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20.03.2018

Stefan Majer präsentiert bundesweit einmaliges Drogen-Monitoring in Frankfurter Konsumräumen

Die Stadt Frankfurt hat ein systematisches Drogen-Monitoring in den drei Konsumräumen in Frankfurt gestartet.
In einem bundesweit einmaligen Projekt werden Rückstände aus Drogenverpackungen und Spritzenfiltern regelmäßig von Wissenschaftlern der Uni Freiburg auf Reinheitsgehalt, Beimischungen und sonstige Auffälligkeiten hin analysiert. Unter großer Medienaufmerksamkeit stellte Stefan Majer, Dezernent für Gesundheit und Personal, am Montag, 19. März, gemeinsam mit Professor Volker Auwärter, Forensischer Toxikologe am Institut für Rechtsmedizin der Uni Freiburg, und Regina Ernst, Leiterin des Drogenreferates, das bundesweit einmalige Monitoring und die Ergebnisse aus den bislang mehr als 400 Analysen vor.
Mit diesen Informationen zu Reinheitsgehalt, Beimischungen und Streckmitteln sowie sonstigen Auffälligkeiten der Drogen, die im Umlauf sind, verfügt Frankfurt als erste deutsche Großstadt über eine neue Möglichkeit zur Schadenreduzierung und über ein Frühwarnsystem für Drogenabhängige, sagt Gesundheitsdezernent Stefan Majer. „Der Handel und Konsum von illegalen Drogen stellt nach wie vor ein großes Dunkelfeld dar. Niemand kann sagen, was genau er oder sie gerade konsumiert.“ Entsprechend groß sei das Risiko für alle Beteiligten – auch für die Mitarbeitenden in den Konsumräumen, die immer mit Notfällen rechnen müssten. Sollten gefährliche Beimischungen auftauchen, werden Stadt und Drogenhilfeeinrichtungen mit öffentlichen Informationen auf das Risiko hinweisen. Nicht zuletzt erwartet Majer von den Analysen, die perspektivisch auch mit Sicherstellungen der Polizei abgeglichen werden sollen, genauere Aufschlüsse über den Frankfurter Drogenmarkt und Spezifika der Drogenszene.
Hintergrund des Monitorings ist unter anderem auch die Welle an neuen, synthetisch hergestellten psychoaktiven Substanzen (NPS). Seit 2008 überschwemmten mehr als 600 Substanzen den Markt, erinnerte die Leiterin des Drogenreferates Regina Ernst. Allein 2016 wurden bundesweit 98 Rauschgifttote mit der Todesursache „Vergiftung in Verbindung mit neuen psychoaktiven Stoffen“ erfasst.
„Eigentlich könnte man sich davor ganz einfach mit Drug Checking schützen“, sagt Stadtrat Stefan Majer. Danach könnte jeder Konsumierende seine Droge analysieren lassen und das Ergebnis persönlich erhalten. In Deutschland fehlt dafür bislang die Rechtsgrundlage, sagt Majer. „Deshalb haben wir den Weg des allgemeinen Monitorings in Konsumräumen eingeschlagen, bei dem nur Verpackungsrückstände untersucht werden, und es keine persönlichen Rückmeldungen gibt.“
Fürs Erste kann Professor Volker Auwärter Entwarnung geben: NPS fanden sich bislang nicht in den analysierten Heroin- und Crack-Proben, ebenso wenig wie Strychnin und sonstige Gifte wie von Konsumenten häufig befürchtet. Ansonsten allerdings ist von Schmerz- bis hin zu Entwurmungsmitteln Vieles zu finden.
Auffallend war, dass mit durchschnittlich 9 Prozent der Reinheitsgehalt bei Heroin deutlich geringer ist als erwartet, während bei Kokain vom Frankfurter Straßenhandel mit durchschnittlich 70 Prozent der Reinheitsgehalt über dem europäischen Durchschnitt liegt.
Aufhorchen ließ, dass an zwei Verpackungen Anhaftungen des synthetischen Opioids Fentanyl gefunden wurden, wie Regina Ernst betont: „Fentanyl spielte 2017 bei mindestens drei Frankfurter Drogentoten eine Rolle. Fentanyl sei so unberechenbar und damit gefährlich, da es 120 mal stärker sei als Heroin und sich deshalb nur schwer dosieren lasse.
Die Stadt Frankfurt nehme mit diesem Projekt wieder einmal eine Pionierrolle ein, lobt Professor Auwärter. „Das Projekt ist aus meiner Sicht sehr wichtig, der Schwarzmarkt ist unberechenbar. Wenn gefährliche Substanzen auftauchen, kann die Stadt schnell reagieren.“