Logo FRANKFURT.de

Hohe innere Pestizidbelastung durch Organophosphate in Lebensmitteln ?– ein Fallbeispiel

Organophosphate zählen heute zu den am meisten eingesetzten Pestiziden in der Landwirtschaft, im Gartenbau und im Haus. Bei guter landwirtschaftlicher Praxis kommt es eher selten zu Überschreitungen der Höchstmengen für Organophosphate auf Lebensmitteln.

Im Rahmen einer größeren umweltepidemiologischen Untersuchung in Frankfurt 1998 haben wir festgestellt, dass in Einzelfällen bei sehr hohem Obstkonsum selbst bei Einhaltung der zugelassenen Höchstmengen u.U. große Mengen an Wirkstoffen aufgenommen werden: Bei der Untersuchung einer Familie ohne Hinweis auf Innenraum- oder berufliche Belastung wurden im Urin von Vater und Kind unauffällige Gehalte an Organophosphat-Stoffwechselprodukten gefunden, bei der Mutter jedoch erhöhte Werte, die bei einer Kontrolle bestätigt wurden (Tabelle). Zu dieser Zeit ernährte sie sich sehr obstreich, wobei sie das Obst in einem Supermarkt kaufte. Vater und Kind aßen „normale Mischkost“. Die Mutter stellte ihre Ernährung um und bezog Obst und Gemüse nahezu ausschließlich nur noch aus einem Naturkostladen oder vom Biobauernhof. Bei der Kontrolle danach lagen ihre Metabolitenkonzentrationen ebenfalls im unteren Normbereich.

Angesichts fehlender Hinweise auf andere Organophosphatquellen kann angenommen werden, daß der außergewöhnlich hohe Konsum an Obst aus „konventionellem Anbau“ eine Erklärung für die hohe innere Belastung der Mutter sein kann. Möglicherweise können Maximalwerte und „Ausreißer“ in der Organophosphatbelastung der Allgemeinbevölkerung auf vergleichbare Weise erklärt werden, sofern anderen Ursachen, wie z.B. berufliche Belastung ausgeschlossen sind. Dies sollte durch weitere Untersuchungen überprüft werden.

Weitere Informationen zum Thema "Human-Biomonitoring" können Sie beim Umweltbundesamt erhalten, indem Sie dort nach "HBM-Kommission" suchen.

Konzentrationen an Stoffwechselprodukten von Organophosophaten in Urinproben der Mutter [µg/g Kreatinin]

Tabelle
GruppeDMPDMTPDMDTPDEPDETPDEDTP
Referenzwerte10212513126<1
erster Urin, Mai 19981292586710<1
zweiter Urin, Nov. 199824839062432<1
dritter Urin, Juli 1999123<1<1<1<1