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Der Turmbau zu Frankfurt

Vielfältig sind sie, bunter als ihre Anverwandten, die Hochhäuser. Ob Henninger Turm oder Sternwarte, Fernsehturm, Goetheturm oder Flughafen-Tower - anders als die ständig im Wettstreit miteinander liegenden Wolkenkratzer buhlen die Türme auch nicht unbedingt um maximale Höhe. Einer von ihnen dürfte ohnedies dem Himmel näher sein als alle anderen: der Bartholomäusdom.

Blick vom Römer auf den Frankfurter Dom, © PIA Stadt Frankfurt am Main, Foto: Tanja Schäfer
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Kapitelle und Krabben

Jahrelang hat sich der Domturm nur verhüllt gezeigt. Nun ist er gründlich restauriert seit einigen Monaten wieder ohne Bauplanen zu bewundern. Nachts in leises Licht gesetzt, leuchtet der rostrote Domturm unter dem Abendhimmel, und seine filigranen Bauelemente stechen besonders wirkungsvoll hervor. Hergestellt wurden die vielen Verzierungen in einer Würzburger Bildhauerwerkstatt: 300 Kreuzblumen, 65 Kapitelle und 950 Krabben haben die Steinmetze für den Frankfurter Dom gemeißelt. Erhebt nun noch die 125 Jahre alte "Gloriosa"-Glocke im Domturm ihre mächtige Stimme, scheint der Kaiserdom für einen magischen Moment wie viele Jahrhunderte lang der höchste Bau in der Stadt zu sein.
(Eine Bildergalerie zu den Restaurierungs-Arbeiten am Dom finden Sie in der rechten Spalte)

Die Milchstraße um die Ecke

Der Himmel ganz nah kommt auch, wer in der Robert-Maier Straße die 132 Stufen zur nur gut 30 Meter hohen Kuppel erklommen hat - beim Blick durch das Teleskop der Volkssternwarte. Die Mondkrater, seine Täler und Berge, das Farbenspiel von Mars und Jupiter, der Andromedanebel, die Milchstraße – das alles scheint hier geradezu mit den Händen greifbar. Am 30. Mai 1960 wurde der Turm des Physikalischen Vereins an der Senckenberg-Anlage fertig gestellt - nach altem Vorbild. Denn der originale Turm von 1908 wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Das Herzstück der Warte, das Teleskop, steht auf einer vier Meter hohen blauen Säule mit Jugendstilverzierungen, die sich schon in der alten Sternwarte befand und den Krieg im Keller überstanden hat. Gerappelt voll kann es werden in der Kuppel. Bei Sonnen- oder Mondfinsternissen, wenn Merkur die Sonne verdeckt und Kometen vorbei ziehen. Hunderte Frankfurter werden in solchen Nächten zu Sternenguckern.

Der alte Tower. ©Fraport AG
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Auge in Auge mit den Fliegern

Ein Frankfurter Turm, der sich ebenfalls eher bedeckt hält, wird zurzeit fertig gestellt. Gerade mal 70 Meter wird er messen, aber in seiner künftigen Bedeutung für die Region manchen Wolkenkratzer in der City übertreffen. Es gibt zwar viele Türme in der Stadt, aber keinen "Tower" wie diesen: Fluglotsen werden hier einziehen. Der entscheidende Grund, warum sich die Bauherrin Deutsche Flugsicherung (DFS) zu diesem 29 Millionen teuren Turmbau entschlossen hat, ist der geplante Flughafenausbau. Von dem neuen Beobachtungsposten aus, es ist der vierte auf dem Airportgelände, werden die Flughafen-Kontrolleure die zukünftige Nordwest-Landebahn in den Blick nehmen, und zwar im wahrsten Sinn des Wortes, denn inmitten praller digitaler Technik wachen die Lotsen tatsächlich mit den Augen über die Flieger.

Kreiseln in hundert Meter Höhe

Ältere Frankfurter erinnern sich noch gut daran: Zu diesem Turm pilgerte man nicht nur am 1. Mai. Denn einst drehten sich nicht nur Radfahrer beim Traditionsrennen "Rund um den Henninger Turm", sondern der Bierturm drehte sich auch um sich selber, zumindest auf der Höhe von 100 Metern. Ein beliebter Ort für Familienausflüge war das, denn dort oben befand sich ein für damalige Zeiten spektakuläres Restaurant. Der Clou: Innerhalb von 30 Minuten rotierten die Besucher bei Schnitzel und Pommes einmal um die Achse der Kanzel. Heute hat das zwischen 1959 und 1961 erbaute ehemalige Getreidesilo des Frankfurter Bierherstellers ausgedient – und nichts und niemand dreht sich mehr. Nur die Radfahrer umrunden ihn noch, aber aus ihrer Kreisfahrt ist ein "Loop" geworden, und auch der einstige Frankfurter Bierbrauer gibt dem Rennen nicht mehr als Namenspatron seinen Segen.

Der Fernsehturm 'Ginheimer Spargel', © PIA Stadt Frankfurt am Main, Foto: Tanja Schäfer
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Ginnheimer Spargel

Bis 1974 war der Henninger Turm immerhin noch das höchste Gebäude der Stadt! Aber dieses Jahr war dann das Geburtsjahr eines Turms, der schließlich nicht nur den Brauereiturm um seinen Höhenrekord brachte, sondern der 331 Metern das damals höchste freistehende Bauwerk der Bundesrepublik wurde: der Frankfurter Fernsehturm, auch Europaturm genannt oder frankfurterisch-unpathetisch "Ginnheimer Spargel". Seit der Wiedervereinigung hat das hauptstädtische Exemplar der Gattung Fernsehturm mit 30 Metern mehr den Frankfurtern schon wieder den Rang abgelaufen. Trösten mag sich wer will am Main damit, dass wenigstens die Kanzel höher hängt als in Berlin! Mit ihren sechs Stockwerken schwebt sie in 227 Meter Höhe und ist drehbar wie einst der Henninger Turm. Von hier aus hätte man einen einzigartigen Blick über das Rhein-Main-Gebiet - wenn sie denn zugänglich wäre. Aber seit 1999 ist der Europaturm für die Öffentlichkeit geschlossen. Das Basisgebäude benutzt die Deutsche Telekom, die "ihren" Turm nachts daher in der unvermeidlichen Betriebsfarbe Magenta anstrahlt.

Ein Holzturm für den Dichter

Frankfurt liebt seinen Goethe. So wenig der Dichter aber jemals in der Goethestraße war, so wenig hat er je einen Fuß auf die 196 Stufen des Goetheturms gesetzt. Der vollständig aus Holz gebaute Aussichtsturm am Rand des Stadtwalds ist 43 Meter hoch und war bis 1999 das höchste öffentlich zugängliche Holzgebäude Deutschlands. Bereits seit 1867 stand an gleicher Stelle ein kleinerer Holzturm. Anlass für den Bau gab ein Gedicht des Heimatdichters Karl Heinrich Ehrt, laut dessen Versen Goethe hier Spaziergänge unternommen haben soll. Nachdem der ursprüngliche Turm nach dem Ersten Weltkrieg wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste, baute man einen neuen Goetheturm. Der wurde pünktlich fertig zu den Feiern zum hundertsten Todestag des Dichters im Jahr 1932. Ob der höhenängstliche Goethe ihn bestiegen hätte? Mag sein. Immerhin hat sich der Frankfurter ohne Nachsicht für seine eigenen Schwächen auf einen Turm gewagt, der gewiss etwas schwindelerregender war als der bescheidene Holzturm im Stadtwald: das Straßburger Münster.