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28.08.2012

Frankfurter Rollstuhl-Basketballer bei den Paralympics

(pia) Frankfurt am Main wird zu einer Hochburg im Rollstuhl-Basketball. Wenn am nächsten Mittwoch, 29. August, die Paralympics eröffnet werden, sind in London jeweils drei Frauen und Männer vom Klub Mainhattan Skywheelers in den deutschen Nationalmannschaften vertreten: Anne Brießmann, Heike Friedrich und Maria Kühn; Andi Kreß, Sebastian Magenheim sowie Sebastian Wolk. Hinzu kommt Alexandra Hlawan (Frankfurt) als Teampsychologin. Bei den bisher größten Paralympics - in der britischen Metropole sind mehr als 4.200 Sportler aus 162 Nationen am Start - haben die erfolgreichen Frankfurter Rollstuhl-Basketballer auch medial eine große Bühne. Die öffentlich-rechtlichen TV-Sender ARD und ZDF übertragen 65 Stunden, der britische Fernsehsender Channel 4 bewirbt die Spiele mit dem Slogan „Meet the superhumans“ - treffe die Supermenschen.

Skywheeler Frankfurt, © PIA Stadt Frankfurt am Main
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Mega-Sportfest an der Themse

Hinter den behinderten Sportlern liegt ein weiter Weg zur gesellschaftlichen Anerkennung. Von den ersten Paralaympics 1960 in Rom (400 Athleten, 23 Nationen) bis zur bislang letzten Austragung 2008 in Peking (knapp 4.000 Athleten aus 146 Nationen) gab es viele Vorbehalte und Zurücksetzungen zu überwinden. Eines haben die deutschen Rollstuhl-Basketballer ihren nicht-behinderten Kollegen schon jetzt voraus: Sie sind qualifiziert für das Mega-Sportfest an der Themse. „Und unser Ziel ist ganz klar: Wir wollen eine Medaille“, sagt Wolk. Dem 31-jährigen Centerspieler war 1995 im Hüftbereich ein Tumor entfernt worden, seither ist er gehbehindert.
Begonnen mit dem Rollstuhl-Basketball hat Wolk in einer Darmstädter Freizeitmannschaft, mit den Mainhattan Skywheelers verpasste er zuletzt als Fünftplatzierter die Play-off-Runde. Das soll in der neuen Saison anders werden. Los geht es drei Wochen nach der Schlussfeier bei den Paralympics, am 29. September mit dem Auswärtsspiel bei den RSC Rollis Zwickau. Wobei eines erwähnt werden muss: In der Bundesliga treten die Mannschaften in Mixed-Teams an. „Da fliegen die Stühle, da kracht man zusammen“, sagt Wolk über die Athletik und Dynamik seiner Sportart. Die Hightech-Sportrollstühle kosten bis zu 7.000 Euro.

Mehr als ein Medaillentraum bei den deutschen Damen

Ihre sportliche Heimat haben die deutschen Rollstuhl-Basketballer in London in der Olympic Basketball Arena (Kapazität 10.000 Besucher) und in der North Greenwich Arena (16.500 Zuschauer). Besonders realistisch sind die Medaillenträume bei den deutschen Damen. Platz 7 in Sydney (2000), Rang vier in Athen (2004), Silber in Peking 2008 - was bleibt da anderes als der Wunsch nach Gold? Zumal die Mannschaft von Bundestrainer Holger Glinicki (Hamburg) zuletzt bei der WM 2010 nur ganz knapp dem Dauerrivalen USA unterlag. Ihr erstes Spiel in der Vorrundengruppe B absolviert das Glinicki-Team am Freitag, 31. August, um 14 Uhr (MESZ) - gegen die USA. Die deutschen Männer, Paralympics-Fünfte 2008 und EM-Zweite 2011 in Israel, dürften es schwer haben, sich gegen die „Big Four“ der Szene (Australien, Großbritannien, Kanada, USA) durchzusetzen. Einen ersten Fingerzeig wird das Eröffnungspiel am Donnerstag, 30. August, um 20 Uhr (MESZ) gegen Großbritannien in der ausverkauften North Greenwich Arena liefern. Mit Kolumbien, Japan, Kanada und Polen stehen anschließend leichtere Vorrundengegner auf dem Programm.

Skywheeler Frankfurt, © PIA Stadt Frankfurt am Main
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Vorfreude auf die Rollstuhl-Basketball-EM in Frankfurt

Ihre Schatten voraus wirft auch schon die Rollstuhl-Basketball-EM vom 28. Juni bis 7. Juli 2013 in Frankfurt. „Wir sind froh und stolz, dass es uns gelungen ist, diese Veranstaltung nach Frankfurt zu holen“, sagt Sportdezernent Markus Frank. „Rollstuhl-Basketball ist eine sehr integrative, wunderbare Sportart, die wir unseren sportbegeisterten Bürgern näher bringen wollen.“ Mit der Beschaffung und Installation einer neuen Beschallungsanlage für die Heimspielstätte der Mainhattan Skywheelers hatte die Stadt im Vorjahr ein erstes Zeichen gesetzt, nun folgt der große europäische Wurf. Ausgetragen werden die Spiele in der barrierefreien Eissporthalle vor bis zu 7.000 Zuschauern, genügend Lagerfläche für die Sportgeräte steht dort auch zur Verfügung. Das Trainingszentrum mit zwei Hallen befindet sich in der Carl-von-Weinberg-Schule. Dort fand Ende Mai auch ein internationales Vorbereitungsturnier für die Paralympics statt, quasi ein logistischer Probelauf für die EM im nächsten Jahr. Die EM-Organisation vor Ort obliegt dem Deutschen Rollstuhl-Sportverband (DRS) unter der Leitung von Pierre Fontain, als Team-Hotel steht das Radisson Blu in Frankfurt zur Verfügung. „Frankfurt mit seinen sportbegeisterten Menschen freut sich auf dieses europäische Großereignis“, sagt der Frankfurter Stadtrat.

Uwe Martin