstanden wird. In anderen Schulfächern, wie Mathematik oder Sachkunde, werden meist durchschnittliche bis gute Leistungen erbracht. Eine Intelligenzminderung liegt nicht vor.

Oftmals fallen Kinder mit einer solchen Teilleistungsstörung nicht von Beginn an in der Schule auf. Gerade wenn ein Kind gut auswendig lernen kann, werden diese Probleme von Lehrern und Eltern in den ersten Schuljahren oft übersehen. Erst wenn ungeübte Diktate geschrieben beziehungsweise unbekannte Texte gelesen werden - was meist ab der dritten Klasse der Fall ist - zeigt sich das wahre Ausmaß der Leistungsrückstände. Schüler mit festgestellter LRS können durch die Schule einen so genannten Nachteilsausgleich erhalten, meist durch Ausweitung der Arbeitszeit bei Klassenarbeiten oder differenzierte Aufgabenstellungen. Ferner kann unter bestimmten Voraussetzungen vorübergehend auf eine Bewertung der Lese- oder Rechtschreibleistungen verzichtet werden (Notenschutz).

Schwierigkeiten bereitet insbesondere die Frühdiagnose, also das Erkennen von gefährdeten Kindern möglichst schon im Vorschulalter. Diese Frühdiagnose ist zur Zeit nur durch relativ aufwändige Testverfahren möglich und wird deshalb kaum flächendeckend durchgeführt. Dabei ist nachgewiesen, dass solche Kinder durch eine frühzeitige, spielerisch orientierte Kleingruppen-Förderung vor Schuleintritt wirksam beim Start in die Schule unterstützt werden können. Jedoch gilt die LRS - selbst bei Früherkennung - als Teilleistungsschwäche, die über die gesamte Schulzeit hinweg einer ergänzenden Förderung bedarf. Ohne eine solche Förderung ist kaum damit zu rechnen, dass sich die Störung mit zunehmendem Alter von selbst „auswächst“, wie es oft behauptet wird. Im Gegenteil: Wegen der chronischen schulischen und persönlichen Misserfolge und den daraus resultierenden Konflikten mit Lehrern oder Eltern besteht eine erhöhte Gefahr, dass betroffene Kinder sekundär Verhaltensauffälligkeiten oder emotionale Störungen entwickeln.

Jungen sind von dieser Störung häufiger betroffen als Mädchen. LRS tritt oft familiär gehäuft auf, insbesondere bei biologischen Verwandten ersten Grades. Ein Zusammenhang zur Bevölkerungsschicht oder zu besonderen familiären Bedingungen besteht nicht.

Die Folgen einer nicht bzw. zu spät erkannten LRS sind für den weiteren Lebensweg der Betroffenen oft erheblich. Nur etwa 12% besuchen ein Gymnasium, etwa 15% die Realschule. Die weitaus meisten Schüler, nämlich rund 70%, besuchen – trotz einer Begabung, die zum Besuch einer weiterführenden Schule durchaus befähigen würde – die Hauptschule. Neueren Untersuchungen zufolge verlassen etwa 50% der Kinder mit einer LRS die Schule vorzeitig. Etwa ein Viertel der Betroffenen erreicht keinen Berufsabschluss.

Weitgehend unbekannt sind die Probleme der LRS im Erwachsenenalter, und das, obwohl schätzungsweise 3 Millionen Menschen hierzulande davon betroffen sind. Etwa 4 bis 6% der deutschen Erwachsenen erreichen nicht das Rechtschreibniveau von Viertklässlern. Geeignete Konzepte, um auch sie bedarfsgerecht zu unterstützen, sind leider bisher kaum vorhanden.

Informationen, Beratung, und Hilfe:
Für Kinder mit Lese- Rechtschreibproblemen sind erste Ansprechpartner bei Verdacht auf
Lese-Rechtschreib-Störung in allen Fällen die Grundschullehrer- und
lehrerinnen. Bei Bedarf können die Lehrkräfte den Schulpsychologischen Dienst des Staatlichen Schulamtes hinzuziehen.

Außerschulisch gibt es zur Diagnostik und Beratung folgende Ansprechpartner:

  • Erziehungsberatungsstellen
  • Niedergelassene Fachärzte für Kinder-
    und Jugendpsychiatrie sowie ärztliche und
    psychologische Psychotherapeuten
  • Sozialpädiatrische Zentren
  • sowie das Stadtgesundheitsamt Frankfurt

Möglichkeiten der Frühdiagnostik (vor Schuleintritt) sind bei den einzelnen Stellen zu erfragen.