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29.08.2012

"Dick Laurent is dead"

Krisen des männlichen Film Noir

(pia) Dr. Burkhard Röwekamp hält heute im Deutschen Filmmuseum um 20 Uhr eine Vorlesung über Risse und Brüche idealisierter männlicher Identitätsvorstellungen im Film Noir.

Seit seinen Anfängen in den 1940er-Jahren erzählt der Film Noir von existenziellen Krisen überlieferter Männlichkeitsideale. Der noir-typische Antiheld ist ein hilflos seinen Trieben ausgelieferter Einzelgänger, ein beziehungsunfähiger Verlierertyp, der seinen Platz im gesellschaftlichen Gefüge nicht mehr finden kann. Er ist ein Mann, der sich umzingelt sieht von Femmes Fatales, kaltblütigen Verbrechern und anderen zwielichtigen Figuren. Der Film noir formuliert auf diese Weise seinen Zweifel an der Gültigkeit herkömmlicher Konzeptionen von Männlichkeit, wie sie vor allem im klassischen Hollywood lange gepflegt wurden.

Röwekamp lehrt am Institut für Medienwissenschaften an der Universität Marburg und promovierte zur Geschichte und Methodik des Film Noir. Im Anschluss an seine Vorlesung präsentiert er den Noir Klassiker Lost Highway von David Lynch.

Lost Highway von David Lynch, © PIA Stadt Frankfurt am Main
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Lost Highway

Bilder wie aus Alpträumen, düstere Tonkulissen, rätselhafte Handlungsverläufe: Lost Highway vermittelt eher Stimmungen als eine Geschichte. Ein Mann verwandelt sich in einen anderen und wieder zurück, zwei Frauen werden von der selben Schauspielerin verkörpert, ein Mann behauptet im Gespräch mit einem anderen, im selben Moment in dessen Wohnung zu sein. In Lost Highway bleiben die Räume vage, der Film spielt mit Licht und Schatten, konfrontiert Gangster-Figuren mit Femmes Fatales und wird deshalb gemeinhin dem Neo-Noir zugeordnet.

Bitte beachten Sie auch die Filmreihe zum Film Noir, die am 1. September beginnt und einen Einblick in eine andauernde und wandelbare Stilrichtung gibt.