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15.08.2012

Die Konstellation war glücklich...

Neue Ausstellung im Institut für Stadtgeschichte zeigt Goethes Frankfurt 1749-1775

(pia) Pünktlich zur Frankfurter Goethe-Festwoche 2012 Mitte September widmet das Institut für Stadtgeschichte der Main-Metropole zur Goethe-Zeit eine kleine, aber feine Ausstellung. „‚Die Konstellation war glücklich …“. Goethes Frankfurt 1749-1775“ ist vom 17. August bis 27. Januar 2013 im Karmeliterkloster zu besichtigen.

Kulturdezernent Felix Semmelroth sagte am Mittwoch: „Frankfurt am Main hat das große Glück, dass Johann Wolfgang Goethe hier nicht nur geboren und aufgewachsen ist, sondern seiner Heimatstadt in den Lebenserinnerungen ‚Dichtung und Wahrheit‘ ein äußerst anschauliches, wenn auch nicht durchweg positives Denkmal errichtete.“

Die Direktorin des Instituts, Evelyn Brockhoff, unterstrich, „welchen großen Reiz es besitzt, das Erleben des Dichters mit bekannten und weniger bekannten Stadtansichten zu einem Porträt Frankfurts Mitte des 18. Jahrhunderts zu verschränken“.

Umschlossen von stattlichen Befestigungsanlagen konnte dieses „Nest“, dem Goethe 1775 endgültig den Rücken kehrte und wo jeder jeden kannte, durchaus als eng und beengend empfunden werden. Trotzdem blieb Frankfurt nicht im Kranz seiner Befestigungen gefangen. Vom Handel und dem damit verbundenen Austausch der Kulturen seit jeher geprägt, war die Stadt vielsprachig, multikonfessionell und weltoffen. Ihre Bewohner zeigten sich stolz auf den Status als Reichsstadt, den zeremoniellen Prunk von Wahl und Krönung und die zwei großen jährlichen Messen. Eine gleichermaßen altertümliche wie im Wandel begriffene Welt eröffnete sich damals dem heranwachsenden Dichter und prägte ihn nachhaltig.

Goethe besaß als Sohn wohlhabender Eltern und Enkel des höchsten Würdenträgers der Stadt intime Einblicke in zahlreiche, allerdings überwiegend privilegierte Bereiche des Frankfurter Lebens, die seine Schilderungen über die Dichtung hinaus zur Zeitzeugenschaft erheben. So geht es in der Ausstellung nicht allein um „Das Antlitz der Stadt“ und besonders die Umgebung des Goethe-Hauses, sondern gleichfalls um das Leben der damals knapp 40.000 Einwohner.

Viele Honoratioren und Künstler, über die Goethe aus persönlichem Eindruck berichten konnte, sind mit ihren Werken oder im Porträt in der Schau vertreten. Herausragende Ereignisse wie die Wahl- und Krönungsfeierlichkeiten für Joseph II., die der junge Schriftsteller in Frankfurt hautnah miterlebte, werden ebenso veranschaulicht wie längst untergegangene Straßen und Plätze, denen er – trotz jugendlicher Faszination – später attestierte: „Nichts architektonisch Erhebendes war damals in Frankfurt zu sehen...“

Die Ausstellung ist vom 17. August bis 27. Januar 2013 montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr und am Wochenende von 11 bis 18 Uhr im Institut für Stadtgeschichte im Karmeliterkloster, Münzgasse 9, zu sehen. Öffentliche Führungen mit Kurator Henrik Halbleib werden kostenfrei immer sonntags am 26. August, 23. September, 28. Oktober, 25. November und 9. Dezember sowie am 27. Januar jeweils um 16 Uhr angeboten.

Begleitend zur Ausstellung konzipierte das Institut für Stadtgeschichte gemeinsam mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung die Vortragsreihe „Eine kleine Welt“, die in acht Veranstaltungen viele Themen der Ausstellung vertieft und auch Goethes späteren Werdegang in Weimar einbezieht. Weitere Kooperationspartner sind das Frankfurter Goethe-Haus/Freies Deutsches Hochstift und die Gesellschaft für Frankfurter Geschichte.

Zum Auftakt referiert Andreas Hansert am 4. September über den Aufstieg der Familie Goethe in der Frankfurter Gesellschaft des 18. Jahrhunderts. Es folgt am 9. Oktober ein Vortrag von Thomas Bauer zu Goethe und den Krönungsfeierlichkeiten Josephs II. Am 6. November spricht Norbert Christian Wolf über Goethe und seine Verleger. Catharina Elisabeth Goethe und ihre Tochter Cornelia sind Thema des Vortrags von Ulrike Prokop am 19. November. Um Goethes Weg von Frankfurt nach Weimar geht es am 27. November mit Hellmut Seemann. Der Abend des 4. Dezember mit Anne Bohnenkamp-Renken ist Zeit und Geld in Goethes Faust gewidmet. Annette Seemann berichtet am 11. Dezember über „Frankfurt und Weimar – zwei Landschaften erlebter Bildung“. Den Abschluss der Reihe bildet am 15. Januar 2013 der Beitrag von Alfred Schmidt über „Pantheismus als Religion und naturwissenschaftliche Methode im Werke des reifen Goethe“.

Sämtliche Vorträge finden im Institut für Stadtgeschichte statt, beginnen jedoch zu unterschiedlichen Zeiten; Näheres unter http://www.stadtgeschichte-ffm.de.

Die vom Institut für Stadtgeschichte herausgegebene, reich bebilderte 64-seitige Begleitpublikation von Ausstellungskurator Henrik Halbleib, „‚Die Konstellation war glücklich …“. Goethes Frankfurt 1749-1775“, kostet 14,90 Euro und ist im Karmeliterkloster sowie im Buchhandel erhältlich (Henrich Editionen, ISBN 978-3-921606-93-3).