Logo FRANKFURT.de

05.07.2012

Verschüttetes Main-Entrée zum staufischen Frankfurt entdeckt

Freigelegte Kaimauer-Überreste.
Dieses Bild vergrößern.

(pia) Kulturdezernent Felix Semmelroth und der Bürgermeister und Planungsdezernent Olaf Cunitz haben am Donnerstag der Öffentlichkeit eine mittelalterliche Uferbefestigung vorgestellt. Sehr wahrscheinlich handelt es sich dabei um das verschüttete Entrée zum staufischen Frankfurt des 13. Jahrhunderts, über das auch die Erzbischöfe zur Königswahl über den Main anreisten.

Die Überreste des alten, circa 2,30 Meter breiten Mainkais waren vor wenigen Tagen im Zuge des Aushubs für die Baugrube des Neubaus des Historischen Museums ans Licht befördert worden. Sie liegen unmittelbar vor der Südmauer des Saalhofs, dem alten Königshof, dessen Fundamente ebenfalls bis in die Stauferzeit zurückreichen. Saalhofmauer, Pflaster und Ufermauer bildeten eine Einheit, wie heute noch zu erkennen ist.

Das zwei Meter breite Pflaster wird durch Balken aus Eichenholz begrenzt. Diese liegen ihrerseits auf einem Mauerzug auf. Die Balken dienten – ähnlich wie heute Autoreifen – der Absicherung der Schiffe vor einer Kollision mit der Kaimauer. Sie mussten in regelmäßigen Abständen ausgetauscht werden. „Wir gehen nun davon aus, dass es an dieser Stelle früher auch noch ein kleines befestigtes Hafenbecken gegeben haben muss, das später zugeschüttet wurde, um die Stadt erweitern zu können“, sagte Semmelroth. Ende des 14. Jahrhunderts wurde weiter unterhalb vom Saalhof eine neue Stadtmauer gebaut.

Experten vom Denkmalamt zufolge erklärt nur die Lage direkt an der Südmauer des Königshofes die aufwendige Bauweise des alten Mainkais. Grundsätzlich hätte auch ein in den Mainschlick gerammter Holzpfahl oder eine einfache Spundwand am Ufer den Zweck einer Anlegestelle erfüllt. Dies aber sei ein hochwertiger Zugang zu Stadt und Burg, an der Schiffe direkt festmachen konnten. Andrea Hampel, Leiterin des Denkmalamts, spricht von „einer repräsentativen Konstruktion, die ohne Frage dem Saalhof als Königshof geschuldet ist“. In der Stauferzeit war der Königshof vom Domhügel ans Ufer verlegt worden, um den wichtigen Wasserweg besser kontrollieren und Zölle erheben zu können. In Hessen seien keine vergleichbaren Funde bekannt, so Hampel.

„Möglicherweise war es diese ‚Hafenburg‘, die seit dem Ende des 12. Jahrhunderts die königlichen Pfalzgebäude auf dem Domhügel ersetzte“, vermutet Semmelroth. Und Cunitz, selbst gelernter Historiker, stellte in Aussicht, das einmalige Ensemble auch im Neubau des Historischen Museums sichtbar zu machen.

Wer sich den Fund schon jetzt anschauen will, kann dies vom Sonnemann-Saal im Historischen Museum aus tun.