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26.06.2012

Frankfurt bekommt seinen schönsten Saal zurück

Architekt David Chipperfield und Oberbürgermeisterin Petra Roth gewähren ersten Blick ins sanierte Palmengarten Gesellschaftshaus

(pia) Zehn Jahre lang war das Gesellschaftshaus im Frankfurter Palmengarten geschlossen. Das Gebäude wurde denkmalgerecht instand gesetzt und modernisiert. Nun erstrahlt der tagesbelichtete Festsaal wieder in gründerzeitlichem Glanz.

Oberbürgermeisterin Petra Roth und der Architekt Sir David Chipperfield gewährten am Dienstag einen Einblick in den reich dekorierten Saal, dessen Fassung im Stil der Neorenaissance restauriert worden ist. Erstmals sahen die Gäste auch die beiden rekonstruierten Kronleuchter mit dem Frankfurter Wappen-Adler. Wie Bürgermeister Olaf Cunitz und Umweltdezernentin Manuela Rottmann erläuterten, steht auch die Sanierung der Gebäudeteile aus den 1920er Jahren, namentlich des Elsaesser-Treppenhauses und des Hochzeitssaals mit seinem charakteristischen runden Panoramafenster, kurz vor dem Abschluss. Der Entwurf von David Chipperfield Architects für das Palmengarten Gesellschaftshaus vereinigt diese wertvolle historische Substanz mit einem neuen Westflügel, der das Erbe des Neuen Frankfurt interpretiert.

Chipperfield habe eine überaus anspruchsvolle architektonische Aufgabe meisterlich gelöst, lobte Roth: „Ihnen ist es gelungen, ein mehrfach umgebautes, denkmalgeschütztes Gebäude aus dem 19. Jahrhundert in Respekt vor seinen früheren Architekten wieder zum Leben zu erwecken und es mit künstlerischem Sinn in einen der schönsten Gärten der Welt einzubetten: unseren Frankfurter Palmengarten.“ Vom Festsaal des Gesellschaftshauses öffnet sich nun wieder – wie bei der Eröffnung 1871 - der Blick ins Palmenhaus. „Diese Verbindung von Pflanzen, Leben und Kultur gibt es an keinem anderen Ort“, sagte Roth.

Außenansicht des Gesellschaftshaus im Palmengarten © Stadt Frankfurt am Main
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David Chipperfield erläuterte die Herangehensweise: „Es ging darum, die verschiedenen Zeitschichten des Gebäudes herauszuschälen und entsprechend der vielfältigen heutigen Anforderungen und Nutzungen zu organisieren. Anstatt den Ort mit einer neuen eigenen Architektursprache zu konfrontieren, haben wir durch eine behutsame Restaurierung das vorhandene Material neu orchestriert. Ein vielschichtiger Ort für das öffentliche Leben Frankfurts wird damit wieder gewonnen.“

Im Gesellschaftshaus spiegeln sich die baugeschichtlichen Epochen wieder, die auch Frankfurts Stadtbild am stärksten geprägt haben“, sagte Bürgermeister Cunitz. In allen diesen Epochen – Gründerzeit, Neue Sachlichkeit und 1950er Jahre - habe Frankfurt gerade auch bei öffentlichen Gebäuden Standards gesetzt. „Dieses Erbe bedeutet eine hohe Verpflichtung. Wir pflegen es nicht nur im konservatorischen Sinne, sondern halten es lebendig.“

Umweltdezernentin Manuela Rottmann erinnerte daran, dass das Gesellschaftshaus 2002 wegen mehr als 130 Brandschutzauflagen geschlossen werden musste. Noch im selben Jahr gewann das Büro David Chipperfield Architects den internationalen Architektenwettbewerb. Allerdings konnte der Bauauftrag nach europaweiter Ausschreibung erst 2009 an einen Generalunternehmer vergeben werden. „Ein solches Gebäude bekommen Sie aber nicht schlüsselfertig, man wusste nie, welche Überraschungen hinter der nächsten Wand auftauchen und ob ein wichtiger Stützbalken noch trägt.“ Sie sei deshalb sehr glücklich, dass das Werk nun bald vollendet ist.

In den nächsten Tagen können die künftigen Betreiber mit der Inneneinrichtung beginnen. Die Eröffnung ist für Herbst 2012 geplant. Dann auch mit einem Fest für alle Bürger.